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Vom Bauausschuss abgelehnt: eine Fotovoltaikanlage dieser Art, die bei Traubing geplant war. 

Wegen Landschaftsschutz

Abfuhr für Solarparkpläne bei Traubing

Der Bauausschuss des Tutzinger Gemeinderats hat eine große Fotovoltaikanlage bei Traubing abgelehnt. Angesichts vieler Plädoyers für die Energiewende äußert sich der Investor darüber verärgert.

Traubing – Dominik Rechl schien es kaum fassen zu können. „Ich versuche hier als Start-Up im Fotovoltaik-Freiflächen-Bereich aus Überzeugung etwas nachhaltig zu bewirken, und dann wird so mit einem umgegangen.“ So äußerte sich der Münchner Unternehmer am Mittwoch, nachdem er im Tutzinger Rathaus eine Sitzung des Bau- und Ortsplanungsausschusses besucht hatte. Grund: Ein Antrag der Rechl gehörenden DR Solar GmbH in München auf Erstellung eines Solarparks bei Traubing wurde abgelehnt. Vorgesehen war sie in der Nähe der alten Groll-Kiesgrube und einer bestehenden Fotovoltaikanlage auf 36 000 Quadratmetern Fläche, die ein Traubinger Landwirt zur Verfügung stellen wollte. Rund vier Millionen Kilowattstunden Stromertrag jährlich könnten 1600 Haushalte versorgen, rechnete Rechl vor, etwa 2000 Tonnen CO2 würden eingespart.

Bürgermeisterin Marlene Greinwald stellte klar, dass es sich um Landschaftsschutzgebiet handelt und dass Solaranlagen nicht privilegiert sind. Privilegiert seien dagegen Einheimischenmodelle, Gewerbegebiete und Windkraftanlagen. Dass „Riesengewerbegebiete“ privilegiert seien, sagte Bauamtsleiter Christian Wolfert, sei schwer verständlich, „aber es ist so“. Für Windkraftanlagen, auf die Dr. Franz Matheis (UWG) verwies, gebe es ein Konzept des Landkreises, sagte Wolfert, nicht aber für Solaranlagen: „Für sie gelten die regulären Bauvorschriften.“

Peter Drefahl, Sachbearbeiter für Naturschutzrecht und Landschaftspflege im Landratsamt, hat es laut Gemeinde als unmöglich bezeichnet, die Fläche aus dem Landschaftsschutzgebiet herauszunehmen. Als einzige sah Christine Nimbach (Grüne) die Ablehnung kritisch. Das Konzept sehe Blühwiesen vor, negative Folgen für die Natur seien nicht zu befürchten. „Fotovoltaikanlagen sind wunderbar für die Energie eines Ortes“, sagte Bürgermeisterin Greinwald, „aber man sollte nicht die Landschaft zersiedeln.“ Dr. Thomas von Mitschke-Collande (CSU) war mit Blick auf die Energiewende erstaunt.

Die meisten Gemeinden kooperierten bei Solarpark-Genehmigungen nicht, sagte Antragsteller Rechl nach der Sitzung. Das lähme die Energiewende. Zum Argument Landschaftsschutzgebiet sagte er, dessen Linie sei nach Angaben eines Landschaftsarchitekten willkürlich gewählt, deshalb sei die Wahrscheinlichkeit einer Befreiung groß: „Und dann höre ich in der Sitzung, dass man Fotovoltaik schon unterstützt, aber nicht auf Kosten der Umwelt.“ Dieser Satz sei „alleine schon eine Farce“. Auf sein „ganzheitliches Konzept mit einem Lehrpfad und einer Blühwiese“ seien die Tutzinger nicht eingegangen: „Ich denke, es hat sich keiner richtig durchgelesen.“

Die Kosten einer Anlage bezifferte Rechl mit rund 2 Millionen Euro. Er sei mit der DR Solar GmbH der Investor, das Geld bekomme er von der Umweltbank. Das Tutzinger Projekt werde er jetzt fallen lassen. Interesse zeigte er aber an anderen Standorten im Landkreis Starnberg.

Lorenz Goslich

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