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Im fliegenden Labor zur Klimaneutralität: Maschine mit Elektromotor wird am DLR entwickelt

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Von: Tobias Gmach

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Die auffällig lackierte Do 228 mit der Kennung D-CEFD wurde nun von General Atomics AeroTec Systems an das DLR ausgeliefert.
Die auffällig lackierte Do 228 mit der Kennung D-CEFD wurde nun von General Atomics AeroTec Systems an das DLR ausgeliefert. © General Atomics

Fliegen, ohne dem Klima zu schaden: Ein Forschungsprojekt am Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt soll es möglich machen – genau gesagt ein effizienter Elektroantrieb in einer umgebauten Dornier-Maschine. Den ersten Test in der Luft peilen die Forscher Mitte des Jahrzehnts an.

Oberpfaffenhofen – Noch hat die Do 228 keinen Elektromotor – einzigartig ist sie trotzdem schon: Das Heck der generalüberholten Propellermaschine sticht orange-grün-blau-lackiert ins Auge. Und drauf steht in Großbuchstaben: „Electric Flight Demonstrator.“ Dieser Tage lieferte das Luftfahrtunternehmen General Atomics AeroTec Systems das Flugzeug an das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) aus. Der Weg war kurz, die Projektpartner haben beide einen Sitz in Oberpfaffenhofen. Ihr Projekt: einen der beiden konventionellen Antriebsstränge der Do 228 durch einen elektrischen mit 600 Kilowatt und Flüssigwasserstoff betriebenen ersetzen.

Beteiligt ist außerdem MTU Aero Engines, laut aktueller Pressemitteilung Deutschlands führender Triebwerkhersteller aus München. Darin wird Barnaby Law, Chef-Ingenieur bei MTU, mit den Worten zitiert: „Ein Flüssigwasserstoff- und Brennstoffzellensystem kann Flugzeuge der Zukunft antreiben und verursacht mit Ausnahme von Wasser keine Emissionen. Und das genau ist unser Ziel: null Emissionen.“ Ein weiterer Vorteil: Der Wirkungsgrad bei Brennstoffzellen ist hoch.

Den symbolischen Schlüssel übergab General-Atomics-Geschäftsführer Erik Bollen (l.) an Dr. Burkard Wigger, Leiter der DLR-Einrichtung Flugexperimente.
Den symbolischen Schlüssel übergab General-Atomics-Geschäftsführer Erik Bollen (l.) an Dr. Burkard Wigger, Leiter der DLR-Einrichtung Flugexperimente. © General Atomics

Zunächst sollen im Forschungsflugzeug einzelne Systemkomponenten getestet werden. Das geschieht noch am Boden. Erst wenn die Maschine komplett modifiziert ist, soll sie abheben. Die Forscher peilen den Erstflug Mitte des Jahrzehnts an. Denn der Umbau ist aufwendig. Das linksseitige sogenannte Turboprop-Triebwerk wird entfernt und durch den Elektromotor ersetzt. Im Rumpf des Flugzeugs werden die Brennstoffzellen untergebracht. Dort befindet sich dann auch ein Tank, der den nötigen Wasserstoff für den Betrieb der Zellen bereitstellt. Letztere sind (eben bis auf Wasser) emissionsfrei, erzeugen allerdings viel Wärme. Darum ist die Entwicklung eines effizienten Kühlsystems entscheidend.

„Das neue Forschungsflugzeug macht es möglich, unterschiedlichste Komponenten und ganze Antriebssysteme detailliert unter realen Betriebsbedingungen zu erproben“, schwärmen die Unternehmen in der gemeinsamen Mitteilung. Insgesamt werden rund 180 Experten in das Projekt „Fliegendes Labor“ involviert sein.

Rund 180 Experten in Projekt „Fliegendes Labor“ involviert

Die Beschaffung der Maschine, deren kompletter Name „Do 228 D-CEFD“ lautet, bezuschusst das Bayerische Ministeriums für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie anteilig. Die geplanten Forschungsarbeiten werden durch Förderprojekte im Luftfahrtforschungspro-gramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie und ebenfalls durch Zuschüsse des Bayerischen Wirtschaftsministeriums finanziert. Aber das reicht noch nicht: „Weitere Förderanträge sind beantragt und in Bearbeitung“, heißt es in der Mitteilung.

Das fliegende Labor soll „einen Beitrag zum Umweltschutz leisten und der Klimakrise entgegenwirken“. In diesem Dienst sieht Harald Robl, Hauptgeschäftsführer der General Atomics AeroTec Systems, den Typ Do 228 schon länger. Er berichtet: „Unser Flugzeug ist bereits weltweit im Einsatz, um Länder vor Verschmutzung ihrer Küsten mittels präziser Aufklärungs- und Überwachungstechnologie zu schützen.“

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