+
Podiumsdiskussion in Weßling: Klaus Ebbinghaus (SPD/Freie), Sebastian Grünwald (Grüne), Andreas Lechermann (CSU), Roland von Rebay (parteilos), Michael Sturm (FW) und Moderator Dieter Oberg (v.l.).

Kommunalwahl 2020

Fünf Anwärter auf das Bürgermeisteramt, die sich einig sind

Die Weßlinger Bürgermeisterkandidaten stellten sich in freidlicher Runde den Fragen zu Weßlings Zukunft. Doch bei manchen Themen war man sich uneins.

Weßling – So viele Menschen sind in Weßlings Pfarrstadel selten: Im randvollen Saal stellten sich die Bürgermeisterkandidaten Michael Sturm (FW), Roland von Rebay (parteilos), Andreas Lechermann (CSU), Sebastian Grünwald (Grüne) und Klaus Ebbinghaus (SPD/Freie) am Mittwoch in einer Podiumsdiskussion Fragen rund um die Kommunalpolitik. Unter den Konkurrenten auf der Bühne herrschte weitgehend Einigkeit – auch bei den politischen Vorgehensweisen schienen sie sich nur stellenweise voneinander abzuheben. Veranstalter waren der Verein „Unser Dorf“ und die Agendagruppe „Ortsgestaltung und Verkehr“, die Moderation übernahm Dieter Oberg.

Kommunalwahl 2020 in Bayern: Vision 2030

In zehn Jahren könnte Weßling um weitere 600 Bürger auf 6100 Einwohner anwachsen und die Bodenpreise auf 2000 Euro pro Quadratmeter steigen, prophezeite Prof. Roland Dieterle vom Ortsbildbeirat. „Wer kann sich in Zukunft leisten, bei uns zu wohnen?“ Ebbinghaus forderte ein Genossenschaftsmodell. Lechermann sprach von mehr Innenverdichtung, von Rebay wollte sich auf die die Bauförderung und die 171 freien Bauplätze konzentrieren. Sturm verwies auf das Kommunalunternehmen, das kostengünstig sozialen Wohnraum bauen könnte.

Kommunalwahl 2020 in Bayern: Die Finanzierung der Infrastruktur

„Gauting und Gilching sind keine Entfernung zu Weßling, und viele werden hier ihr Zuhause suchen“, sagte Sturm und sprach sich gegen das geplante Gewerbegebiet im Unterbrunner Holz aus. Er will in Weßling kleinere Firmen ansiedeln. Von Rebay dachte an einen Mix aus Dienstleistern, Handwerkern und Technologieunternehmen. Lechermann wollte sich mit der großen Politik an einen Tisch setzen, damit die Gemeinde wieder mehr Einfluss auf die Bebauung des Flughafens erhält. Grünwald wandte den Fokus auf die Mobilität der Pendler und Ebbinghaus erinnerte an den Bahnhof, der in Weichselbaum entstehen sollte.

Kommunalwahl 2020 in Bayern: Braucht Weßling einen Masterplan?

„Unbedingt“, waren sich alle einig und betonten aus einem Munde die Notwendigkeit der Bürgerbeteiligung. Von Rebay fügte noch die „Wahrung der Identität“ der einzelnen Ortsteile hinzu. Sturm erinnerte daran, dass ein Masterplan für die Bebauung nur mit der Einwilligung der Grundstückseigentümer umsetzbar sei. „Eigentümer, Nachbarschaft, Bevölkerung und die Gemeinde“ müssten einen Dialog führen, sagte er.

Aus dem Publikum kam die Frage, wie man den Dorfcharakter erhalten könne. Dieser müsste für jeden Bereich und Ortsteil definiert werden, da waren sich die Kandidaten einig. Lechermann bekam Applaus für die Anmerkung, dass auch das Ehrenamt den dörflichen Charakter ausmache. Aus dem Bereich rund um die Hauptstraße könne kein Dorf mehr werden, aber „wir brauchen ein homogenes Bild“, fand Ebbinghaus.

Grünwald befürwortete Verdichtung an dieser Stelle, denn „wir werden älter“ und Senioren bräuchten kurze Fußwege. Lechermann sorgte sich um den See, der verlandet, und wollte das Bahnhofsareal kaufen, von Rebay „langfristig den Bebauungsplan mit Bürgern und dem Ortsbildbeirat anpassen“. Sturm verwies auf die Gemeindefläche zwischen Tierladen und Maibaum, die etwa für Nahversorgung genutzt werden könnte, statt darauf zu warten, dass die Grundstückseigentümer beim Bahnhof ihr Areal dafür freigeben. Am Bahnhof sollte die Gemeinde „einfach selber einen Lift bauen“, sagte Lechermann bezüglich des zögerlichen barrierefreien Ausbaus. Von Rebay wollte das Personalproblem durch eine Zusammenlegung der gemeindlichen Kindergärten in den Griff bekommen.

Kommunalwahl 2020 in Bayern: Klimawandel und Energiewende

Das Ausrufen des Klimanotstands sah einzig Grünwald als adäquates Mittel gegen den Raubbau an der Natur, dazu PV-Anlagen und Förderungen oder ein Bürgersolarkraftwerk auf gemeindlicher Fläche. Sturm brachte ein Blockheizkraftwerk ins Spiel. Lechermann setzte unter anderem auf ein Nahwärmenetz und Ebbinghaus auf technische Beratung, er kann sich Windkraft vorstellen.

Kommunalwahl 2020 in Bayern: Und der Verkehr?

„Haltestellen verkürzen“ (Ebbinghaus), „Bürgerbus und die dringend notwendige Rückstufung der Gautinger Straße in eine Gemeindestraße anschieben“ (von Rebay), „Alltag um den Nahverkehr herum bauen“ (Grünwald), „funktionierende Radwege und Bushäuschen“ (Sturm) – das waren die Szenarien.

„Wie unterscheiden Sie sich von den anderen Kandidaten?“, wollten schließlich noch die Zuschauer wissen. Unternehmer Sturm führte die Erfahrung von 18 Jahren im Gemeinderat und sechs Jahren als Vizebürgermeister an. „Ich habe viele Themen in der Verwaltung erlebt und bearbeitet.“ Von Rebay verwies auf seine Expertise als Unternehmensberater. „Ich weiß, wie ich Projekte umsetzte.“ Lechermann sah sich „gut vorbereitet und energievoll“, er sei ehrenamtlich in vielen Vereinen tätig. „Und ich kann sofort loslegen“. Energie bringe er auch mit, sagte Grünwald als jüngster der Runde. „Als IT-Projektleiter weiß ich, wie man ein Team führt und bringe eine neue Denkart in der Digitalisierung.“ Gebäudemanager Ebbinghaus hob sein Wissen im Ausschreibungsrecht hervor. „Das ist eine Hürde, die viele Projekte mehr verhindert als befördert.“

Michèle Kirner

Alles Wissenswerte zur Bürgermeisterwahl 2020 im Landkreis Starnberg finden Sie hier.

Auch für die Landratswahl 2020 im Landkreis Starnberg haben wir einen Überblick für Sie zusammengestellt.

Wann ist überhaupt Kommunalwahl 2020 in Bayern und wie wird gewählt? Ein Überblick.

Auch interessant

Kommentare