Kinder im Kindergarten
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Zwischen fünf und 15 Prozent werden die Gebühren in Weßling je nach Einrichtung erhöht - erstmals seit 2016. (Symbolbild)

Gebühren werden erhöht

Finanzielles Defizit von über einer Million: Kinderbetreuung in Weßling wird teurer

Weil das „bereinigte Defizit“ der Kindertagesstätte bei über einer Million Euro liegt, muss die Gemeinde Weßling handeln. Sie spart - erhöht aber auch die Gebühren.

Weßling – Rund 1,05 Millionen Euro: So hoch ist nach Berechnungen von Weßlings Kämmerer Sebastian Görlitz das „bereinigte Defizit“ der Kindertagesstätte. Dieses wiederkehrende Defizit soll reduziert werden, beschlossen die Gemeinderäte in dieser Woche. Durch Einsparungen, aber auch durch Gebührenerhöhungen.

Mit Letzterem tat sich das Gremium sichtlich schwer. Während etwa Christian Zollner (FFW) die veranschlagte fünfprozentige Erhöhung für Krippenkinder als zu niedrig empfand, plädierte Sebastian Grünwald (Grüne) für eine geringere Erhöhung. Diese Forderung zementierte der Vizebürgermeister mit eigenen Berechnungen bezüglich des Minus der Kleinstkinderbetreuung. Das Defizit in der Krippe sei lediglich ein Ausreißer im Pandemiejahr, so sein Fazit.

Außerdem seien in Anbetracht der hohen Krippenplatzgebühren für den Einzelnen fünf Prozent viel Geld. „Ein Krippenplatz kostet etwa fünfmal mehr als ein Kindergartenplatz“, bestätigte Görlitz. Und ja: 2020 sei ein außergewöhnliches Jahr gewesen, weil die Gemeinde allen Eltern die Gebühren erlassen hatte, deren Nachwuchs coronabedingt nicht betreut wurde.

Anwesende Eltern werden im Laufe der Debatte immer ungehaltener

„In den vorausgegangenen Jahren war das Defizit nicht so hoch“, stimmte der Kämmerer der Kritik im Gespräch mit dem Starnberger Merkur zu. Aber rote Zahlen habe die Gemeinde nichtsdestotrotz auch vorher schon geschrieben. „Die letzte Erhöhung war 2016“, erinnerte er die Ratsrunde und die Eltern im Pfarrstadel, von denen einige im Laufe der Debatte immer ungehaltener wurden.

Pro Kind leiste sich die Gemeinde in der Krippe mehr Personal als vorgeschrieben, erklärte Görlitz die hohen laufenden Kosten. Im Defizit der Kinderbetreuung nicht eingerechnet seien Umbaumaßnahmen und die beiden Bauwagen, die im vergangenen Jahr mit rund 500 000 Euro zu Buche geschlagen hätten.

Gebührenerhöhung um fünf bis 30 Prozent - je nach Einrichtung

Dem jährlichen Verlust Abhilfe verschaffen sollen die vom Gemeinderat mehrheitlich angenommenen Gebührenerhöhungen von fünf Prozent in der Krippe, 20 Prozent im Kindergarten, 30 Prozent im Waldkindergarten und 15 Prozent im Hort beziehungsweise in der Mittagsbetreuung. Hinzu kommt eine Erhöhung von Essens-, Spiel- und Verpflegungsgeld. Die angepassten Geschwistergebühren segneten die Räte genauso ab wie die jährlich automatisch auf die Eltern umgelegten Tariferhöhungen im öffentlichen Dienst.

Die Mehreinnahmen seien nur eine von zwei Stellschrauben, sagte Bürgermeister Michael Sturm. Angesichts der anteilig hohen Personalkosten hatten die Gemeinderäte bereits Ende letzten Jahres eine Verschiebung der Öffnungszeiten und eine Mindestzahl an Anmeldungen für Randzeiten verabschiedet. „Mit den beiden Maßnahmen verringern wir das Defizit um bis zu 100 000 Euro“, sagte Görlitz. Weitere Einsparungsvorschläge würden gerade ausgearbeitet.

Die CSU kam mit ihrem befürworteten Antrag aus einer anderen Richtung: Weil bis auf eine alle Kindereinrichtungen von der Gemeinde betrieben werden, wünschte sie sich eine Prüfung der Rahmenbedingungen und Kosten im Falle eines externen Trägers.

Michèle Kirner

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