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Der Küchentisch ist der liebste Arbeitsplatz der Autorin Anja Janotta.

Gewürzreise

Anja Janotta schreibt Liebesromane - und führt einen dort hin, wo der Pfeffer wächst

Anja Janottas „Meine Checkliste zum Verlieben“ wurde mit dem Delia-Jugendliteraturpreis für den besten Liebesroman ausgezeichnet. Und in ihrem jüngsten Werk „Gewürzreise Afrika – Traditionelle Küche neu interpretiert“ entführt die 49-Jährige ihre Leser als Co-Autorin dorthin, wo der Pfeffer wächst.

Weßling –„Was für ein Valentinsgeschenk“, freute sich die Jugendbuchautorin auf ihrer Facebookseite Mitte Februar über die Nominierung für den Jugendliteraturpreis. Angesichts anderer konkurrierender „großartiger Werke“ meinte sie damals, dass mehr nicht drin sei, erinnert sie sich. Vor wenigen Tagen kam dann die unverhoffte Nachricht: Ihr Jugendroman hat den mit 1500 Euro dotierten, renommierten Preis gewonnen.

Somit hatte sich die Fachjury heuer für eine Geschichte entschieden, dessen Hauptfiguren am Rande der Gesellschaft stehen. Einerseits die Ich-Erzählerin Naomi, das Mauerblümchen, das „übrig bleibt“. In Sachen Freundschaften reicht es gerade einmal für andere Übriggebliebene: „Die Schweiger, die Trotzigen, die Seltsamen.“ Eben Adrian mit dem diagnostizierten Asperger-Syndrom, das die Autorin in „eine Menschenunverträglichkeit, eine Art Sozialallergie“ übersetzt.

Heiter und doch tiefgründig verwickelt die Diplom-Journalistin Naomi und Adrian in eine Liaison – und überzeugte die Juroren mit einer „mitreißenden Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen, die außergewöhnlich sind und in denen der Leser sich doch problemlos wiederfindet“. Außerdem zeige das Buch eindrucksvoll, „wie viel Liebe wir in unserem Leben dazugewinnen können, wenn wir uns nur trauen, Menschen näher kennenzulernen, auch wenn wir sie anfangs nicht verstehen“.

Entstanden ist das preisgekrönte Werk am Küchentisch

Entstanden ist das preisgekrönte Werk – genau wie die sechs Vorgänger – am heimischen Küchentisch. Dort nämlich arbeitet die Weßlingerin und schrieb dort passend zum Ambiente auch ein Gewürze-Buch. Ihre Muse war Angela Rolshausen, die in Hechendorf und München erfolgreich Gewürzläden betreibt. Schriftstellerisch stand ihr Angela Schult zur Seite, eine Kochbuchautorin, die alle Rezepte im Buch „nachgekocht, teilweise neu interpretiert und fotografiert“ hat.

Und Janotta tat, was sie am besten kann: Sie schrieb Geschichten. Geschichten über den Lebenslauf von Koriander, Anis, Sesam, Bockhornklee oder Fenchel. Geschmacksnoten, die ihr seit ihrer Kindheit in Algerien vertraut sind. Sie verfolgte unter anderem die Reiserouten vom Piment, den Christoph Kolumbus in Europa einführte. Oder vom Safran, einer Krokuspflanze, die „mit sehr viel Fingerspitzengefühl“ von Hand gepflückt werden muss.

Rezepte begleiten die Gewürzbiografien. Die Gewürzmischung Harissa beispielsweise wird das besondere Etwas im Gemüse-Couscous, Chili wiederum befeuert den Jollof-Reis aus Ghana. „Fleisch oder Fisch ist fast in jedem Rezept drin“, sagt die zweifache Mutter. Das liege daran, dass in Afrika der Anbau von Gemüse schwieriger und teurer sei, als das Halten von Schlachttieren oder das Fischen. Zu Hause ist Familie Janotta übrigens längst auf den Geschmack gekommen – und entstanden sind die afrikanisch gewürzten Menüs natürlich am Küchentisch.

Michèle Kirner

Bezugsquellen

„Meine Checkliste zum Verlieben“ ist im magellan-Verlag erschienen und kostet 15 Euro. „Gewürzreise Afrika – Traditionelle Küche neu interpretiert“ wurde von „Gewürze der Welt“ verlegt und kostet 24,90 Euro.

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