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Auch der Adelberg geht ins Rennen

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Von: Hanna von Prittwitz

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Volles Haus im Freizeitheim: Zahlreiche Bürger verfolgten die Sondersitzung zum Thema Mobilfunk.
Volles Haus im Freizeitheim: Zahlreiche Bürger verfolgten die Sondersitzung zum Thema Mobilfunk. © a. jaksch

Seit mehr als zwei Jahren diskutieren Weßlings Gemeinderäte über Mobilfunk-Standorte. Am Mittwochabend fiel die Entscheidung: Die Gemeinde schlägt den Mobilfunkbetreibern drei Standorte für Sendemasten vor, darunter auch den auf dem Adelberg in Oberpfaffenhofen.

Weßling – Die Weßlinger diskutieren gerne und viel, doch bei ihrer Sondersitzung am Mittwochabend im voll besetzten Freizeitheim fackelten sie nicht mehr. Einstimmig beschlossen sie, den Mobilfunkbetreibern für die nachhaltige Versorgung der Gemeinde und der S-Bahnstrecke drei Standorte für Mobilfunkmasten vorzuschlagen – am Adelberg, nahe des Steinebacher Wegs, und in Weichselbaum.

Vor der Abstimmung holte Bürgermeister Michael Sturm weit aus. Denn zuletzt hatte sich die Diskussion in Weßling verschärft. Auslöser war dafür vor allem der Standort Adelberg in Oberpfaffenhofen. In einem Flugblatt fürchteten Gisela Ruesch, Almut Kleist und Gerd Pfister als „Bürger für ein lebenswertes Weßling“ neben gesundheitlichen Auswirkungen auch optische Auswirkungen für das Ortsbild (wir berichteten).

Bisher wurde der Ortsteil Weßling über zwei provisorische Mobilfunkmasten am Steinebacher Weg und am ehemaligen Gasthof zur Post versorgt, für die jedoch eine langfristige Lösung gefunden werden muss. Dazu kommt ein Sendemast in Weichselbaum, der die S-Bahnfahrgäste versorgen soll. Für die Standortsuche startete die Gemeinde ein Dialogverfahren mit den Mobilfunkbetreibern. Und sie beauftragte den Sachverständigen Hans Ulrich, die Standortalternativen zu untersuchen. In einer Online-Bürgerversammlung informierte die Gemeinde im April über die Ergebnisse.

Sehr bald schon hatte sich der Adelberg im Zusammenspiel mit den Standorten am Steinebacher Weg und in Weichselbaum als „beste Lösung und bester Kompromiss“ herausgestellt, wie Sturm sagte. Er ersetze zwei, drei Masten an anderer Stelle. Er soll nicht höher als 42 Meter und – sich nach oben verjüngend – aus Beton gebaut werden. „Unser Ziel ist eine minimale Strahlenbelastung bei guter Netzabdeckung. Das ist eine Gratwanderung.“ Die Gemeinde dürfe keine Behinderungspolitik betreiben. „Wenn wir das Dialogverfahren nicht mitmachen, kann der Betreiber die Masten überall aufstellen, wenn er einen Privatmann findet. Da haben wir wenig Handhabe.“ Masten auf Privathäusern wolle man verhindern, mal ganz abgesehen davon, dass dies auch Auswirkungen auf die Strahlenbelastung habe.

Sturm verwehrte sich gegen Vorwürfe, er verhöhne elektrosensible Menschen. „Das habe ich sicher nie getan.“ Man überlege auch, wie diesen Menschen zu helfen sei. Die Gemeinde müsse jedoch alle Menschen im Blick haben. „Das wir keine Ideallösung haben, ist uns auch klar“, sagte Sturm. „Aber wir sind dafür gewählt, Entscheidungen zu treffen.“ Dabei müsse man sich auch auf das Urteil von Fachleuten verlassen. Die Gemeinderäte hätten über all dies nicht im Geheimen entschieden. „Nur zur Grundschule hatten wir so viele Sitzungen wie zu diesem Thema.“ Er selbst habe unzählige Gespräche geführt. „Ich sage immer: Mein zweites Büro ist der Edeka.“

Die Gemeinderäte lobten Sturms Ausführungen. Vizebürgermeister Sebastian Grünwald (Grüne) bemängelte, dass ein Gremium wie der Gemeinderat solche Dinge beurteilen müsse: „Das ist hier nicht gut aufgehoben.“ Den Kritikern riet er, bis in höhere politische Instanzen hinauf zu streiten. Klaus Ebbinghaus (SPD) betonte, „dass wir uns alle einen Kopf gemacht haben“. Was ihn allerdings an E-Mails erreicht habe, „das war in höchstem Maße unsozial“. Auch sein Fraktionskollege Claus Angerbauer verteidigte die Arbeit der Gemeinderäte. „Was mich gestört hat, sind Mails und Flugblätter, die die Dinge verzerrt darstellen.“ So könne man nicht diskutieren. „Ich bitte, davon Abstand zu nehmen“, sagte er.

Rasso von Rebay (FW) sprach von einer schweren Entscheidung. Weil man sich bei der Diskussion vor einigen Jahren nicht habe einigen können, sei schließlich auf dem Gasthof Post ein Mast entstanden. „Das tut mir heute noch leid, dass so viele Menschen in der Nähe dieses Mastes leben müssen und mussten.“ Die Masten seien aber auch Ausdruck dieser Zeit. Peter Weiß (FW) erinnerte daran, „dass wir keinen Standort beschließen, sondern versuchen, Übel zu verhindern“. Bei der Strahlung verlasse er sich auf die Fachleute. „Es ist ganz gefährlich, eine Diskussion über Gefährlichkeit zu führen.“ Er brauche den Standort Adelberg nicht, „am liebsten würde ich jetzt aufs Klo gehen und nicht abstimmen“. Positiv sei allerdings: „Ich lerne, es gibt viele Bürger, die sich Sorgen um den Ort machen“, sagte Weiß.

Die Standorte werden den Mobilfunkbetreibern nun vorgeschlagen. Der Standort am Steinebacher Weg soll nach Möglichkeit südlich in Richtung Umgehungsstraße verschoben werden. Das gilt auch für den Standort Weichselbaum. Die Verwaltung soll bei der Aushandlung von Mietverträgen darauf achten, dass das Ortsbild so wenig wie möglich beeinträchtigt wird, was Höhe und auch Beleuchtung der Masten angeht.

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