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Im eigenen Atelier: Goldschmiedin Nicole Weiß, vor 20 Jahren Bayerns beste Meisterin.

Besuch im Atelier

Ein Herzanhänger, der ins Weltall reiste: Nicole Weiß schmiedet Schmuck

Vor 15 Jahren beriet Nicole Weiß (46) ihre Kunden in ihrem Wohnzimmer an der Weßlinger Bahnhofstraße im Wohnzimmer. Mittlerweile hat sich das SchmuckAtelier Weiß längst etabliert – ein kleiner, aber schmucker Laden, in dem sich die Besucher die Türklinke in die Hand geben.

Weßling Früher machte nur eine kleine Schmuckvitrine an der Hauswand auf die Kunst der Goldschmiedemeisterin aufmerksam. Im Schaufenster des Ateliers haben Ringe, Ketten und Ohrgeschmeide einen größeren Rahmen bekommen.

Ausschlaggebend für den Bau des Ateliers war die Kundschaft, die auch gerne am Sonntag an der Haustüre klingelte und sich auf dem heimischen Sofa beraten ließ. Während sich der Ehemann der Goldschmiedin ins Büro verzog, krochen die beiden Söhne mit ihren Spielzeugautos um die Füße der Besucher. Dem Gatten wurde das irgendwann zu viel. Er beauftragte eine Fachfirma, die Garage wegzusprengen. An deren Stelle entstand das Atelier, erzählt Nicole Weiß.

An drei Tagen in der Woche ist Publikumsverkehr, an den anderen Tagen arbeitet die Weßlingerin an den Schmuckstücken – schlichte Ohrringe, die an einem Porzellanbäumchen baumeln, Perlenketten sowie Armbänder und Broschen in hochkarätigem Gold oder Silber landen in der Vitrine. Zwischen zehn und 10 000 Euro kann der Kunde im Schmuck-Atelier ausgeben. Für den Geldbeutel der Schülerin ist das hübsche Armband aus bunten Bändern bestimmt, für Besserverdiener der in Gold gefasste Edelsteinanhänger. „Mein Kopf ist voller Ideen“, sagt Weiß, die manchmal bis tief in die Nacht an der Werkbank sitzt.

Schon als Kind fädelte Weiß Glasperlen auf einen Nylonfaden

Schon als Kind fädelte Nicole Weiß Glasperlen auf einen Nylonfaden. Für den Leistungskurs Kunst kreierte sie einen Anhänger aus Sterlingsilber. Nach dem Abitur besuchte sie eine Berufsfachschule für Glas und Schmuck und vertiefte nach der Gesellenprüfung ihr Können bei einem Juwelier an Münchens Maximilianstraße. Die Meisterschule schloss sie vor 20 Jahren mit einem Collier aus Süßwasserperlen als Bayerns Jahresbeste ab.

Zukünftige Ehepaare können bei Nicole Weiß ihre Ringe selbst entwerfen. Im Trend sind auch wieder Verlobungsringe – die gelegentlich für einen Heiratsantrag auf einen Berggipfel oder das Empire-State-Building reisen. Wirklich weit gereist ist ein silberner Herzanhänger. Der flog zur ISS ins Weltall.

In Weßling dürfte das Atelier jedem bekannt sein – spätestens seit Pfingsten im vorigen Jahr, als zwei Polizeiautos mit Blaulicht vor der Tür standen: Die „Rosenheim Cops“ fahndeten damals vor der Kamera nach einem Mörder. Täterin war eine Goldschmiedin – und gestohlen wurde das prämierte Meisterstück der Ladeninhaberin – das ist im echten Leben im Tresor einer Bank sicher verstaut.

Michèle Kirner

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