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In ihrem Element: Prof. Irena Hajnsek analysiert am DLR in Oberpfaffenhofen die Daten von Satelliten. 

Interview mit Professor Dr. Irena Hajnsek

DLR-Forscherin über Frauen in der Wissenschaft: „Mädchen gehen systematischer vor“

Zum internationalen Tag der Frauen in der Wissenschaft spricht Professor Dr. Irena Hajnsek über das Geschlechterverhältnis in der Forschung und darüber, wie Frauen gefördert werden sollten. Hajnsek arbeitet am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen. 

Weßling – Nirgendwo im Landkreis Starnberg wird so viel geforscht wie am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen. Aber nur jeder fünfte wissenschaftliche Mitarbeiter am DLR ist eine Frau. Eine von ihnen ist Professor Dr. Irena Hajnsek. Die 49-Jährige lebt mit ihrem Mann und ihrer zehn Jahre alten Tochter in Weßling – und analysiert am Institut für Hochfrequenztechnik und Radarsysteme Satellitendaten, um Modelle der Erdoberfläche zu erstellen. Zum internationalen Tag der Frauen in der Wissenschaft an diesen Dienstag schildert sie ihre Perspektive.

Frau Professor Hajnsek, wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?

Mein naturwissenschtliches Studium hat mein Interesse für technische Verfahren geweckt. Von der Arbeit am Mikroskop kam ich zur Erdbeobachtung mit Radartechnik – beide verwenden bildgebende Verfahren. Der Wechsel von Mikro auf Makro hat mich fasziniert.

Ihre Diplomarbeit haben Sie in Umwelttechnik gemacht, heute lehren Sie an der ETH Zürich. Hat sich die Situation für Frauen in naturwissenschaftlichen Fächern seither verändert?

Frauen in naturwissenschaftlichen Bereichen sind keine Seltenheit – es sind sogar mehr geworden. Welche Fächer genau studiert werden, scheint eher eine Frage der Zukunftsperspektive zu sein. Es wird aber vielleicht immer Themen geben, die Frauen attraktiver finden.

Welche Themen sind das?

Umwelt und Gesellschaft zum Beispiel. In Studiengängen wie Umweltingenieurwesen finden Sie teilweise einen Frauenanteil von 40 Prozent. Da ist für viele klar: Ich habe die Chance, mal einen Beruf zu ergreifen, in dem ich etwas bewirken kann. Im Bauingenieurswesen wiederum sitzen viel weniger Frauen in den Hörsälen. Man müsste klarer vermitteln, welche Perspektiven einen nach einem solchen Studium erwarten und was man bewirken kann.

Glauben Sie, dass der Wunsch, im Beruf etwas bewirken zu wollen, eine geschlechtsspezifische Eigenschaft ist?

Ich denke schon, dass Mädchen andere Herangehensweisen entwickelt haben als Jungs. Sie gehen systematischer vor statt gleich drauflos. Andererseits glaube ich nicht, dass sie zum Beispiel weniger Spaß an Mathe haben. Es ist schwer zu sagen, welche Verhaltensweisen auf gesellschaftliche Rollenbilder und welche auf das Geschlecht zurückzuführen sind.

Hat das traditionelle Frauenbild denn auch 2020 noch Einfluss auf Wissenschaftlerinnen?

Ich denke schon. Die Frau hat gelernt, dass sie von außen Anerkennung bekommt, wenn sie keine Fehler macht. Sie ist meist perfektionistisch und will die beste Ehefrau, Mutter und Wissenschaftlerin sein.

Gibt es in der Arbeitswelt überhaupt genügend Raum, um all das sein zu können?

Noch nicht ausreichend. Dort, wo das Einkommen einer Person ausreicht, um die Familie abzusichern, bleiben Frauen noch häufig zu Hause. Ich bin Mutter und mein Lebensentwurf kostet viel Energie. Aber ich will meiner Tochter zeigen, dass man beides stemmen kann.

Wie steht es dabei um die Aufstiegschancen?

Ich glaube, genau hier liegt das Problem. Frauen sind in der Wissenschaft zwar vertreten, aber in Führungspositionen kommen nur wenige.

Was muss getan werden?

Führungspositionen sollten auch für Teilzeitkräfte ausgeschrieben werden. Damit Frauen, insbesondere Mütter, aber auch Väter in Teilzeit sich bewerben können. Es muss mehr Flexibilität her. Frauen zu unterstützen bedeutet, die Familie zu unterstützen.

Wie wird das am DLR umgesetzt?

Das DLR hat recht flexible Arbeitszeiten und tut viel in die Richtung. Ich selbst mache auch Frauenmentoring.

Das heißt?

Ich betreue junge Wissenschaftlerinnen, bin Ansprechpartnerin bei Fragen und biete an, Teil ihres Netzwerks zu sein.

Welchen Ratschlag geben Sie dabei mit?

Dass man im Leben weiterkommt, wenn man Freude an seiner Arbeit hat. Mit dieser Freude – und der investierten Zeit – kommt die Qualifikation, die der ausschlaggebende Karrierefaktor sein wird.

Interview: Alice Beckmann-Petey

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