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Vor dem Amtsgericht Starnberg ist ein wegen Nötigung angeklagter ehemaliger Gautinger freigesprochen worden.

Aus dem Gerichtssaal

Wenn sich zwei Hitzköpfe in die Quere kommen

„Da sind offensichtlich zwei aufeinandergetroffen, die beide zum Explodieren neigen“, stellte Amtsrichterin Christine Conrad fest, nachdem sie in einem Verfahren wegen Nötigung die Kontrahenten angehört hatte. Formell angeklagt wegen Nötigung war ein 64-jähriger Kaufmann aus Kochel.

Gauting „Da sind offensichtlich zwei aufeinandergetroffen, die beide zum Explodieren neigen“, stellte Amtsrichterin Christine Conrad fest, nachdem sie in einem Verfahren wegen Nötigung die Kontrahenten angehört hatte. Formell angeklagt wegen Nötigung war ein 64-jähriger Kaufmann aus Kochel.

Im März 2016 war der Angeklagte mit seinem Smart von Gilching nach Gauting gefahren, wo er damals noch wohnte. Einem 28-jährigen BMW-Fahrer ging das anscheinend nicht schnell genug, vor allem nicht in der „freiwilligen“ Tempo-30-Zone nach dem Ortseingang. Der hinter dem Kochler herfahrende Gautinger gab seinem immer langsamer werdenden Vordermann damals durch Lichthupe zu verstehen, dass er ihn gleich überholen werde, doch der Smart-Fahrer ließ ihn nicht so recht. „Der ist so in der Mitte gefahren, dass man weder links noch rechts an ihm vorbei konnte“, sagte der BMW-Fahrer vor Gericht.

Ohne ersichtlichen Grund gebremst

Zu seiner Strafanzeige habe dann das weitere Verhalten des Smart-Fahrers geführt, so der Gautinger. Der Vorausfahrende habe nämlich mehrfach ohne rechtfertigenden Grund abrupt auf Null abgebremst, „dass sich sogar mein ABS eingeschaltet hat. Ich dachte, beim nächsten Mal fahr’ ich dem noch rein.“ Der Mann im Smart habe das ganz bewusst gemacht: „Ich sah in seinem Rückspiegel, dass der mich die ganze Zeit im Blick hatte.“

Der wegen Nötigung angeklagte Kochler beschrieb das Geschehen diametral anders: „Das Ding ist von dem Vogel komplett umgedreht worden“, polterte der Beschuldigte los. Der andere sei ihm quasi bis zum heimischen Garagenvorplatz in bedrängender Weise hinterhergefahren, habe gewendet und ihm noch aus dem offenen Fahrerfenster ein „Fahr zu, du Arsch!“ an den Kopf geworfen. Teile des Geschehens hatte der Kochler noch mit der Kamera festgehalten. Der Tumult samt Gehupe in der Wohnstraße habe sogar die Nachbarn auf den Plan gerufen, berichtete der Kaufmann noch immer wütend.

Haarscharf an Strafvorwurf vorbeigeschrammt

Richterin Conrad sah sich in Anbetracht des Redeschwalls veranlasst, den 64-Jährigen deutlich zur Ordnung zu rufen: „Wenn der Kuchen spricht, haben die Krümel Pause!“ Den Gautinger fragte die Richterin nach den beleidigenden Wörtern, die jener prompt bestritt: „Ich habe nur gesagt, er solle jetzt endlich mal auf die Seite fahren.“ Angehupt habe er den Vordermann auch nur „eine Sekunde“ und nicht mit Dauerton, wie der Kocheler zuvor behauptet hatte.

Am Ende gab es einen Freispruch: Es habe an der Erheblichkeit gemangelt, sagte die Richterin zum Verhalten des Smart-Lenkers. Der andere Fahrer hingegen sei „haarscharf“ an einer Nötigungshandlung vorbeigeschrammt sei. Zwei Hitzköpfe seien sich da ins Gehege gekommen. Der Freigesprochene hatte in seinem Schlusswort gesagt: „Der hat einfach die Sau raus gelassen, am liebsten hätte ich für den rechts ranfahren sollen...“

Thomas Lochte

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