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Fakten statt Parolen bekamen die Gäste im Haus Peter und Paul zu hören. 

Asyl

Fakten gegen Fremdenangst

Seefeld - Mit einer Lesung und Diskussion zum Thema Asyl und Integration rücken Seefelder im Haus Peter und Paul zusammen.

 „Wer sich eine Meinung bilden möchte, sollte vorher die Fakten kennen.“ Dieser Satz von Christine Schulz-Reiss galt am Sonntag in Seefeld einem emotional geladenen Thema: Asyl und Integration. Fakten, das kristallisierte sich im Laufe des Nachmittags heraus, sind ein wirksames Gegenmittel gegen Parolen, die Angst und Wut schüren. Die Autorin las im Saal des Hauses Peter und Paul aus ihrem Jugendbuch aus der Reihe „Nachgefragt: Flucht und Integration“. Auch Werner Steinmetz von Amnesty International ließ Fakten sprechen, während Johanna Senft von der Agenda-Gruppe „Asyl und Integration“ und Stefanie Kalchschmidt, Sachbearbeiterin Asyl der Gemeinde, die Arbeit mit den Flüchtlingen vorstellten. Bewohner der Containeranlagen der Gemeinde, Helfer, Bürgermeister Wolfram Gum und Interessierte lauschten der Lesung und den Ausführungen.

Vertreibung sei nichts Neues, betonte Autorin Schulz-Reiss und erzählte von Anna, die sich im großen Flüchtlingsstrom an die Hand ihrer Mutter klammerte. „Das Mädchen wusste genau, wer zurückbleibt stirbt.“ Anna floh nach dem Zweiten Weltkrieg in den Westen. Dort angekommen, war sie nicht willkommen, wie ein Zitat vom Mitgründer der Bauernpartei, Jakob Fischbacher, aus 1947 bewies: „Dieses Zeugs, die Flüchtlinge, müssen hinausgeworfen werden.“ Flucht und Fremdenangst seien so alt wie die Menschheit, erklärte Schulz-Reiss. Wie aber der Angst vor Fremden begegnen? „Wer Angst vor einer Spinne hat, muss diese in die Hand nehmen.“ Begegnung helfe gegen Fremdenangst. Viele Zuhörer nickten.

Fakten hatte die Agenda-Gruppe in Form einer Liste dabei, die zeigte, dass viele Flüchtlinge eine Ausbildung machen oder arbeiten. Ute Dorschner betreut zwei Eritreer. Beide arbeiten. Und eine Witwe aus Hechendorf hat vier Afghanen unter ihre Fittiche genommen: Alle arbeiten. Auch ein junger Eritreer aus dem Container-Dorf in Hechendorf ist unter den Gästen, nach einem Metall-Praktikum hat er in Herrsching eine Festanstellung, besucht abends Integrationskurse. Arbeiten ist wichtig, betonte Senft. „Sitzen sie rum, könnten sie auf dumme Ideen kommen, sie wollen arbeiten.“

Oft ist das einfacher gesagt als getan, wie Steinmetz von Amnesty darlegte. Eine Arbeitserlaubnis hätten Menschen aus dem Iran, Irak, Syrien, Somalia und Eritrea, denn ihnen werde von der Politik besonderer Schutz zugesprochen. Afghanen hätten dagegen ein Problem – obwohl auch das von Terror überzogene Land hineingehören sollte. Fakt ist: Es läuft gut mit Seefelds Asylbewerbern. Damit das so bleibt, sind dringend Paten und Helfer gesucht, die sich um die Heimatvertriebenen kümmern. Bei der Wohnungssuche könnten ältere Bürger profitieren, wenn sie Flüchtlinge aufnehmen, die ihnen im Alltag zur Hand gehen, meinte Dorschner.

Kontakt:

Wer Pate werden möchte oder Wohnraum zur Verfügung stellen kann, wendet sich an Agenda Integration und Asyl, Helferkreis integration@agenda-seefeld.de oder an Stefanie Kalschschmidt unter der Rufnummer (0 81 52) 79 14 12, kalchschmidt@seefeld.de.

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