Gregor Gumppenberg mit seiner Schlittenhunden.
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Mit den Tieren beschleunigt der Tutzinger auf bis zu 30 Stundenkilometer.

Schlittenhunde-Rennen

Zurück auf den Weltmeister-Thron

  • Simon Nutzinger
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Gregor von Gumppenberg war einst der beste Schlittenhunde-Rennfahrer der Welt. Zwölf Jahre nach seinem Gold-Coup startet der 46-jährige Tutzinger ein Comeback. Sein großes Ziel ist der WM-Titel 2023.

VON SIMON NUTZINGER

Tutzing – Gregor von Gumppenberg hat erreicht, wovon jeder Sportler träumt. Der 46-Jährige darf sich Weltmeister nennen. 2008, in Pian del Cansiglio (Italien), krönte er sich zum König seines Fachs. Gold über die Mitteldistanz. Na gut, so viel muss gesagt sein: Wir sprechen von Schlittenhunderennen. Im Vergleich zu Fußball, Skifahren und Co. natürlich nicht die ganz große Nummer. Aber trotzdem: Weltmeister ist Weltmeister. Zwölf Jahre nach seinem größten Erfolg startet von Gumppenberg nun ein Comeback. Das Ziel des Tutzingers: der WM-Titel 2023.

Dabei hatte von Gumppenberg eigentlich schon längst mit dem Schlittenrennsport abgeschlossen. Vier Jahre nach dem Gold-Coup von Venetien beendete er 2012 seine Laufbahn. Nicht etwa weil er keine Lust mehr hatte. Ihm fehlte es schlichtweg am Geld. „Ich konnte mir das alles nicht mehr leisten“, sagt von Gumppenberg heute. Dazu muss man wissen, dass Schlittenhunderennen ein äußerst teures Vergnügen sind. 36 Hunde umfasste damals das Team des gebürtigen Münchners. Allein, die alle durchzufüttern, drückt gehörig auf den Geldbeutel. Von den Reisekosten für Rennen in ganz Europa mal ganz zu schweigen. „Das war irgendwann zu viel“, betont der 46-Jährige, der zu der Zeit kein dauerhaft geregeltes Einkommen hatte. „Ich musste mich schweren Herzens von meinen Hunden trennen und aufhören.“

Seither hat sich vieles verändert. Gemeinsam mit seiner Lebenspartnerin ist von Gumppenberg vor fünf Jahren nach Tutzing gezogen, wo die beiden erfolgreich eine Hundeschule betreiben. „Es läuft ganz gut für uns“, sagt er. Mit einer gewissen finanziellen Sicherheit im Rücken gedeihte in ihm mehr und mehr der Gedanke einer Rückkehr auf den Rennschlitten. „Die Leidenschaft für den Sport hatte ich ja nie verloren.“ Vor wenigen Monaten stand für ihn fest: „Ich will es noch einmal wissen.“ Nur nicht mehr im ganz so großen Stil wie früher sollte es ablaufen. Statt 36 Hunden sind es diesmal nur noch neun, die er zu seinem Team zählt. „Das ist dann schon bezahlbar.“ Auch wenn er die Kosten pro Jahr noch immer auf stattliche 25 000 Euro hochrechnet.

Seine Hunde hat von Gumppenberg selbst gezüchtet. Es sind europäische Schlittenhunde, eine Mischung aus dem alaskischen Huskey, dem deutschen Kurzhaar und dem englischen Pointer. Schnell, kräftig und widerstandsfähig sind sie. Geschwindigkeiten von bis zu 30 Kilometern pro Stunde bringen sie auf den Tacho. Ideal für die rund 50 Kilometer langen Mitteldistanzstrecken, in denen von Gumppenberg an den Start geht. Er sagt: „Für mich sind sie wie Formel-1-Autos.“

Wer ihn und seine Hunde beim Training sieht, weiß, was er damit meint. Wenn von Gumppenberg, gezogen von seinen neun Schützlingen, mit seinem rund 90 Kilo schweren Trainingsgefährt um den Starnberger See brettert, wirbelt es gehörig Staub auf. „Da ist schon ordentlich Power dahinter“, sagt er und lacht. Damit sich diese bis zu seinem großen Ziel, den Weltmeisterschaften 2023, noch weiter erhöht, sind viele Übungsfahrten nötig. Am liebsten würde von Gumppenberg schon jetzt ab und an in Skandinavien auf Schnee trainieren. Doch das Coronavirus macht ihm einen Strich durch die Rechnung. So bleiben vorerst nur die heimischen Wiesen und Schotterwege. „Besser als nichts“ seien diese, aber nicht optimal. Der harte Untergrund birgt ein deutlich erhöhtes Verletzungsrisiko für seine Hunde. Da ist Vorsicht angesagt. „Du darfst es mit der Intensität nicht übertreiben.“

Allgemein steht für von Gumppenberg die Gesundheit seiner Schlittenhunde stets an erster Stelle. Nur wer die Tiere als Partner und vollwertige Mitglieder seines Teams wahrnehme, könne Erfolg haben. „Ein guter Rennfahrer stellt niemals seinen eigenen Ehrgeiz über das Wohl der Hunde“, betont er. Einst verzichtete er dafür sogar auf rund 10 000 Euro Preisgeld. Bei einem der äußerst seltenen hoch dotierten Rennen lag von Gumppenberg weit in Führung, als er plötzlich zur großen Überraschung der Konkurrenz freiwillig ausschied. Die extrem vereiste Strecke war ihm zu gefährlich für die Gelenke seiner Hunde geworden. „Klar, hätte ich das Geld gerne gewonnen und auch gut gebrauchen können“, sagt er. „Aber ich würde immer wieder so handeln.“

Entsprechend gut findet er den Modus, der ihn bei der WM 2023 – deren Austragungsort im Übrigen noch nicht bekannt ist – erwartet. Jeder der vermutlich knapp 20 Teilnehmer darf acht Hunde für den Wettbewerb nominieren. An jedem der drei Renntage, an denen jeweils dieselbe 46 Kilometer lange Strecke bewältigt werden muss und am Ende alle Zeiten zusammengezählt werden, kommen jedoch nur sechs Hunde zum Einsatz. „So kann ich den beiden, die besonders müde sind, immer eine Pause geben“, sagt von Gumppenberg.

Und auch wenn bis zum Januar 2023 noch zwei Jahre hin sind – der Tutzinger brennt schon jetzt auf sein WM-Comeback. „Ich würde am liebsten sofort starten“, betont er. Ob es für ihn nach so langer Pause erneut zum großen Titel reicht, vermag er nicht zu beurteilen. Von Gumppenberg sagt nur so viel: „Meine Hunde und ich werden bereit sein.“ So wie vor zwölf Jahren. Bei seinem ersten Coup in Pian del Cansiglio.

Hundepate werden

Wer Gregor von Gumppenberg bei seinem Traum vom erneuten Weltmeistertitel unterstützen möchte, kann Patenschaften für einen seiner Schlittenhunde übernehmen. Genauere Informationen gibt es im Internet unter www.hundeschule-tutzing.com.

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