Atemberaubend: Die Antonow An-124 hebt an Heiligabend um Punkt 10.20 Uhr vom Flughafen Oberpfaffenhofen ab – beobachtet von mehr als hundert Schaulustigen.
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Atemberaubend: Die Antonow An-124 hebt an Heiligabend um Punkt 10.20 Uhr vom Flughafen Oberpfaffenhofen ab – beobachtet von mehr als hundert Schaulustigen.

Antonow An-124 landet an Heiligabend in Oberpfaffenhofen

Die Faszination von UR-82029

  • Peter Schiebel
    vonPeter Schiebel
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Eines der größten Frachtflugzeuge der Welt machte an Heiligabend Station auf dem Sonderflughafen Oberpfaffenhofen. Die Antonow An-124 lieferte zwei Maschinen vom Typ Dornier Do 228 an. Mehr als hundert Schaulustige wollten sich das Spektakel des Starts nicht entgehen lassen.

Oberpfaffenhofen – Die vier Turbinen heulen auf, die Maschine hebt nach einem kurzen Sprint über die Startbahn ab, dann neigt sich der Koloss im Steigflug einmal nach links und einmal nach rechts – und verschwindet kurz darauf hinter den Wolken. Mit diesem „Wing Wave“ genannten Gruß verabschiedete sich die Besatzung der Antonow An-124 an Heiligabend um 10.20 Uhr vom Sonderflughafen Oberpfaffenhofen, seinen Mitarbeitern und von mehr als hundert Schaulustigen, die sich dieses Ereignis nicht entgehen lassen wollten.

Thomas Girstenbrei aus Augsburg ist einer von ihnen. „Das ist einmalig für diesen Flugplatz“, sagt er im Gespräch mit dem Starnberger Merkur, nachdem das Flugzeug nicht mehr zu sehen ist. „So nah kommt man einer solchen Maschine normalerweise nicht“, erklärt der 31 Jahre alte Lkw-Fahrer, der sich bereits seit vielen Jahren für Flugzeuge begeistert.

Entladen in der Morgendämmerung: Im Rumpf der Antonow befanden sich zwei Dornier-Flugzeuge.

Wer nicht so in der Materie drinsteckt: Die Antonow An-124 ist eines der größten Transportflugzeuge der Welt. Für die damalige sowjetische Armee gebaut, absolvierte sie an Heiligabend 1982 ihren Jungfernflug. Sie ist 69,10 Meter lang, hat eine Spannweite von 73,30 Meter und ein Leergewicht von 173 Tonnen. Vollbeladen bringt sie rund 390 Tonnen in die Luft. Bis ins Jahr 2004 wurden nur 56 Exemplare gebaut.

„Aktuell gibt es noch circa 45 flugfähige An-124, aber nur knapp die Hälfte fliegt tatsächlich noch“, sagt Tobias Grünholz. Der 36 Jahre alte Bestatter aus Gilching ist ebenso wie Thomas Girstenbrei ein „Planespotter“, also einer, der besondere Flugzeuge und Flughäfen fotografiert. „Ich bin ein Flugzeug-Enthusiast“, sagt Grünholz dem Starnberger Merkur. „Mich fasziniert, dass solche Tonnen abheben und durch die Luft fliegen können.“ Eine der Besonderheiten der Antonow sei neben den schieren Ausmaßen, dass es nicht mehr viele davon gebe und diese relativ alt seien, erzählt er. Die Maschine, die in Oberpfaffenhofen gelandet ist, sei vor 30 Jahren gebaut und im Januar 1991 in Dienst gestellt worden

Bereit zum Start: Ganz am Anfang der Startbahn wartete das Flugzeug auf das Signal des Towers.

Aber warum war das Flugzeug der ukrainischen Fluggesellschaft Antonov Airlines mit der Kennung UB-82029 überhaupt in Oberpfaffenhofen? Auch das hat Tobias Grünholz in Erfahrung gebracht. „Sie hat zwei Maschinen vom Typ Dornier Do 228 von Thailand aus nach Oberpfaffenhofen gebracht.“ Was dort geplant ist, weiß Thomas Girstenbrei: „Die zwei Dornier bekommen bei der Firma Ruag eine komplett Überholung. Sie werden in alle Einzelteile zerlegt, kontrolliert und gegebenenfalls erneuert. Danach werden sie wieder zusammengebaut und werden dann wahrscheinlich aus eigener Kraft mit vielen Tankstopps zurück nach Thailand fliegen“, sagt er.

Gruß zum Abschied: Die Crew verabschiedete sich mit einem „Wing Wave“ von Oberpfaffenhofen.

Ganz reibungslos hat der Transport aber nicht geklappt. Laut im Internet verfügbaren Daten ist die Maschine am Montag, 22. Dezember, um 9.25 Uhr Ortszeit im thailändischen Rayong gestartet. Das ursprüngliche Ziel war Tiflis, von wo aus es nach einem Tankstopp nach Oberpfaffenhofen hätte weitergehen sollen. Allerdings gab es offenbar technische Probleme. Jedenfalls landete UR-82029 außerplanmäßig in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi. Dort hob die Antonow am Dienstag, 23. Dezember, um 22.13 Uhr Ortszeit wieder ab und flog exakt elf Stunden und 23 Minuten nonstop bis nach Oberpfaffenhofen. Um 5.06 Uhr am Heiligen Morgen setzte die Maschine dort auf der 2,2 Kilometer langen Start- und Landebahn auf – aufgrund des ungeplanten Zwischenstopps mit rund zwanzig Stunden Verspätung.

Für die Flugzeugbegeisterten bedeutete das: früh aufstehen. Tobias Grünholz war gegen 6 Uhr am Flughafen und fotografierte das Ausladen der Dornier-Flugzeuge aus dem riesigen Rumpf der Antonow. Dafür kann sogar den vordere Bereich komplett geöffnet werden.

Begeisterte Zuschauer (v.l.): Kai-Uwe Thormann, Thomas Girstenbrei, Max, Sebastian und Johannes Trauner.

Auch Thomas Girstenbrei und seine Freunde Kai-Uwe Thormann (38) mit Sohn Max (7), Sebastian Trauner (23) und Johannes Trauner (26) aus Moorenweis im Landkreis Fürstenfeldbruck waren früh auf den Beinen. Seit etwa 7.30 Uhr warteten sie am Ende der Start- und Landebahn des Flughafens an der Verbindungsstraße Richtung Unterbrunn darauf, dass der Riesenvogel mit Ziel Kiew abhebt. „Wir sind alle flugzeugbegeistert“, sagt Kai-Uwe Thormann. „Das wollten wir uns nicht entgehen lassen“ – genauso wie mehr als hundert andere Zuschauer auch. Das Schlusswort von Tobias Grünholz: „Das war ein Highlight für den Airport Oberpfaffenhofen und nicht nur für uns oftmals als verrückt bezeichnete Planespotter ein Kracher, sondern auch für sehr viele Menschen, die einfach fasziniert von den Ausmaßen dieses Kolosses sind. So etwas wird es wahrscheinlich die nächsten zehn Jahre nicht mehr geben.“

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