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Arbeiten am Fließband: Aus der Folienfraktion sortieren zwei Mitarbeiter die Hartplastikteile von Hand aus.
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Alles Tetra: Die Mitglieder der AWISTA-Exkursion beim Gruppenfoto vor rund fünf Meter hohen verpressten Wertstoffwürfeln aus Tetrapaks. Die Würfel werden in das Papierwerk Raubling. Dort werden sich immer erwartet – wegen der hochwertigen, extrem langen Fasern.
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Hier landet der Gelbe Sack aus Starnberg: Der Kleinbagger wirft die Säcke in die erste Zerkleinerungsanlage. Von dort geht die Reise der Wertstoffe durch eine 8000 Quadratmeter große Sortierhalle. Zum Teil kommen die Kunststoffe pulverisiert aus dieser Halle heraus.
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Ein Landrat und sein Biomüll: Karl Roth begutachtet die Anlieferung aus dem Landkreis Starnberg.

Müllverarbeitung

Auf den Spuren der Abfall-Veredelung

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Fast alles, was wir wegwerfen, wird wiederverwertet. Biomüll und Gelber Sack aus dem Landkreis Starnberg landet beim Weiterverarbeiter Wurzer im Erdinger Moos. Ein Besuch.

Landkreis – Der Joghurtbecher, den ich neulich nach dem Mittagessen in den Gelben Sack geworfen habe, muss hier irgendwo sein. Auf dem riesigen Platz vor der Sortierhalle, wo ein Lastwagen nach dem anderen Gelbe Säcke ablädt. Da liegen Becher, Folien, Dosen, Fetzen, Stücke, Behälter. Ein farbenfrohes Durcheinander. Details sind angesichts der Masse kaum zu erkennen.

Schon beim Rausfallen aus dem Lastwagen platzt ein Teil der Säcke auf. Das macht nichts – den Rest reißt der Kleinbagger auf, der schaufelweise Verpackungsmaterial in den Behälter für das Förderband kippt. Von Müll spricht auf diesem Teil des Geländes der Firma Wurzer in Eitting niemand. Es ist wegen der vielen Maschinen und Lastwagen laut, zudem fliegt alle drei Minuten ein Flugzeug über das 24,5 Hektar große Gelände. Es liegt in der Einflugschneise des Münchner Flughafens.

Delegation des AWISTA auf Reisen

Eine Delegation des Abfallwirtschaftsverbandes Starnberg (AWISTA) schaut sich an diesem Mittwoch an, was mit dem Gelben Sack und dem Biomüll aus dem Landkreis Starnberg passiert. Die Firma Wurzer mit ihren mehr als 300 Mitarbeitern ist für AWISTA-Geschäftsführer Peter Wiedemann ein extrem zuverlässiger Partner. „Kaum etwas läuft so reibungslos wie unser Bioabfall“, sagt er.

Die Gelben Säcke kommen auch nach Eitting. 2000 der 3600 Tonnen anfallenden Gelben Säcke werden bei Wurzer sortiert. Damit hat der AWISTA nichts zu tun – das läuft zentral über die Dualen Systeme. Die Starnberger Säcke machen gerade mal einen Anteil von 1,5 Prozent des Sortiermaterials in Eitting aus. 130 000 Tonnen Wertstoffe sortiert die Wurzer Wertstoff im Jahr. Das ist viel: „In Bayern fallen insgesamt 200 000 Tonnen Wertstoffe im Jahr an“, weiß Betriebsleiter Andreas Schmid. Auf ihrem Weg durch eine 8000 Quadratmeter große Sortierhalle werden die Verpackungsmaterialien zerkleinert und anhand ihres Gewichts und ihrer Dichte auseinanderdividiert – der Joghurtbecher aus Polystyrol (PS) landet später im Behälter mit der Aufschrift „331 Polystyrol“.

Maschinen erledigen das Sortieren

Bis er dort ankommt, hat er eine Reise kreuz und quer durch die riesige Halle angetreten. Deren Boden ist mit kleinen und kleinsten Plastikteilchen bedeckt. Auch in der Luft fliegen kleinste Folienteilchen. Ihr Glitzern, wenn das Licht auf sie fällt, erinnert an die Feiern in Fußballstadien nach einem WM-Sieg. Das sorgt einen Augenblick lang fast für ein bisschen Glamour in der großen Halle, die vor allem von Funktionalität, Effizienz und Lärm gekennzeichnet ist. Die Reise führt meinen Joghurtbecher und viele andere Kunststoffteile zunächst zu einem Rüttler – die richtig schweren Teile fallen dabei schon einmal heraus. Es geht weiter – wohin, können die Starnberger Besucher kaum erkennen. So viele Förderbänder laufen in unterschiedliche Richtungen mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten durch verschiedene Schleusen, links und rechts rauscht der Kunststoff an dem schmalen Lochgittersteg vorbei. „Die Bänder fahren zum Teil mit drei Meter pro Sekunde“, sagt Betriebsleiter Schmid. „Die Geschwindigkeit richtet sich nach der Kapazität der dahinter liegenden Maschine.“

