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Wann kommt der „Bike-Park“? Umringt von den Radlern waren (v l.) Sebastian Grünwald (Grüne, Vize-Bürgermeister) und Bürgermeister Michael Sturm vor der jüngsten Sitzung.
Wann kommt der „Bike-Park“? Umringt von den Radlern waren (v l.) Sebastian Grünwald (Grüne, Vize-Bürgermeister) und Bürgermeister Michael Sturm vor der jüngsten Sitzung. © Hagena /privat

„Bike-Park“ in Weßling: Gemeinderat berät im September.

Weßling – Um ihre jüngste Sitzung zu erreichen, mussten die Gemeinderäte und Bürgermeister Michael Sturm eine Gasse zum Pfarrstadel durchschreiten. Gebildet von MTB-Nachwuchsfahrern und deren Eltern, die ihr Anliegen „Bike-Park“ an der Grünsinker Straße (wir berichteten) in Erinnerung rufen wollten. Sturm befürwortete gegenüber dem Starnberger Merkur die Anlage für die Sportradler. Allerdings mit erhobenem Zeigefinger: „Wenn es nicht funktioniert, dann stellen wir das Projekt wieder ein“, betonte er.

Die Biker hielten Transparente mit „Wo bleibt der Bike-Park“ oder „Sicheres, legales Biken in Weßling“ hoch. Ein Jungradler hielt die Schriftzüge „Lieber Gemeinderat“ in die Kamera. Allerdings hatte er den „Rat“ durch ein gemaltes Rad ersetzt. Damit wollten die mehr als 20 Anwesenden ein Zeichen setzen, denn seit gut 18 Monaten stagniert das Projekt. „Die Jungbiker bauen sich wieder ihre Schanzen in den Wäldern“, gab Christian Lekies zu Bedenken. „Und das ist gefährlich“, so der Vorsitzende der neu gegründeten Bike-Abteilung „Rideclub“ vom Sportclub Weßling mit derzeit rund 20 Mitgliedern.

Anlass war, dass die Entscheidung über eine Anlage zwischen am Katzenstein, der Bahnlinie, dem Friedhof und an der Grünsinker Straße im Juli von der Tagesordnung genommen und voraussichtlich auf den September verschoben worden ist. Denn noch seien Gespräche notwendig, so Sturm, unter anderem mit Bewohnern vom am Katzenstein und den Bikern. Ein Treffen hatte schon stattgefunden, berichtete Lekies. „Das war sehr gut.“ Ein weiterer Termin ist anberaumt, so Sturm. Denn, wie berichtet, formierte sich aus den Reihen der Bewohner Widerstand gegen die Sportanlage. „Ein anderes Areal haben wir nicht“, bedauerte Sturm.

Alle vorausgegangenen Standortideen wurden wieder verworfen. „Ideal“ gewesen wäre gemäß Sturm das Nachbargrundstück beim Skaterpark auf dem Gelände vom SC Weßling. Die Umsetzung scheiterte am Grundstückbesitzer, der weder verpachten noch verkaufen wollte. Auch die Kiesgrube in der Nähe vom Aubach fiel durch, weil die Fläche zu abgelegen und schwer erreichbar sei. Demgegenüber erscheint der aktuell diskutierte Standort geradezu optimal. Allerdings befürchteten die Kritiker unter anderem Ruhestörung oder explodierende Kosten.

„Ich verstehe ihre Sorgen“, sagte Sturm. „Aber man kann alles regeln.“ Beispielsweise sperre man die Rampen ab, zählte Sturm auf. Und die Nutzer könnten den Bike-Park nur betreten, wenn ein Verantwortlicher vom SC Weßling aufsperrt. Mit nächtlichen Partyorgien rechne er nicht, schließlich sei das Areal nicht beleuchtet. „Bei Beerdigungen ist das Sportgelände geschlossen“, bekräftigte Sturm weiter. Die Gefahr, dass die Radsportler den Friedhofsbesuchern „über den Kopf springen“, sah er ebenfalls nicht. „Wir halten die 30 Meter Abstand zum Friedhof und die 55 Meter Abstand zur Bebauung ein.“ Die von Anwohnern in den Raum gestellten möglichen Kosten von mehreren 100 000 Euro relativierte Sturm. „Die Biker werden die Anlage mit viel Eigenleistung erstellen.“ Geteert oder anders befestigt werde der Untergrund nicht. „Wir kommen mit den 4000 bis 5000 Euro der Gemeinde aus“, versicherte Lekies. „Mögliche Extrakosten finanzieren wir über Spenden und Sponsoring.“

Die potenziellen rund 60 Bike-Park-Nutzer scharren mit den Hufen. Sobald der Gemeinderat grünes Licht gibt und alle Formalitäten erledigt sind, können die Radartisten die Bodenwellen, Steilwandkurven, Pumptracks und Dirtlines aus Erde und Lehm kratzen, über die sie fortan in allen möglichen Variationen fliegen. Unter Vorbehalt, denn sollte die Nutzung für die Anwohner zur Belastung werden, müsse der Bike-Park zurückgebaut werden, ermahnte Sturm. Das sei an einem Tag erledigt. Das habe der Demonstrationstag im März bewiesen, an dem die Beteiligten die Anlage am Freitag aufgebaut und am Montag wieder komplett abgebaut hatten.

Michèle Kirner

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