Die Seastar am Freitag beim Testflug über dem Fünfseenland: Die Schwimmtragflächen am Rumpf und die Propeller auf den Flügeln sorgen für ein ungewöhnliches Aussehen – und einen speziellen Motorsound.
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Die Seastar am Freitag beim Testflug über dem Fünfseenland: Die Schwimmtragflächen am Rumpf und die Propeller auf den Flügeln sorgen für ein ungewöhnliches Aussehen – und einen speziellen Motorsound.

Flüge über dem Fünfseenland lösen nicht nur Begeisterung aus – Weitere Messreihen und Tests geplant

Amphibienflugzeug Seastar dreht Proberunden

  • Hanna von Prittwitz
    VonHanna von Prittwitz
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In diesen Tagen kreist ein Flugzeug über den Köpfen der rund um den Sonderflughafen Oberpfaffenhofen wohnenden Bevölkerung, das nicht nur anders ausschaut, sondern auch anders klingt: Es ist die „Seastar“, ein Amphibienflugzeug, das derzeit das Unternehmen Dornier Seawings in Oberpfaffenhofen entwickelt.

Oberpfaffenhofen - Die auf dem Rumpf befestigten Propeller erzeugen eine andere Frequenz – weshalb sich beispielsweise der Rentner Rudolf Weiß aus Gilching am Freitag leicht entnervt an den Starnberger Merkur wandte. Schon in den 1980er-Jahren entwickelte Claude Dornier ein Wasserflugzeug. Auf dieser Basis schlossen sich 2013 zwei chinesische Staatsfirmen und die Familie Dornier zu einem Joint Venture unter dem Namen Seawings GmbH zusammen. „Dieses Flugzeug ist das weltweit einzige, in hochmodernen Faserverbundmaterialien hergestellte Amphibienflugzeug, welches sowohl auf landgestützten Flughäfen als auch auf natürlichen Wasserflächen operieren kann“, erklärt Simon Schell von Seawings die Besonderheit der Maschine. Denn die Materialien Glasfaser und Carbon rosten nicht. Im Gegensatz dazu sind die meisten herkömmlichen Wasserflugzeuge aus Metall und haben mit diesem Problem zu kämpfen.

Bei den Testflügen über dem Fünfseenland werden die Geräte an Bord überprüft, meist sind zwei Piloten und ein Flugversuchsingenieur an Bord. Auch Simon Schell ist schon mitgeflogen – und auch auf dem Wasser gelandet. „Das war beeindruckend“, sagt er im Gespräch mit dem Starnberger Merkur.

Das ungewöhnliche Aussehen hat die „Seastar“ zum einen den Schwimmtragflügeln am Flugzeugrumpf und eben auch den hintereinanderliegenden Propellern zu verdanken. Dabei handelt es sich bei dem hinteren um einen sogenannten Push-Propeller, der einen „signifikanten Anteil der Vortriebskraft erzeugt“, wie Schell erklärt. Die dadurch veränderte Frequenz werde anders wahrgenommen. „Dieses System erkennen wir als großen Vorteil an, da hierdurch eine sehr sichere, hintereinanderliegende Antriebskonzeption gewählt werden kann, die dazu noch Sprit spart“, erklärt Schell. Anwohner Rudolf Weiß wohnt rund einen Kilometer Luftlinie von der Start- und Landebahn entfernt. Ihm leuchtet die Notwendigkeit der Flüge zwar ein. Vom Lärm ist er jedoch nicht begeistert. „Die Maschine hat heute schon vor 8 Uhr eine volle Stunde Platzrunden mit einem überdurchschnittlichen Lärmpegel absolviert“, schrieb er am Freitag in einer Mail an die Redaktion. Und bat darum, die Testrunden vielleicht auf eine andere Tageszeit zu verlegen. „Nicht für uns Rentner, sondern für diverse Schüler, die in den Ferien mal ausschlafen möchten.“ Er spreche nicht nur für sich, sagte er im Gespräch.

„Wir nutzen die Betriebszeiten des Sonderflughafens“, erklärte Schell am Freitag dazu. Seawings sei zu vielseitigen Messreihen und Testflügen verpflichtet. „Diese Flüge werden auch die nächste Zeit stattfinden und müssen je nach Wetterlage und sonstigen betrieblichen Anforderungen durchgeführt werden.“ Wer wissen möchte, wo die Seastar unterwegs ist: Via die App „Flightradar“ lassen sich ihre Testflüge verfolgen.  

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