Zu wenig Lohn: Christbaumverkäufer hilft sich selbst

Starnberg - Weil er von seinem Chef viel weniger Lohn erhielt als ausgemacht, griff ein 43-jähriger Mann aus Oberpframmern zur Selbstjustiz: Er behielt einfach die Tageseinnahmen ein. Jetzt war er wegen Untreue vor Gericht.

Die Knochenarbeit an einem Starnberger Weihnachtsbaum-Stand hat sich für einen inzwischen arbeitslosen Mann aus Oberpframmern nicht bezahlt gemacht. Nach fruchtlosen Streitigkeiten mit dem Arbeitsgeber um seinen zu knapp ausgezahlten Lohn half sich der 43-Jährige im Dezember 2013 selbst: Er behielt die Tageseinnahmen aus dem Weihnachtsbaumverkauf in Höhe von 3770 Euro für sich. Aus Sicht des Verteidigers ein probates Druckmittel zur Aufrechnung. Aus Sicht der Anklageschrift: Untreue. Wie das Gericht entscheiden wird, bleibt offen. Es will weitere Zeugen hören.

Als Verkäufer am Weihnachtsbaumstand verdiente der Angeklagte vor einem Jahr 3315 Euro. Auf dem Lohnzettel wurden ihm jedoch nur 1427 Euro vergütet. „Mein Mandant hat jenseits von jeglichen Schutzgesetzen sieben Tage die Woche dagestanden“, sagte sein Verteidiger. „Er hat die Tageseinnahmen nur zurückbehalten und sie sich nicht zugeeignet.“ Ein Blick auf den Taschenrechner verschaffte dem Gericht schnell Klarheit. Die offenen Gehaltszahlungen lagen demnach bei 1888 Euro, der Angeklagte hatte indes 3770 Euro einbehalten. Deutlich zu viel, befand Richterin Christine Conrad. „Wir sind ja nicht bei den Hottentotten. Sie können nur aufrechnen, aber nicht mehr einbehalten, als Ihnen zusteht.“ Ungut wirkte sich zudem aus, dass seit dem Vorfall nunmehr ein Jahr vergangen ist und der Christbaumhändler seine Tageseinnahmen immer noch nicht zurückerhalten hat. Im Zuge der Verhandlungsfortsetzung soll unter anderem geklärt werden, ob Aufrechnung vereinbart war. In der Schlinge ist der Kopf des Angeklagte jedoch ohnehin, denn laut Gericht hat er in jedem Fall deutlich zu viel Geld einbehalten: „Sie dürfen nicht zur Selbstjustiz greifen.“

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