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Fahrradstraße plötzlich abgelehnt

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In Freiham Nord soll Münchens erste Fahrradstraße entstehen.
In Weßling soll es eine zweite Fahrradstraße geben. So einst der Beschluss. Nun schaut es wieder anders aus. © dpa

Die Ettenhofener Straße sollte eine Fahrradstraße werden. Das hat der Weßlinger Gemeinderat schon 2018 beschlossen. Diese Woche kippte er den Beschluss.

Weßling - Ein Gemeinderatsbeschluss aus dem Jahr 2018 sieht vor, in Weßling zwei Fahrradstraßen einzuführen. Eine davon, auf dem Meilinger Weg, wurde schon eröffnet, die zweite betrifft die Route von Oberpfaffenhofen nach Weßling – und diese soll jetzt auf einmal doch keine Fahrradstraße werden, befand eine knappe Mehrheit der Gemeinderäte am Dienstag, ohne zuvor den vier Jahre alten Beschluss förmlich aufzuheben. Ob das geht, wird nun rechtlich geprüft.

Sichtlich erfreut hatte Bürgermeister Michael Sturm vor gut zwei Jahren die Fahrradstraße auf dem Meilinger Weg eröffnet. Seither darf zwischen Sporthalle und Marktplatz maximal Tempo 30 gefahren werden, die Radler genießen Vorrang und dürfen nebeneinander fahren. Auch auf der Ettenhofener Straße bis Karpfenwinkel und Uferweg, dem zukünftigen Schulweg der Grundschüler zum neuen Schulhaus, sollten die Radfahrer in Zukunft das Tempo vorgeben.

Gestoppt wurde die Umsetzung einst von der Rechtslage: Zur Einrichtung einer Fahrradstraße hatte früher der Radverkehr noch die vorherrschende Verkehrsart sein müssen, bei einer Zählung 2019 war jedoch nur jeder fünfte Verkehrsteilnehmer ein Radler. Mittlerweile reiche eine „zu erwartende hohe Fahrradverkehrsdichte, eine lediglich untergeordnete Bedeutung für den Kfz-Verkehr oder eine hohe Netzbedeutung für den Radverkehr“, zitierte Gerhard Hippmann (Grüne) den ADFC.

Das treffe für den Bereich nach Fertigstellung der Schule zu, stand in der Beschlussvorlage am Dienstag. Um ein Zeichen für den Radverkehr zu setzen, sollte der Gemeinderat eine Fahrradzone für die gesamte Route beschließen. Das scheiterte aber daran, dass in solchen Bereichen automatisch rechts vor links gilt. Eine Regel, die Christina Mörtl-Diemer (BG/CSU) als „gefährlich“ bezeichnete. Denn der Abschnitt beinhalte einige unübersichtliche Stellen. „In der Schulstraße gibt es keine Probleme“, konterte Sturm mit Blick auf die bereits freigegebene Fahrradstraße.

Christian Zollner (Freie Wähler) bekam beim Gedanken an eine Fahrradzone dennoch „große Bauchschmerzen“. Dabei dachte er an das „steile Stück an der Ettenhofener Straße“. Günther Schöpp (BG/CSU) erinnerte an die vielen Schilder, die aufgestellt werden müssten. „Statt 25 würden 26 Schilder neu aufgestellt“, hielt Sturm dagegen. Andreas Lechermann (BG/CSU) sah „generell keinen Mehrwert“ in einer Fahrradzone oder Fahrradstraße. Er befahre die Strecke oft mit dem Auto. „Ich kann auch jetzt keinen Radfahrer überholen, weil ich die 1,50 Meter Sicherheitsabstand nicht einhalten kann.“

Mörtl-Diemer verwies zudem darauf, dass die Anwohner mit dem Stop-and-go zusätzlich belastet und die Gautinger Straße als Ausweichstrecke wiederum überlastet würde. Sie bevorzuge eine Entschleunigung durch die bereits beschlossenen Maßnahmen wie Fahrbahnverengungen, Piktogramme oder einen fest installierten Blitzer. „Da ist bis heute nichts passiert“, kritisierte sie.

Am Ende fiel die Fahrradzone einstimmig durch. Eine Fahrradstraße für die südliche Route lehnte das Gremium mit 8:9 Stimmen ebenfalls ab. Was wiederum für Verwirrung sorgte, weil der positive Beschluss aus dem Jahr 2018 nicht aufgehoben worden war. Stefan Diebl, der Sprecher des Landratsamtes, sagte gestern dazu: „Aus der Gemeinde wurden wir auch schon angefragt. Mit Ja oder Nein kann man das so schnell nicht beantworten. Das müssen wir rechtlich prüfen.“

Michèle Kirner

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