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Einer der Durchlässe entlang der Weßlinger Umfahrung. 

Umgehung Weßling

Frösche ein Fall für den Anwalt

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An die 800 000 Euro wurden für den Natur-, vor allem aber den Amphibienschutz entlang der Weßlinger Umfahrung ausgegeben. Für Maßnahmen, die noch nicht im gewünschten Maß greifen. Die Gemeinde Weßling will nun einen Juristen einschalten.

Weßling – Ratlosigkeit und auch ein bisschen Entsetzen herrschten am Dienstagabend bei den Mitgliedern des Weßlinger Umweltausschusses nach dem Vortrag von Daniela Brombach aus Wörthsee. Mit alkalischem Wasser gefüllte Durchlässe, zu steile Böschungen, zu niedrige Wegweiser in die Tunnel, am Beton festklebende Frösche: Brombach sprach von verheerenden Zuständen entlang der Weßlinger Umfahrung zu Zeiten der Amphibienwanderung. Auf ihrer Website www.amphibien-new.de zeigt sie dazu bedrückende Bilder.

Die Zahlen der Amphibien, die auf ihrem Weg in die Laichgewässer die Umfahrung unterqueren, also die Durchlässe finden, seien schlecht, „die Quote liegt im einstelligen Bereich, müsste aber 75 Prozent betragen“, sagte Brombach. In einer Nacht seien an die 700 Tiere gezählt worden, nur 30 seien am anderen Ende herausgekommen. In vier bis sechs Wochen wanderten die Hüpferlinge, also die Jungtiere, zurück, das Staatliche Bauamt Weilheim jedoch halte beispielsweise sein Versprechen, den Beton zu hydrophobieren, nicht ein. Dabei wird der Beton so behandelt, dass die Amphibien dort nicht mehr kleben bleiben.

Als „erhellend, erschütternd und skandalös“, bezeichnete Peter Weiß (FW) die Sachlage und forderte, dass das Staatliche Bauamt in einer Gemeinderatssitzung Stellung nimmt. Clemens Pollok (Grüne) schlug vor, rechtliche Schritte einzuleiten. „Denn schließlich wurden da Leistungen, für die wir gezahlt haben, nicht erbracht.“ Nach einigem Hin und Her beschloss das Gremium, den Juristen der Gemeinde hinzuzuziehen und mit einem Schreiben an das Bauamt zu beauftragen. Zugleich soll die Behörde aufgefordert werden, die Hüpferlinge mittels Zaun am Beton vorbeizuführen und die insgesamt 42 Durchlässe so instand zu setzen, dass sie funktionieren.

Der Biologe Hans-Jürgen Gruber war schon vor 20 Jahren mit dem Thema Umfahrung befasst und arbeitet seit vielen Jahren mit dem Staatlichen Bauamt Weilheim zusammen. Auch in der Nacht auf Mittwoch war der 63-Jährige bis in der Früh unterwegs, hat Tiere gezählt und kontrolliert. „Ja, die Zahlen belegen eine noch nicht akzeptable Akzeptanz“, sagt er. Allerdings beobachtet er bei den Naturschützern auch eine „starke Emotionalität“. Oftmals fehle es an Geduld bei der Beobachtung der Tiere entlang der Umfahrung. An allen Problemstellen – von der Böschung über die vollgelaufene Durchlässe bis hin zu den zu tief verbauten Wegweisern am Anfang der Tunnel – arbeite das Staatliche Bauamt mit Hochdruck. Die Hydrophobierung werde vorgenommen, sobald das Wetter es erlaube, es also warm und trocken sei. „Und wenn das nicht gelingt, bauen wir einen Zaun“, verspricht er. Dass der Amphibienschutz an der Umfahrung greift, sei auch in seinem Interesse als Naturschützer. „Ich werde nicht zulassen, dass es am Ende heißt, das taugt alles nichts.“ Das Problem mit dem Beton allerdings erfüllt ihn mit Sorge. Denn auch schon andernorts wurden Straßen in Laichgebieten in dieser Art verbaut – aber nicht in dem Ausmaß wie in Weßling kontrolliert. „Wenn wir Pech haben, ist dies die Spitze eines Eisbergs“, sagt er.

Christian Probst vom Staatlichen Bauamt Weilheim verwies gestern auf die intensive Zusammenarbeit mit der Gemeinde Weßling und auch den Naturschützern. „Da gibt es viele Ansichten darüber, was richtig und falsch ist. Aber es macht mehr Sinn, an einem Strang zu ziehen.“

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