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Professor Frank Höpner kennt die Geschichte der St. Ulrich-Kapelle bei Königswiesen.

Letztes Relikt von Chuningiswisun

Königswiesen - Die kleine Kapelle St. Ulrich liegt versteckt im Wald, südlich von Königswiesen. Das letzte Relikt der ehemaligen Hofmark.

Es ist ein heißer Samstag in diesem Sommer. 30 Geschichtsinteressierte – unter ihnen die Gautinger Alt-Bürgermeister Brigitte Servatius und Dr. Ekkehard Knobloch – wandern mit Professor Frank Höpner von der Gesellschaft für Archäologie und Geschichte zur Ulrich-Kapelle. Das Kirchlein auf der Waldlichtung südlich der heutigen Siedlung ist das einzige Überbleibsel der von den Karolingern gegründeten Hofmark Königswiesen. Gegenüber der Holzschleif, südlich der Reismühle, steigt die Wandergruppe zügig bergauf.

Am Gedenkkreuz auf der Anhöhe des St.-Ulrich-Weges gibt‘s den ersten Stopp: Am 17. April 1968 stürzte hier der Pilot Ferdinand Eckert bei einem Testflug mit seinem Starfighter F-104 mitten im Wald ab – mit „lautem Knall“, erinnert sich der Zeitzeuge Volker Loth, der damals im Zug zwischen Lochham und Gräfelfing saß. Eckert war nicht das einzige Starfighter-Opfer. 284 Piloten waren in den 1960er-Jahren mit diesem Düsenjäger-Typ abgestürzt, zitiert Höpner aus der Dokumentation der Jugendfeuerwehr Gauting von 2013. „Erstaunlich, dass die nahe St. Ulrich-Kapelle damals nichts abgekriegt hat“, meint der Referent.

Am „Ort der Stille“, auf der Waldlichtung gegenüber der Karlsburg, hören die Gautinger Wanderer nur noch Vogelgezwitscher. Immer im Juli feiert das Ulrichskirchlein, das zur Erzdiözese München-Freising und zur Pfarrei Gauting gehört, Patrozinium. Um die Kapelle auf der Waldlichtung kümmern sich Höpner und der Gautinger Max Eck (91) ehrenamtlich.

Fasziniert lauschen die Zuhörer auf den Kirchenbänken dem Vortrag: Erstmals urkundlich erwähnt ist die Siedlung Chuningiswisun im Besitzerverzeichnis des Klosters Ebersberg um 934, beruft sich der Referent auf das Buch „Geschichte der Gemeinde Gauting“ von Dr. Wolfgang Krämer. Der Gymnasialprofessor, der die ersten römischen Ausgrabungen im heutigen Gautinger Badviertel dokumentiert hatte, geht davon aus, dass schon in vorbajuwarischer Zeit fiskalische Güter (Villae) im oberen Würmtal bestanden hatten, wie zum Beispiel die erst in diesem Jahrtausend entdeckte römerzeitliche Villa im nahen Leutstetten.

Ursprünglich war Königswiesen wohl ein karolingischer Königshof. Das Dorf mit Lehensbauern wechselte später ständig die Besitzer – und ging an die bayerischen Herzöge. „1507 hat Herzog Wilhelm hier ein Jagd-Schloss gebaut“, beweist der Königswieser Kupferstich von Michael Wenning (um 1701), erläutert Höpner. 1645 wurde Königswiesen zur Hofmark ernannt – mit eigener Gerichtsbarkeit. Doch die Siedlung verlor an Bedeutung. Als Graf Christian von Yrsch die Hofmark Anfang des 19. Jahrhunderts erwarb, lebte in Königswiesen nur noch eine Familien.

Im August 1824 verkaufte von Yrsch den größten Teil des Waldbesitzes an den Bayerischen Staat. „Der letzte Bauer von Königswiesen war Anton Haller“, berichtet Höpner. Als Mitte des 19. Jahrhunderts die Eisenbahn mitten durch die Siedlung gebaut wurde, gab Haller seinen Hof auf. Vom Erlös kaufte der Landwirt und spätere Bürgermeister von Buchendorf im Jahre 1864 die dortige Gastwirtschaft. „Bis aufs Ulrichskircherl wurde in Königswiesen alles abgerissen.“

„Es sind naive Fresken wie die in der St. Michaelskirche Buchendorf“, erklärt Höpner die verblassten Fresken in der St. Ulrich-Kapelle. Auf dem Wand-Gemälde mit der ehemaligen Hofmarksfamilie des Kaspar von Weiler sind auf der einen Seite zwölf Mönche abgebildet. Auf der anderen Seite sind weibliche Familienmitglieder zu erkennen. Renoviert wurden die Gemälde in der Kapelle zuletzt 1932, sagt Frank Höpner. Damals kamen auch die Wappen der bayerischen Herzöge von 1494 und 1475 wieder ans Tageslicht. Fotografien der verblassten Wandgemälde sind im aktuellen Wandkalender der Gesellschaft für Archäologie abgebildet – auf dem Dezember-Blatt 2016.

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