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Neue Argumente gegen den Standort Oberbrunn: Weßlings Bürgermeister Michael Muther, sein Vize Michael Sturm sowie Anton Quanz, Gerd Pfister und Hans Stredinger (v.l.) von der Interessensgemeinschaft Hochstadt

Streit um Standort

AWISTA-Zentrum: Weßling legt nach

Die Gemeinde Weßling und die Interessensgemeinschaft Hochstadt legen im Kampf gegen ein AWISTA-Zentrum bei Oberbrunn nach. Auch eine Klage ist nicht mehr ausgeschlossen. Ergebnisse der laufenden Prüfung soll es Anfang 2019 geben.

Weßling – Viele Jahre hat der Abfallwirtschaftsverband (AWISTA) nach einem Grundstück für ein Dienstleistungszentrum gesucht. Jetzt sind gleich zwei Areale im Rennen: Eines auf Weßlinger Flur an der A 96 (An den Gruben) und eines auf Gautinger Flur an der Grenze zu Hochstadt (Tiefenbrunner Rinne). Gegen Letzteres wehrt sich die Gemeinde Weßling. Am Mittwoch legten Bürgermeister Michael Muther, sein Vize Michael Sturm (FW) und die Interessensgemeinschaft Hochstadt bei einem Pressetermin ihre Argumente vor.

Grundstücksgrößen

In der Verbandsversammlung des AWISTA habe es noch geheißen, das Grundstück an der Autobahn sei 1,2 Hektar groß und im Vergleich zu gut vier Hektar des Gebiets bei Hochstadt zu klein für das Bauvorhaben. Zwei Eigentümer hätten inzwischen Verkaufsbereitschaft angekündigt, sodass auf Weßlinger Flur ebenfalls vier Hektar zur Verfügung stünden. Außerdem laufe in ein paar Jahren der Pachtvertrag für die benachbarte Umladestation von Remondis aus. „AWISTA könnte mit den Besitzern verhandeln“, schlug Muther vor. Eine Zusammenarbeit mache in seinen Augen Sinn.

Anbindungsgebot

Das rechtlich schlagkräftigste Argument gegen die Umladestation bei Hochstadt sehen die Gegner im so genannten Anbindegebot. Die Vorgabe im Landesentwicklungsprogramm (LEP) soll verhindern, dass „im Grünen Gewerbegebiete entstehen“. Das Gebot soll nach Auffassung der Weßlinger eine „Zersiedelung“ verhindern, indem neue Gewerbegebiete an „Autobahnen oder autobahnähnlichen“ Straßen liegen sollen, „ohne Beeinträchtigung des Orts- und Landschaftsbildes“ (Auszug LEP). Sturm fürchtet zudem, dass sich nach dem Bau des Dienstleistungszentrums weitere Unternehmen ansiedeln könnten. Dem müsste die Gemeinde Gautinger ab zustimmen.

Verkehr

Geplant ist gemäß Sturm, dass auch Gewerbemüll abgegeben werden kann. Damit wäre das Dienstleistungszentrum nicht nur für Kunden aus der Umgebung interessant, sondern auch für Herrschinger, Inninger, Seefelder oder Wörthseeer. Im Routenplaner gab Sturm probeweise die Ortsteile und als Ziel die Tiefenbrunner Rinne ein – und wurde durch Weßling und Hochstadt gelotst. „Die Straße ist aber jetzt schon so eng, dass Laster auf den Gehweg ausweichen müssen“, so Gerd Pfister von der Interessensgemeinschaft. AWISTA-Geschäftsführer Peter Wiedemann hatte davon gesprochen, dass die eigenen Fahrzeuge zur Nutzung der Umfahrungen von Weßling und Unterbrunn verpflichtet würden. „Das kann er den Privaten aber nicht vorschreiben.“ Für das von Weßling favorisierte Areal an der Autobahn spräche, dass es an Gilchings Umgehung angeschlossen würde. „St. Gilgen bekommt eine Lärmschutzwand und ist kein Durchgangsort“, spezifizierte der Rathauschef.

Wasserschutz

Auch der 160 Meter entfernt liegende Brunnen in Gauting treibt die Weßlinger um. Nicht nur wegen möglicher Grundwasserverschmutzung, sondern auch, weil damit die Erweiterung auf zusätzliche Brunnen „auf Jahrzehnte nicht mehr möglich ist“, sagte Muther. Momentan versorge der Brunnen 40 000 Menschen. Mit dem Bevölkerungswachstum im Landkreis und trockenen Sommern im Zuge des Klimawandels könnte eine Erweiterung aber notwendig werden.

Abstände

Bislang habe es immer geheißen, dass das Areal An den Gruben näher am Gilchinger Ort St. Gilgen liege als an Weßling. Sturm versuchte, das mittels einer Karte zu widerlegen. Darauf ist St. Gilgen 1020 Meter vom Areal entfernt, Weßlings Wohnbebauung Weichselbaum aber 760 und Mischenried 840 Meter. Bei der Oberbrunner Variante wiederum stehe das erste Hochstadter Haus 600 Meter entfernt. Oberbrunn befinde sich 1,9 Kilometer und Gauting 6,6 Kilometer weit weg.

Die Gegner des Standorts Oberbrunn fürchten, der AWISTA werde an dem Grundstück festhalten. Weßling ist zu mehr bereit: Sollte sich der AWISTA für die Fläche auf Gautinger Flur entscheiden, werde man den Rechtsweg einschlagen, zitierte Sturm einen Ratsbeschluss.

Ergebnisse Anfang 2019

AWISTA-Geschäftsführer Peter Wiedemann erklärte auf Anfrage, derzeit liefe die beschlossene, intensive Prüfung der beiden Standorte. Im ersten Quartal 2019 rechnet er mit Ergebnissen. Er würde begrüßen, wenn man dann über die Fakten des Vergleichs reden würde.

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