Aufmerksamer Zuhörer: Gesundheitsminister Klaus Holetschek lässt sich von BRK-Bereitschaftsleiterin Nicole Scheibenpflug das Impfzentrum in Herrsching zeigen.
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Aufmerksamer Zuhörer: Gesundheitsminister Klaus Holetschek lässt sich von BRK-Bereitschaftsleiterin Nicole Scheibenpflug das Impfzentrum in Herrsching zeigen.

Nach vielen Telefonaten in den vergangenen Wochen

Von Ärger keine Spur: Minister Holetschek zu Besuch bei Landrat Frey in Herrsching

  • Simon Nutzinger
    vonSimon Nutzinger
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Immer wieder hatte Landrat Stefan Frey zuletzt den Kontakt zu Gesundheitsminister Klaus Holetschek gesucht. Ihm die Probleme rund um das Impfen im Landkreis geklagt. Gestern nun kam der Minister persönlich zum Impfzentrum in Herrsching, um sich sein eigenes Bild von der Lage vor Ort zu machen.

Herrsching – Stefan Frey hatte zuletzt wahrlich keinen Hehl daraus gemacht, dass er die Impfstrategie der Landesregierung für – vorsichtig formuliert – nicht gerade optimal hält. Zu wenig Impfstoff werde ausgeliefert, zu wenig auf die Belange einzelner Regionen geachtet, und auch die Fokussierung auf Hausärzte statt auf Impfzentren im Kampf gegen das Virus sei der falsche Weg. Immer wieder hatte der Starnberger Landrat öffentlich seinem Ärger über Entscheidungen aus München Luft gemacht. Und auch intern gab es wohl reichlich Redebedarf. „Ja, ich habe dem Minister schon das eine oder andere Mal mein Leid geklagt“, sagte Frey gestern Mittag vor dem Impfzentrum in Herrsching. Offenbar stießen seine Worte auf Gehör. War mit Klaus Holetschek doch immerhin der bayerische Gesundheitsminister persönlich zu dem Pressetermin an den Ammersee gekommen.

„Nach all den Telefonaten wollte ich mir einfach einmal selbst vor Ort ein Bild machen“, betonte der CSU-Politiker. Und was er in Herrsching so alles sah, gefiel ihm sichtlich. Allgemein werde im Landkreis „großartige Arbeit“ geleistet, sagte er. Sowohl von den Ärzten und Helfern des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) in den Impfzentren als auch von den Hausärzten. „Ich denke, beide Seiten ergänzen sich hier sehr gut.“ Und sowieso: Seit den 10 000 Impfdosen, die der Freistaat vor rund zehn Tagen nach Starnberg geliefert hatte, habe sich die Lage ohnehin deutlich entspannt. „Seitdem bin auch ich wieder happy und erleichtert“, stimmte Frey zu und verwies sogleich auf die mitunter durch die Lieferung erreichte rund 25-prozentige Impfquote im Landkreis. Holetscheks flapsiger Kommentar: „Na also, dann ist ja jetzt hoffentlich Schluss mit Jammern.“

Impfen der zentrale und zielführende Hebel

Doch bei aller guten Laune und gelösten Stimmung fand der Minister auch ernste Worte. „Wir befinden uns noch immer mitten in der dritten Welle der Pandemie“, stellte er klar. „Wir müssen die Lage weiterhin sehr ernst nehmen.“ Dabei sei das Impfen nach wie vor der zentrale und zielführende Hebel. Um den Prozess weiter zu beschleunigen, strebt er an, die Impfpriorisierung schnellstmöglich aufzuheben. Mit der Aussicht auf weiterhin ausreichenden Impfstoff sei dies womöglich bis Juni realisierbar. Zudem gelte es, neben den Hausärzten auch die Betriebs- und Privatärzte mit ins Boot zu holen. „Wir müssen alle, die impfen können, einbinden.“

Essenziell ist für Holetschek hierbei eine möglichst pragmatische Herangehensweise. Bei allen Beteiligten und Entscheidungsträgern sei maximale Flexibilität gefragt. Holetscheks Credo: „Die Pandemie verträgt keine Bürokratie.“ Ob sich dabei am Ende deutlich mehr Leute bei ihren Hausärzten impfen lassen würden und die teils mit viel finanziellem und organisatorischem Aufwand aufgebauten Impfzentren womöglich außen vor wären, sei letztlich nebensächlich. „Wir befinden uns nicht in einem Konkurrenzkampf wie in der Bundesligatabelle.“

Unterstützung für Klinik-Neubau

Neben Corona und Impfen fanden Holetschek und Frey noch die Zeit, ein weiteres für den Landkreis bedeutendes Thema zu besprechen: den geplanten Neubau einer Klinik in Seefeld oder Herrsching. „Ein sehr spannendes Projekt, das auch nach der Pandemie eine große Rolle spielen wird“, sagte Holetschek. „Wir werden das voll unterstützen.“ Ganz zur Freude von Frey. „Schön, dass wir hier auf so offene Ohren treffen.“ Von Ärger in Richtung Regierung – keine Spur.

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