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40 Euro muss der Angeklagte an die "Klinikclowns" zahlen. Das Verfahren gegen ihn wurde eingestellt.

Schild mit Aufschrift „Ich fahre schwarz“

Überraschende Wende im Verfahren gegen notorischen Schwarzfahrer

Gilching - Er trägt stets ein Schild mit "Ich fahre schwarz" um den Hals: Das Landgericht München II hat  den Prozess gegen einen notorischen Schwarzfahrer (46) aus Gilching gegen eine Auflage von 40 Euro eingestellt.

Schwarzfahrer in der S-Bahn sind keine Seltenheit. Dirk J., Frührentner, stellt allerdings eine Besonderheit dar. Er trägt stets ein Schild um den Hals mit der Aufschrift „Ich fahre schwarz“. Damit will er den Vorwurf des Erschleichen von Leistungen umgehen.

So soll es auch in einer Septembernacht 2013 gewesen sein. Ein Anzeige bekam er aber trotzdem. Das Erstgericht in Starnberg verurteilte ihn im Juli 2014 zu 400 Euro Geldstrafe (20 Tagessätze). Dagegen legte er Berufung ein. Am Montag wurde der Fall vor dem Landgericht München II erneut verhandelt. Doch erstaunlicherweise konnte sich der als Zeuge vernommene Kontrolleur an kein Schild erinnern.

Ticket nach Gilching vom Gericht finanziert

Selbst ein Protokoll von der damaligen Kontrolle deutete auf keinerlei Besonderheiten hin. „Zur Not hätte ich das vielleicht vermerkt“, erklärte der Zeuge vor Gericht. Der Angeklagte und ein zum Laien-Verteidiger ernannter Freund waren baff erstaunt. Ihre Verteidigungs-Strategie brach zusammen.

Mit stundenlangen Befragungen zu Dienstplänen, Uniformen und Kontrollabläufen versuchten sie völlig belanglose Informationen zu erlangen. Schließlich schlug eine gleichermaßen geduldige wie mitleidige Richterin vor, das Verfahren gegen eine Auflage von 40 Euro einzustellen.

„Vielleicht für die Tiere“, meinte Regina Hollstein, „für die setzen Sie sich doch ein.“ Dirk J. war begeistert, der Staatsanwalt willigte zähneknirschend ein. Leider fand die Richterin anschließend aber keine Spendenadresse für den Tierschutz. Deshalb gehen die 40 Euro nun an die Klinikclowns.

Seinen Rückweg nach Gilching trat der leidenschaftliche Schwarzfahrer mit einem gültigen Tagesticket an, spendiert und vorfinanziert vom Gericht, weil der Mann bekanntlich kein Geld fürs Bahnfahren hat.

Im Vorfeld des Verfahrens hatten seine Freunde im Internet für Riesenwirbel gesorgt. Gestern demonstrierten sie am Münchner Hauptbahnhof mit Plakaten für kostenloses Bahn- und Busfahren. Daraufhin richteten Bahn und Münchner Verkehrsbetriebe am Hauptbahnhof und am Stiglmaierplatz, wo sich das Gericht befindet, großangelegte Fahrkartenkontrollen ein und warnten vorab die Reisenden.

Angela Walser

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