+++ Eilmeldung +++

Bei ZDF-Dreharbeiten zusammengebrochen: SPD-Politiker Thomas Oppermann völlig überraschend verstorben

Bei ZDF-Dreharbeiten zusammengebrochen: SPD-Politiker Thomas Oppermann völlig überraschend verstorben
Zarte Kunst: In der Galerie Weßling präsentiert der Künstler Olaf Nie (l.) seine Sammlung. Galerieleiter Erich Rüba hat die Ausstellung mit ihm gemeinsam konzipiert.  Foto: Andrea Jaksch
+
Zarte Kunst: In der Galerie Weßling präsentiert der Künstler Olaf Nie (l.) seine Sammlung. Galerieleiter Erich Rüba hat die Ausstellung mit ihm gemeinsam konzipiert.

Neue Sonderausstellung in der Galerie Weßling zur Kunst des Scherenschnitts

Alles andere als Kindersache

In der Weßlinger Gemeindegalerie ist ein neues Thema beheimatet: „Étienne de Silhouette und die Geschichte des Scherenschnitts“. Zusammengestellt hat Galerieleiter Erich Rüba die Ausstellung gemeinsam mit Sammler, Künstler und Buchbinder Olaf Nie (60).

Weßling – Der Weßlinger befasste sich vor rund 15 Jahren zum ersten Mal näher mit der Kunst des Scherenschnitts. Er sollte einen Vortrag darüber halten – und verliebte sich im Laufe der Recherche regelrecht in das Handwerk, das als einst älteste Volkskunst Chinas im 17. Jahrhundert in Europa einzog. Seine gesammelten Werke von namhaften Künstlern und auch Laien sowie Leihgaben sind noch bis März in der Hauptstraße 57 zu sehen.

Die Wände säumen Bilder, die den Betrachter mit fein ausgearbeiteten Details regelrecht fesseln. Etwa die in Holz geschnittenen Schattenbilder von Paul Konewka, die 1868 die Zeilen von Shakespeares Sommernachtstraum bebilderten. Zu sehen sind Bottom mit dem Eselskopf und der schwebenden Elfe im Dornenbusch – das löst unwillkürlich Kopfkino aus. Auch Goethe sammelte Schatten. „Mit einer Lampe warf man das Profil auf eine Leinwand“, erklärt Nie. Die nachgezeichneten Umrisse waren schließlich die Vorlage für die Papierschnitte.

Ein Kunstwerk anhand einer Silhouette – dabei hatte der Namensgeber Étienne de Silhouette eigentlich mit Kunst wenig am Hut. Vielmehr war der französische Finanzminister Mitte des 18. Jahrhunderts für seinen harten Sparkurs verrufen. Er führe nur noch eine „Schattenexistenz à la Silhouette“, lästerten böse Zungen – und aus lauter Geiz würde er das Schloss mit Schattenrissen statt mit kostbaren Gemälden behängen.

Auch der Laie reagiere gerne auf den Begriff Scherenschnitt mit „Das ist was für Kinder“, sagt Nie. Ein Trugschluss, wie der Besucher der Gemeindegalerie erfährt. Das Spektrum reicht von der Bastelei zu Hause bis zu kunstvoll ausgeschnittenen Szenen auf Papier. Ein Blickfang ist der Weißschnitt aus Italien, eine Leihgabe aus einem Privathaushalt. In einem Goldrahmen ist das biblische Motiv von Daniel in der Löwengrube nachgestellt, gleich darüber eine scheinbar bewegte Jagdszene. Die hauchdünnen Bewegungslinien der Protagonisten seien mit der Schere nicht mehr möglich, erklärt Nie. Dazu wurde das Papier mit Zuckerwasser auf ein Glas geklebt und mit einem Federmesser ausgeschnitten. Eine Arbeit, die heutzutage mit einem Laserdrucker gelingt und trefflich zeigt, dass die Papierschnittkunst in der Neuzeit angekommen ist.

Handgemacht und bis heute in Aktion ist die Leihgabe von Privatleuten: Das Schattentheater aus dem 19. Jahrhundert von Franz von Pocci, dem Vater des Kasperls. Spannend ist auch das Notgeld aus den 1920er Jahren, auf dem etwa die Landvögte in Schwarz-Weiß-Schnitten in ihrer ganzen Gier dargestellt sind. Auch die Wissenschaft hat sich der Schattenrisse angenommen: J. C. Lavaters Physionomie studierte die Profile und wies Eigenarten wie der spitzen Nase Charakterzüge zu. „Zur Beförderung der Menschenkenntnis und Menschenliebe“, sagt Nie – und Lavater hätte sich wohl nicht vorstellen können, das seine Studien einmal für die Rassenlehren der Nationalsozialisten missbraucht werden würden.

Michèle Kirner

„Étienne de Silhouette und die Geschichte des Scherenschnitts“

ist bis zum 7. März 2021 in der Hauptstraße 57 zu sehen. Öffnungszeiten sind Freitag und Sonntag 14 bis 17 Uhr. Für Gruppen nach telefonischer Vereinbarung unter  (0 81 53) 40 40.

Auch interessant

Kommentare