Arbeiter sind kaum zu sehen in der Halle, die Maschinen erledigen das Sortieren. 18 bis 20 Tonnen Material werden pro Stunde sortiert. Nur im hintersten Teil der Transportschiene sind Menschen am Werk. Dort, wo die getrennten Fraktionen ankommen: die gestückelten PS-Becher, die zerkleinerten PP-Becher, die dünneren und dickeren Folien, die Tetrapaks. „Der Gelbe Sack wird wieder zum Gelben Sack“, sagt Schmid. Jede Fraktion wird kontrolliert. Je zwei Mitarbeiter pro Fraktion ziehen heraus, was offenkundig falsch ankommt. Nicht viel.

Harte Arbeit am Förderband

Echte Sortierarbeit leisten ein Mann und eine Frau an einem breiten Förderband. Sie ziehen die größeren Hartplastikstücke heraus. Das ist harte Arbeit: Zwischendurch ist das Band so voll, dass die beiden fast ins Rotieren geraten. „Das sind Leiharbeiter“, sagt Schmid auf Nachfrage. Nur so sei sicher, dass die Sortieranlage an sechs Tagen 24 Stunden mit 13, 14 Mitarbeitern pro Schicht laufen könne, sagt Wurzer-Prokurist Hans Kenst.

Das Ergebnis des Sortierens ist in Würfel von 1,20 Meter Kantenlänge gepresst und auf der anderen Seite der Sortierhalle gestapelt. „Die Bauindustrie und die Automobilindustrie nehmen viel ab“, berichtet Schmid. „Recyclingplastik wird immer attraktiver.“ Daraus würden Europaletten oder Putzeimer, Regentonnen oder Obstkisten. Der Preis von PS-Granulat liege bei rund 70 Euro pro Tonne.

Kompost und Erde in sechs Wochen

Das andere Produkt, das aus Starnberger Abfall in Eitting entsteht, ist Kompost und Erde – und zwar innerhalb von knapp sechs Wochen, wie Prokurist Kenst sagt. Knapp 10 000 Tonnen Biomüll karrt der AWISTA jährlich nach Eitting. Eine Ladung liegt – extra für die Starnberger Delegation – mitten auf dem Hof. Viel Plastik ist dazwischen, dazu größere Papp- und Holzstücke. Die natürlich im Biomüll nichts zu suchen haben. Landrat Karl Roth ist froh zu hören, dass der Starnberger Müll nicht überdurchschnittlich unrein ist. „Ach nein, das ist ein normaler Verschmutzungsgrad“, sagt Wurzer-Prokurist Kenst.

Die groben Verunreinigungen werden mit einem Rechen abgekehrt. Danach wird der Biomüll mehrfach zerkleinert und in einer Siebanlage von weiteren so genannten Störs toffen wie Plastik und Metall befreit. Dann kommt er in den Tiefbunker, wo er ein, zwei Tage bleibt. Die nächste, längste Station ist der Fermenter. Dort ruht der Müll, der eigentlich schon keiner mehr ist, für 21 Tage. Er komme schon auf 52 Grad vorgewärmt an und werde kontinuierlich langsam gerührt, sagt Kenst. „Das Gas kann nach oben entweichen.“ Es wird in einer Biogasanlage in Strom umgewandelt. „Nach den drei Wochen im Fermenter wird das Material noch 14 Tage lang aufgesetzt“, berichtet Kenst. Dann ist der Arbeitsprozess zu Ende. Entstanden ist Humus.

Starnberger beeindruckt - auch vom Gestank

Die Starnberger sind beeindruckt. Auch vom Gestank im Biomüll-Teil des Geländes. Jeder Arbeitsschritt vom Biomüll zum Humus ist vom Geruch her anders. Frischer Biomüll stinkt verdorben, der mit Rottegrad drei aus dem Bunker nach Ammoniak. Im Fermenter liegt eine Käsenote darunter. Und zwischendurch klingt Maische an, wie in der Brauerei. Wer mit Müll arbeitet, muss in der Nase einiges aushalten. Auch der Starnberger Müll riecht nicht nach Maiglöckchen.

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