Wiese, Acker, kleine Bäume: Auf diesem Grundstück westlich von Mörlbach möchte Eigentümerin Evi Brandl einen landwirtschaftlichen Großbetrieb zur Aufzucht von Wagyu-Rindern errichten. 
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Wiese, Acker, kleine Bäume: Auf diesem Grundstück westlich von Mörlbach möchte Eigentümerin Evi Brandl einen landwirtschaftlichen Großbetrieb zur Aufzucht von Wagyu-Rindern errichten. 

600 Euro pro Kilo Fleisch

Vinzenzmurr plant Wagyu-Zucht nahe Starnberger See - „Da ist das Klientel da“

  • VonSandra Sedlmaier
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Die Metzgerei-Kette Vinzenzmurr plant einen landwirtschaftlichen Großbetriebs zur Aufzucht von edlen Wagyu-Rindern. Im Gemeinderat Berg ist man wenig angetan.

Mörlbach – Es ist ein gigantisches Vorhaben, das sich am Dienstagabend vor den Berger Gemeinderäten ausbreitete. Auf einer landwirtschaftlichen Fläche im Außenbereich westlich von Mörlbach soll ein landwirtschaftlicher Großbetrieb mit Betriebsleiter-, Mitarbeiter- und Ferienwohnungen, Hofladen, Maschinenhalle, Fahrsilo, Rinderlaufstall, Mistlager, Hackschnitzelhalle, Bergehalle und Güllegruben entstehen. Eigentümerin des Areals ist Evi Brandl von der Metzgerei Vinzenzmurr. Sie will dort nach Auskunft ihres Betriebsleiters von der Gutsverwaltung Wadlhausen, Raimund Niedermeier, Wagyu-Rinder züchten. Der Gemeinderat lehnte alle Anträge ab.

Vinzenzmurr plant Wagyu-Zucht: Die veranschlagte Fläche ist enorm

Die Ausmaße der geplanten Gebäude sind enorm, wie die Gemeinderäte immer wieder feststellten. Klar wurde auch: Zwischen Antragstellern und Gemeinde gibt es ein Kommunikationsproblem. Und die Mörlbacher haben Angst, dass ihnen ein Riesenbauernhof vor die Nase gestellt wird. Schon bevor die Anträge rund um das geplante neue Gut im Rathaus eingingen, hatte Bürgermeister Rupert Steigenberger besorgte Mörlbacher am Telefon. Diese Sorgen teilen nun alle Ratsmitglieder.

Die Planungen für die Wiese links am westlichen Ortseingang von Mörlbach sind zweifellos gigantisch. Beim sechsten Antrag, dem für den Rinderstall, verlor Robert Schmid (CSU) die Fassung: „Das sind ja brutale Versiegelungen, da reden wir nicht von Quadratmetern, sondern von Hektar.“ Ganz so schlimm ist es nicht, zusammengerechnet geht es aber um mehr als 4700 Quadratmeter versiegelter Fläche. „Ich kann Ihre Erschütterung verstehen“, sagte der Bürgermeister. „Die Mörlbacher sind hoch entsetzt.“

Starnberger See: Metzgerei-Kette Vinzenzmurr will edle Rinder - Gemeinderat lehnt vorerst ab

Der Gemeinderat konnte das Projekt – mit dem Segen des Kreisbauamtes – ganz leicht ablehnen: Alle Anträge bezogen sich auf den Außenbereich, der nur mit landwirtschaftlicher Privilegierung bebaut werden darf. Diese lag dem Rathaus nicht vor. Noch nicht, wie Betriebsleiter Niedermeier gestern auf Anfrage des Starnberger Merkur sagte. „Das Amt für Landwirtschaft sagt, wir sollen erst den Bauantrag einreichen.“

Der Landwirt gibt am Telefon bereitwillig Auskunft und räumt auch ein, dass man vielleicht vorab mehr informieren hätte sollen. Geplant sei eine Rinderzucht für 65 hochwertige Wagyu-Rinder und deren Nachzucht. „Pro Jahr sind 71 Stück schlachtreif“, heißt es in einem Konzept. Die Stallgröße von 1729 Quadratmeter verteidigt er mit dem Tierwohl. „Jedes hat seinen Fressplatz und seinen Liegeplatz, das sind Kriterien, die man jetzt erfüllen muss.“ Das Fleisch sei extrem hochwertig und entsprechend teuer, weshalb auch ein Hofladen nötig sei. „Wir können nicht nur einen Automat hinstellen. Wenn man einen Porsche verkauft, muss man dem Verbraucher auch sagen, wie er ihn zubereiten soll.“

Delikatesse auf der Weide: Wagyu-Rinder liefern ein besonderes Fleisch, das intensiv marmoriert ist. Fleisch von Wagyu-Rindern aus Japan kostet bis zu 600 Euro das Kilogramm. 

Wagyu-Rinder am Starnberger See: 600 Euro pro Kilo - da ist das Klientel da

Wagyu-Rinder stammen aus Japan, ihr Fleisch gilt als extrem zart und delikat. Für ein Kilo aus Deutschland muss man derzeit einen dreistelligen Euro-Betrag zahlen, für Wagyu aus Japan liegen die Preise bei bis zu 600 Euro pro Kilo. „Das ist nichts für jedermann“, sagt Niedermeier. „Aber am Starnberger See ist die Klientel da.“

Unklar war dem Gemeinderat und im Rathaus auch, warum keine zwei Kilometer vom Gut Wadlhausen entfernt ein weiterer Bauernhof gebaut werden soll. Niedermeier verweist auf die Weiden rund um das mehr als 270 000 Quadratmeter große Areal in Mörlbach. „Wir haben viel Grünland und wollen es auch verwerten.“ Das sei im Moment schwierig. „Der zweite, dritte und vierte Schnitt passt auch nicht mehr in die Biogas-Anlage.“ Auf dem Gut in Wadlhausen steht nur eine Biogas-Anlage, Viehhaltung gibt es laut Niedermeier dort nicht mehr.

Der jetzt gewählte Standort sei optimal, unterstreicht der Landwirt und beantwortet damit eine weitere Frage des Gemeinderats. Nämlich, ob man nicht einen besseren, weniger exponierten Standort finden könnte. „Für uns ist das Problem: Das ist ein landwirtschaftlicher Betrieb in einer Größenordnung, wie wir ihn noch nie hatten“, sagt Bürgermeister Steigenberger auf Anfrage. „Ich will nicht alles verteufeln, aber es muss verträglich sein.“

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