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Arbeitet das Elend dieser Welt auf seine ureigene Art ab: Urban Priol.

Kabarett

Formidables Haareraufen

Starnberg - "Jetzt" ist jetzt und bleibt immer aktuell - bis zu den 20-Uhr-Nachrichten. Darum kommt Urban Priol ,der Mann mit den zerzausten Haaren, auch nie pünktlich auf die Bühne. Dafür ist er bestens informiert über das Elend dieser Welt.

Als kürzlich Urban Priols Kabarett-Kollege Rolf Miller in der Schlossberghalle gastierte, erzählte er die Anekdote vom Ankündigungsplakat: Zwei offenkundige Heavy-Metal-Fans sollen davor gestanden sein und gerätselt haben, wer denn dieser „Örbän Praiol“ sei? Nun, der Mann, der sich am Freitagabend im Gegensatz zu Miller über ein volles Haus freuen durfte, stammt aus Aschaffenburg und spricht seine Heimatstadt folgerichtig „Aschebersch“ aus.

Urban Priol, jahrelang quasi der psychiatrische Leiter der ZDF-“Anstalt“, ist in der Tat ein Stück weit „Hardrocker“, wenn auch mit Worten. Sein ständig aktualisiertes Programm „Jetzt“ ist auch deshalb so nah dran am Zeitgeschehen, weil Priol sich um 20 Uhr noch die allerletzten Tagesschau-Meldungen reinzieht und dehalb erst ein paar Minuten nach Acht aufkreuzt – man weiß ja nie, was Erdogan, der AfD oder Sigmar Gabriel noch alles Satiretaugliches einfällt. Dass Priol dabei die Dirigenten-Haare zuverlässig zu Berge stehen, ist nur eines seiner äußeren Markenzeichen, die weiteren wären ein buntes Hemd im Ich-war-auch-mal-jung-Stil sowie permanentes Händeringen über den Zustand des Planeten.

Sein Lieblingskümmernis namens Angela Merkel samt Ückermark-Leier hat er auch diesmal wieder „an Bord“, doch erfreulicherweise spielt Priol in Starnberg noch ganz andere Dialekte und Sprech-Posen aus – die Österreicher etwa kriegen mit der Stimme ihrer 2016 zurückgetretenen Außenministerin Johanna Mikl-Leitner ihr Fett ab, weil sie so schön für die totale geistige Abschottung ihres Landes steht: „Keine Biene wird mehr durch dieses Land summen!“ Pegida-Demonstranten hat Priol natürlich auch drauf, wenn er sächselt: Wenn das mit der Islamisierung des Abendlandes so weiter gehe, „schprischt in Dräsden bold geener mähr Houchdeitsch!“

Doch der Mann, der „vor 34 Jahren zusammen mit dem Dicken angefangen hat, Kabarett zu machen“ – dieser Mann leidet erkennbar unter den Entwicklungen und meint es absolut ernst, wenn er sich Luft macht. Stichwort Staatsaffäre Böhmermann/Erdogan/Merkel: „Wenn Satire nicht mehr verletzt, brauchen wir sie nicht mehr.“ Stichwort Flüchtlingsthematik/Griechenlandkrise/Türkei: „Wenn die beiden Länder ihre U-Boote in der Ägäis aufstellten, könnten die Flüchtlinge über Deck nach Europa.“ Da bringt einer sehr kompakt auf den Punkt, was alles schiefläuft – und er kriegt vom Publikum immer wieder Beifall, wenn er Dinge ausspricht wie diese über Wirtschaftsflüchtlinge: „Das sind diejenigen, die das, was der Allgemeinheit zusteht, in Briefkastenfirmen in Panama bunkern.“ Milchpreisverfall? „Wenn ich als Biogasanlagenbetreiber mit der Scheiße meiner Kuh mehr Geld mache als mit ihrer Milch, stimmt doch was mit dem System nicht!“ Vermutlich liegt’s an anderen Rindviechern, an unreifen Politikern („Den ham se vor drei Jahren noch bei IKEA im Bälle-Bad abholen müssen“) oder an längst überreifen Vertretern ihrer Zunft: „Längst weggelobt nach Brüssel, diesem Gut Aiderbichl für lahmende Polit-Klepper“. Nach gut zweieinhalb Stunden ist das Elend der Welt auf Priolsche Art abgearbeitet, die Starnberger begeistert, und der Heavy-Metal-Kabarettist freut sich auf ein kühles Getränk: Jetzt!

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