Spannender Vortrag: Prof. Dr. Sebastian Sommer referiert im Landgasthof Böck in Unterbrunn über das bayerische Bodendenkmalschutzgesetz sowie über Bodendenkmäler im Allgemeinen.
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Spannender Vortrag: Prof. Dr. Sebastian Sommer referiert im Landgasthof Böck in Unterbrunn über das bayerische Bodendenkmalschutzgesetz sowie über Bodendenkmäler im Allgemeinen.

Gesellschaft für Archäologie und Geschichte oberes Würmtal

Von ein paar Scherben zur Villa Rustica

Zuerst entfernt ein Bagger die oberen Brocken, danach wird mit der Hand gegraben und mit ein wenig Glück stößt man sogar auf etwas – so beschreibt Anselm Ott, ein Gründungsmitglied der Gesellschaft für Archäologie und Geschichte oberes Würmtal, die Ausgrabung der Villa Rustica bei Leutstetten vor 18 Jahren, bei der er selbst mit dabei war.

Unterbrunn - Sie ist eines von etwa 49 500 gelisteten Bodendenkmälern in Bayern, über die Referent Prof. Dr. C. Sebastian Sommer am Freitag im Rahmen des ersten Treffens der Gesellschaft für Archäologie und Geschichte seit langem einen Vortrag hielt. Etwa 27 Mitglieder trafen sich dabei mit dem nötigen Abstand und Masken im Veranstaltungsraum des Landgasthofes Böck in Unterbrunn. „Die Archäologie hat mich schon immer interessiert“, sagte Anselm Ott aus Dießen. „Sie ist zu meinem Hobby geworden.“ Deshalb ist er bereits seit 23 Jahren Mitglied der Gesellschaft für Archäologie und Geschichte oberes Würmtal. Regelmäßig treffen sich die insgesamt etwa 100 Mitglieder, pflegen Ausgrabungen im Landkreis und bilden sich gemeinsam weiter. Diese Routine konnten sie nun nach langer Pause wieder aufnehmen. Und zwar im Veranstaltungsraum des Landgasthofes Böck in Unterbrunn.

„Es ist schön, dass wieder Leben im Haus ist“, sagte Wirt Simon Wankerl. Auch wenn die Veranstaltung noch ohne Bewirtung stattfinden durfte. Die neuen Lockerungen für die Innengastronomie gelten erst seit gestern. 21 Tische verteilte Wankerl im Raum, am Empfang lag die Kontaktliste bereit – ein kleiner zusätzlicher Aufwand, den die Anwesenden gern in Kauf nahmen. „Während der letzten Monate standen wir nur durch Mitgliederbriefe in Kontakt“, sagte Karl Hebler, seit 2013 Vorsitzender der Archäologiegesellschaft.

Beim Wiedersehen informierte Prof. Dr. C. Sebastian Sommer in seinem Vortrag über das bayerische Bodendenkmalschutzgesetz sowie über Bodendenkmäler im Allgemeinen. Er arbeitet seit 2002 am Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und ist dort Leiter der Abteilung für Praktische Denkmalpflege und Bodendenkmäler. „Bodendenkmäler sind für mehr als 99 Prozent der Geschichte die einzigen Quellen“, unterstreicht Sommer. „Es gibt aus der Römerzeit nur wenige Schriften und die sind oft manipuliert.“ Ein solches Denkmal aus der Römerzeit befindet sich bei Leutstetten: die Villa Rustica. Was Anfangs nach ein paar Scherben bei einem Feldspaziergang aussah, entpuppte sich als die Reste eines ehemaligen römischen Landhauses. „Ich habe selbst geholfen, die Villa Rustica auszugraben“, erzählte Ott. „Das hat ein Dreivierteljahr gedauert.“ Auch seine Frau Waltraut Ott ist im Verein dabei: „Unser Verein hilft auch bei anderen Ausgrabungen. Zum Beispiel das Gräberfeld neben der alten Römerstraße in Gauting.“ Gemeinsam mit einem erfahrenen Archäologen haben sie dort 200 Gräber freigelegt. „Nach dem Gesetz gehört die Hälfte der Fundstücke dem Finder und die andere dem Grundstücksbesitzer“, erklärte Ott.

So habe der Verein über die Jahre etwa 50 000 Fundstücke angesammelt, welche bei Ausstellungen auch der Allgemeinheit zur Verfügung stehen. „Wir träumen von einem kleinen eigenen Museum“, sagte Ott. „Man entdeckt als Archäologe immer was Neues“, berichtete Jürgen Schönwälder, studierter Archäologe und ebenfalls seit neun Jahren Mitglied im Verein. „Der Austausch mit den anderen hat mir total gefehlt.“ Und nicht nur ihm. Deshalb plante Vorsitzender Karl Hebler bereits das nächste Treffen im Sommer.

Vanessa Lange

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