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Idyllisch gelegen, vor allem seit die Grünsinker Straße gesperrt ist: Die Kapelle Maria Hilf in Grünsink. Die Hecke wurde im Frühjahr entfernt und wird erneuert.

Wallfahrt

Wieder so verwunschen wie einst

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Vor einem Jahr noch donnerten täglich schwere Lkw und tausende Pkw an der Kapelle Grünsink vorbei in Richtung Autobahn. Seitdem im Herbst die Weßlinger Umfahrung in Betrieb genommen und zugleich die Grünsinker Straße gesperrt wurde, ist aus Grünsink wieder der verwunschene Ort von einst geworden. In dieser Atmosphäre feiert die Gemeinde Weßling am 30. Juli und am 20. August die Grünsinker Feste.

Grünsink – Die Tradition der Grünsinker Feste gründet auf einer Begebenheit aus dem Jahr 1740. Ein Jäger der Herrschaft Seefeld verlor im Wald die Orientierung. Er betete zu Maria, dass sie ihn zur grünen Senke führen möge, einem Platz, den er kannte. Sein Flehen wurde erhört.

Der Mann nächtigte daraufhin bei einem Bauern im nahen Schluifeld und erbat sich ein Marienbild, das er bei dem Landwirt vorfand. Er brachte das Bild zur grünen Senke und stellte es dort in einen hohlen Birnbaum. Das Volk hörte von der Legende und suchte daraufhin den Ort auf, um dort zu beten. Die Menschen gaben ihm den Namen „Maria hilf im Birnbaum“. Bald schon soll es zu Wunderheilungen gekommen sein – die älteste bekannte ist durch ein Votivbild von 1744 belegt. Pfarrer Anton Steiner erhielt schließlich vom Fürstbischof Joseph von Augsburg 1762 die Erlaubnis, das Marienbild als Gnadenbild öffentlich verehren zu lasen und eine Kapelle zu bauen. Am 10. August 1763 wurde die Kapelle mit dem Namen Maria Hilf geweiht, das Bild vom Birnbaum in die Kapelle überführt.

1779 erteilt Papst Benedikt für sieben Jahre vollkommenen Ablass für Gläubige, die zur Maria von Grünsink pilgerten. Die Wallfahrer nahmen immer mehr zu. Papst Leo XII. bestätigte 1825 schließlich den Ablass auf ewige Zeiten und legte ihn auf den letzten Sonntag im Juli fest. Das war der Beginn des Grünsinker Ablassfestes, das noch heute gefeiert wird.

1898 waren bis zu 500 Votivtafeln in der Kapelle angebracht. Diese belegten, dass die Gläubigen Maria von Grünsink bei Unglück um Beistand anriefen. Von den Tafeln ist heute allerdings nur noch ein Bruchteil erhalten.

Grünsink ist heute eine der letzten Marienwallfahrtsstätten des 18. Jahrhunderts. Das Erste Grünsinker Fest wird wie einst das Ablassfest am letzten Wochenende im Juli gefeiert. Das Zweite Grünsinker Fest steht für das Translationsfest, also die Überführung des Gnadenbildes in die Kapelle und wird immer am Sonntag nach MariÄ Himmelfahrt angesetzt.

Ablass ist heute natürlich kein Thema mehr. Die Feste werden trotzdem von den Weßlingern traditionell gefeiert, und zwar mit Gottesdiensten unter freiem Himmel. Seit vielen Jahren kommen ein buntes Markttreiben und Verpflegung dazu. Neu ist in diesem Jahr, dass beide Feste jeweils nur am Sonntag gefeiert werden.

Das Erste Grünsinker Fest beginnt am kommenden Sonntag um 9 Uhr mit einem Rosenkranz in der Kirche von Grünsink. Um 9.30 Uhr beginnt der Festgottesdienst. Die musikalische Umrahmung übernehmen Weßlinger Chöre sowie die Weßlinger Blasmusik, die im Anschluss auch auf dem Festplatz spielt.

Das Zweite Grünsinker Fest am 20. August beginnt ebenfalls um 9 Uhr mit einem Rosenkranz. Ein andächtiger Festgottesdienst schließt sich um 9.30 Uhr an. Es singen die Männerchöre aus Weßling und Oberpfaffenhofen, begleitet vom „Pfahofner Seitenwind“. Der Marktbetrieb dauert an beiden Festtagen von 10 bis 16 Uhr, der Festplatz ist zum Teil überdacht. Die Gemeinde Weßling bittet die Besucher aus Sicherheitsgründen, keine größeren Taschen und Rücksäcke mitzuführen. Es werden Kontrollen durchgeführt.

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