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Sandra und Martin Opitz freuen sich über das größte Geschenk von allen - sie können zusammen sein.

Rettung in letzter Sekunde

"Eine Kerze für das wiedergewonnene Leben"

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Wörthsee/Gilching – Irgendwann an Weihnachten wird Sandra Opitz eine Kerze anzünden. Dann wird die 45-jährige Wörthseerin vielleicht tiefe Dankbarkeit empfinden – dafür, dass sie das Fest der Liebe heuer überhaupt erleben darf.

Vor wenigen Wochen nämlich hatte der Tod schon seine Finger nach ihr ausgestreckt. Eine kleine Schar von Schutzengeln zog sie zurück auf diese Welt. Es ist der Nachmittag des 28. Oktober, gegen 14.45 Uhr. Verkäuferin Sandra Opitz ist auf dem Weg nach Hause. Am Römerstein in Gilching, direkt gegenüber dem Argelsrieder Sportwagenzentrum, passiert es: Ihr Herz bleibt stehen. Sie verschluckt ein Bonbon („Ein Nimm-2, die Tüte habe ich heute noch“), kippt auf den Beifahrersitz, das Auto rollt auf einen Acker, wo es zum Stehen kommt. „Ich war in meinem Renault Twingo unterwegs, den ich einen Tag vorher erst als Anzahlung für ein neues Auto hergegeben hatte“, erzählt Sandra Opitz. 

Nach dem Unfall eilen Augenzeugen sofort zur Hilfe und leiten Wiederbelebungsmaßnahmen ein. „Das waren meine ersten Schutzengel. Ohne sie würde ich jetzt vielleicht nicht mehr leben.“ Kurz darauf kommt zufällig ein Arzt aus Friedberg am Unfallort bei der Anschlussstelle zur A96 vorbei, der einen Defibrillator im Kofferraum hat. Der Mediziner schockt die Unfallfahrerin viermal – beim letzten Mal wird das Bonbon wieder aus dem Hals geschleudert. Die Gefahr des Erstickens ist gebannt. 

Dann geht alles ganz schnell: Ein Notarzt bringt Sandra Opitz ins Starnberger Klinikum, wo sie in ein künstliches Koma versetzt wird. „Die Ärzte wollten, dass sie an einem Samstag wieder aufwacht, aber meine Frau hatte es eilig und war am Freitag schon wieder da“, erzählt Martin Opitz, der vom Unfall erst durch einen Zettel erfuhr, den ihm die Polizei in den Briefkasten geworfen hatte. Sandra Opitz’ erste Sorge, als sie die Augen wieder öffnet, gilt ihrem Twingo. „Wie geht es Ferdinand?“, frägt sie. Diesen Namen hatte sie dem kleinen Renault gegeben. 

Einige Wochen später sitzt die Wörthseerin im Klinikum Höhenried. Rehabilitation. Die 45-Jährige ist nachdenklich. Inzwischen weiß sie: Ihr Herz hat eine Pumpfunktion von nur rund 20 Prozent. 60 bis 70 Prozent sind es bei einem gesunden Menschen. Zur Überwachung trägt sie eine Weste, die mit einem Außen-Defibrillator verbunden ist. Wegen ihrer Herzinsuffizienz nimmt sie Medikamente. Wenige Tage später implantieren Ärzte ein kleineres Defibrillator-Modell. Die OP verläuft gut. Gewusst hat sie von ihrer Krankheit vor dem Unfall nichts. „Jetzt ist schon vieles anders“, sagt die Mutter eines erwachsenen Sohnes. 

Ein Umzug steht an. Sandra und Martin Opitz verlassen Wörthsee zum Jahreswechsel und freuen sich auf ihr neues Heim in Eresing im Landkreis Landsberg. Warum? Das Paar will endlich einen großen Balkon haben, wo es an warmen Sommerabenden die untergehende Sonne genießen kann. Was sie als erstes machen möchte, wenn sie die Klinik verlässt? „Ein Schnitzel mit Pommes essen und ausschlafen“, sagt die 45-Jährige. Und irgendwann im neuen Jahr will sie ihre Retter zum Essen einladen. „Das habe ich mir fest vorgenommen.“ Dankbar ist sie, dass sie am Leben ist, wo es doch so viele wunderbare Dinge bereit hält. Das alles gilt es künftig, bewusst und in Ruhe zu genießen. Für dieses Geschenk wird Sandra Opitz an Weihnachten ganz bestimmt irgendwann eine Kerze anzünden.

Von Thomas Kirmaier

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