+
Weßlings gesammelte Tore – am Maifeiertag für Passanten ein echter Hingucker.

Bürgern fehlt jegliches Verständnis

„Unzurechenbare Mitbürger“ montieren Gartentore ab - Anwohner sind wütend

  • schließen

In der Freinacht sind in Weßling mehrere Gartentore und -türen abmontiert und zum Maibaumplatz an der Hauptstraße transportiert worden. Ein Anwohner beklagt sich darüber in einem Schreiben an den Starnberger Merkur.

Weßling – Diesen Freinacht-Scherz fand einer gar nicht gut: In der Nacht zum 1. Mai haben sich in Weßling ein paar Burschen daran gemacht, Gartentüren und Gartentore auszuhängen und gesammelt zum Maibaumplatz an der Hauptstraße zu bringen. Mehr als zwei Dutzend werden es wohl gewesen sein, die die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr am Morgen des 1. Mai dann erst einmal zur Seite räumen mussten.

Feuerwehrvorstand Günther Schöpp zum Starnberger Merkur: „Sie lagen an den Eisenschienen, in denen wir unseren Maibaum aufstellen wollten.“ Sauer ist Schöpp deswegen aber nicht: „Der Aufwand war für uns überschaubar.“ Türen und Tore wurden ein paar Meter weiter getragen, das Maifest samt Maibaumaufstellen fand wie vorgesehen statt (wir berichteten).

Anwohner zeigen kein Verständnis

Anwohner Christian P. sieht die ganze Angelegenheit dagegen nicht so gelassen. Er ist eines der Weßlinger Freinacht-Opfer, weil an dem von ihm gemieteten Haus gleich zwei Flügel des Einfahrtstores und das daneben liegende Türchen abmontiert und zum Maibaumplatz transportiert wurden. In einem Schreiben an den Starnberger Merkur wundert er sich über die Gepflogenheiten: „Ich hatte mich damit abgefunden, dass die Kinder ihren Spaß daran haben, Mülltonnen an ungewöhnliche Plätze zu verrücken, Autos mit Rasier- und sonstigem Schaum einzuseifen, Kilometer an Toilettenpapier zu verspannen und anderen Schabernack zu treiben, den man noch als liebenswürdig auffassen kann.“ Dass aber offenbar motorisierte Erwachsene in der Freinacht unterwegs sind und schwere Türen und Tore durch Weßling kutschieren – dafür fehlt Christian P. das Verständnis, der nach eigenen Aussagen seit 20 Jahren im Fünfseenland und seit zwei Jahren in Weßling lebt.

„Nächstes Mal keine verständnisvolle Nachfrage“

„Hat bei dieser Aktion irgendjemand daran gedacht, dass hier Mitbürger, zumal alte Menschen, die sich nicht helfen können, wirklich finanziell geschädigt werden können, oder dass sie sich beim Rücktransport und Wiedermontage des entwendeten Gutes verletzen könnten oder aber ihr Auto beim Einladen beschädigen könnten?“, fragt Christian P. Er hatte am Maifeiertag von der Herrschinger Polizei den Hinweis bekommen, am Maibaum nach seinen Toren zu schauen – „die Polizei wusste noch von weiteren etwa 30 solcher Fälle“, berichtet er.

Lesen sie auch: Scherzbolde schieben Einkaufswagen zu XXL-Schlange zusammen

Am Maibaum habe ihm die Feuerwehr bereits Hilfe angeboten, weil er selbst keine Möglichkeit gehabt habe, die zusammen 150 Kilo schweren Teile zurückzubringen. Und tatsächlich: Am späten Nachmittag seien die Kameraden vorbeigekommen, hätten die Tore gebracht und beim Einbauen geholfen. Den Hinweis, nicht abschließbare Gartentore in der Freinacht mit einem Fahrradschloss zu sichern, findet Christian P. wenig hilfreich. „Muss ich mir jetzt drei Fahrradschlösser für unzurechenbare Mitbürger beschaffen?“, schreibt er und kündigt bereits an: „Das nächste Mal wird es nicht bei einer verständnisvollen Nachfrage bei der Polizei bleiben.“

Weßlings Feuerwehrvorstand Schöpp greift dagegen auf die bewährte Fahrradschloss-Methode zurück. „Das mit den Toren kommt in Weßling jedes Jahr vor“, sagt er. „Man kann ja diskutieren, ob das ein großer Spaß ist, aber immerhin werden die Tore dort abgelegt, wo sie jeder findet.“ Er selbst habe mit diesem Freinacht-Scherz überhaupt kein Problem. 

  ps

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Mit einer neuen Straße soll es klappen
Die Planer präsentieren eine Lösung - demnach soll die Lärmbelästigung am geplanten Feuerwehrhaus in Gilching gemindert werden. 
Mit einer neuen Straße soll es klappen
Wieder bereit für mehr Leben am Bach
Der Platz an der Mühlstraße in Inning wurde umgestaltet und lädt nun zum Verweilen ein. Wenn doch nur auch die Läden alle blieben.
Wieder bereit für mehr Leben am Bach
Zebrastreifen, Parkbucht, Bushalt
Die Hol- und Bring-Zone für die Grundschule Söcking und den Maria-Kempter-Kindergarten soll grundsätzlich neu geregelt werden. Das hat Auswirkungen auf den Verkehr auf …
Zebrastreifen, Parkbucht, Bushalt
Mehr als nur eine Lebensmittelausgabe
Seit 20 Jahren setzen sich die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Starnberger Tafel für bedürftige Menschen ein. Neben der Lebensmittelausgabe ist auch das Zuhören eine …
Mehr als nur eine Lebensmittelausgabe

Kommentare