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Die ehemalige Gautinger Bürgermeisterin Brigitte Servatius hilft Asylbewerbern bei den Behördengängen.

Ausländerbehörde

Warteschlangen und 1100 Überstunden

Starnberg – Wer derzeit in der Ausländerbehörde des Starnberger Landratsamts einen Termin vereinbaren möchte, der braucht vor allem eines: Geduld. Bis Oktober ist die Abteilung ausgebucht, bestätigt Behördensprecherin Barbara Beck.

Dienstagvormittag im Foyer der Ausländerbehörde: Brigitte Servatius sitzt auf einer Bank und malt ein Bild. Ein Strichmännchen, ein Bus und Regentropfen, die vom Himmel fallen. Als sie fertig ist, zeigt sie das Kunstwerk einem afghanischen Aslybewerber. Er schaut Servatius fragend an, dann fällt der Groschen langsam, und er nickt. „Ich wollte von ihm wissen, ob seine Frau noch im Regen steht oder bereits im Bus sitzt“, erzählt Servatius und lächelt. Einst war sie Bürgermeisterin in Gauting, jetzt hilft sie Flüchtlingen aus der Gemeinde bei den Behördengängen. Und obwohl die Holzbank im Landratsamt sehr hart ist, wirkt die Rentnerin tief entspannt. 

Am Personal liegt es nicht: Sechs Schalter sind besetzt

„Es ist nunmal eine Ausnahmesituation“, sagt Servatius und blickt auf die anderen Wartenden. Drei junge Frauen sitzen ihr gegenüber und blicken mit müden Augen ins Leere. „Die waren, glaube ich, schon heute Früh um sieben da“, sagt Servatius. Jetzt ist es zwölf, und bis die drei drankommen, dürfte noch eine ganze Weile vergehen. Der Afghane kommt vorbei und reicht Servatius einen Becher Kaffee. Von Ungeduld keine Spur, ganz im Gegenteil: Man sieht ihm an, wie dankbar er der Helferin ist. Die Asylbewerber nehmen die Wartezeit in Kauf, keiner beschwert sich.

Beinahe täglich bildet sich morgens um sieben eine lange Schlange, die bis ins Eingangsfoyer des Landratsamts reicht, weiß Servatius. Sie stellt sich einmal pro Woche mit an. Alle in der Schlange haben keinen Termin. Die meisten müssen ihre Aufenthaltsgenehmigung verlängern. Von 7 bis 7.30 Uhr werden die Wartenden in eine Liste eingetragen. Dem Letzten auf der Liste kann es leicht passieren, „dass er erst um 18 Uhr drankommt“, bedauert Sprecherin Barbara Beck. Am Personal liegt es nicht. Sechs Schalter gibt es hinter den Türen, die Security-Kräfte öffnen. An drei Schaltern arbeiten Mitarbeiter die vereinbarten Termine ab, zwei kümmern sich um die Besucher ohne Termine und ein weiterer ist für neu angekommene Asylbewerber zuständig. Rund 60 Vorsprachen sind es laut Beck täglich, einige davon können bis zu vier Stunden dauern.

Team habe mittlerweile 1100 Überstunden aufgebaut

Die Ausländerbehörde ist nicht nur Anlaufstelle für Flüchtlinge, die derzeit für den gewaltigen Stau sorgen, sondern auch für zahlreiche andere in- und ausländische Angelegenheiten. So muss sich beispielsweise ein deutscher Staatsbürger, der im Ausland heiraten möchte, einen Stempel (Apostille) auf seinen Urkunden in der Behörde abholen. Hat er keinen Termin, muss er sich ebenso an der morgendlichen Schlange anstellen wie jemand, der seine ausländischen Verwandten nach Deutschland einladen möchte oder ein Aupair engagiert. Extrawürste gibt es nicht, bestätigt Beck. Und täglich gebe es Beschwerden über die Wartezeiten, weiß die Sprecherin. Den Mitarbeitern bleibt nichts anderes übrig, als um Verständnis zu bitten, denn die Behörde tut, was sie kann. 

Fünf neue Kräfte seien im vergangenen Jahr eingestellt worden, doch die Einarbeitung sei sehr aufwändig, berichtet Beck. Ein Jahr dauere es, bis man eine vollwertige Kraft habe. Das ganze Team der Ausländerbehörde habe mittlerweile 1100 Überstunden aufgebaut, pro Mitarbeiter seien das mehr als zwei Wochen Urlaub. Brigitte Servatius käme nie auf die Idee, sich zu beschweren. Sie nippt an ihrem Kaffee, dann lobt sie das Team der Ausländerbehörde in vollen Tönen: „Ich habe noch nicht erlebt, dass hier jemand zurückgewiesen wird“, sagt sie begeistert. Und trotz des großen Andrangs seien alle freundlich. Das hört die Behörde freilich gerne: „Die Situation ist für keinen toll, man versucht, das Beste daraus zu machen“, sagt Barbara Beck.

Von Jörg von Rohland

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