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Sie sind nicht das Problem und legen Wert darauf, das klarzustellen: Dario Langmann (vorn) und weitere Weßlinger Jugendliche bei der Sitzung des Weßlinger Gemeinderats.

Jugendliche aus Weßling wehren sich gegen Vorwürfe

„Wir sind nicht die, die randalieren“

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Weßling - Die Jugendlichen fühlen sich verunglimpft, die Anwohner im Stich gelassen: In der Sitzung am Dienstag fanden Weßlings Gemeinderäte zum Thema Sicherheitsdienst für den Weßlinger See dennoch zu keiner klaren Entscheidung. Dafür zeigten die Jugendlichen auf bemerkenswerte Weise Flagge.

Horden grölender Menschen, Müll, laute Musik bis in die Morgenstunden: Wohnen am Weßlinger See kann strapaziös sein, vor allem in warmen Nächten. 130 Anlieger haben eine Unterschriftenliste unterzeichnet, in der das „Aktionsbündnis Weßlinger See“ auf die Missstände hinweist, eine Ausweitung der alten Satzung sowie das Engagement eines Sicherheitsdienstes fordert (wir berichteten).

In Zusammenarbeit mit den Gemeinderäten Michael Sturm und Roland von Rebay erarbeiteten die Anwohner auch bereits eine Satzungsänderung. Bürgermeister Michael Muther schlug am Dienstag außerdem die Einstellung eines Wachdienstes vor, der das Gespräch mit den nächtlichen Ruhestörern suchen soll – „das sind aber keine Sheriffs mit Schlagstock“. In der Sitzung stieß er damit trotzdem auf mehr Kritik als Zustimmung. Das Gremium einigte sich schließlich darauf, den Hauptausschuss mit Prüfung der Satzungsänderung zu beauftragen und auch zwei Sicherheitsfirmen zumindest mal anzuhören.

Bevor die Sitzung begann, stand Dario Langmann auf. Der 17-jährige Weßlinger erhob stellvertretend für die Jugend in Weßling das Wort. „Wir wollen zeigen, dass uns das Thema nicht egal ist“, sagte er. Und: „Wir sind nicht die Jugendlichen, um die es geht. Wir wollen niemanden stören.“ In Weßling könne die Jugend nirgendwo hin, das Durchschnittsalter im Jugendhaus betrage 23 Jahre. „Über uns hat sie noch nie jemand beschwert. Wir sind nicht die, die randalieren.“ Für das Statement gab es viel Applaus.

Auch Gerda Adelberg, eine der Sprecherinnen des Aktionsbündnis Weßlinger See, fand den Einsatz der Jugendlichen „sehr lobenswert“. Sie bedauerte gestern allerdings, dass die Belange der Anlieger dadurch irgendwie unter den Tisch gefallen seien. Denn nach Dario Langmanns Auftritt ging es im Gremium lange um das Verständnis für die Jugend. Petra Slawisch (Grüne) etwa schlug vor „einen Streetworker zu engagieren, der an die Vernunft appelliert“. Und Susanne Mörtl (SPD) sagte: „Von mir aus gibt es kein Geld für die temporäre Verlagerung eines gesamtgesellschaftlichen Problems. Für Lärmbelästigung gibt es andere Konzepte.“ Clemens Pollok (Grüne) wollte einem Sicherheitsdienst nur zustimmen, „wenn wir unsere Resilienz wieder vergrößern, parallel so etwas wie Weßlinger Stärke entwickeln“.

Die Kosten für einen Sicherheitsdienst hatte Muther zuvor auf etwa 20 000 Euro beziffert – für 900 Stunden Einsatz im Jahr. Er änderte schließlich den Beschlussvorschlag. Statt einen Grundsatzbeschluss für oder gegen die Verpflichtung eines Sicherheitsdienstes zu treffen, wanderte das Thema zurück in den Hauptausschuss.

Unverständlich ist das für die Anlieger. „Wir haben auf eine schnelle Lösung gehofft“, sagte Adelberg. Sie wohnt seit 2010 am See, seit 40 Jahren in Weßling. Die Zustände hätten sich in den vergangenen drei Jahren extrem verschlechtert. „Den Menschen fehlt es an Respekt auch vor älteren – und ich weiß, dass auch unsere Jugend sich manchmal nicht in Nähe der Gruppen traut.“ Jeder solle den See genießen können, „aber nicht mit Beschallung aller bis in die Morgenstunden“.

Die Anlieger setzen nun auf die Satzungsänderung. Die neue Satzung soll für das ganze Seeufer und alle Plätze gelten, auf denen es zu Gelagen kommt. Ein Alkoholverbot von 22 bis 7 Uhr lässt sich jedoch nicht durchsetzen. „Dazu sind die Vorfälle laut Polizei nicht dramatisch genug“, erklärte Muther. „Uns wäre aber schon geholfen, wenn – wie von uns in der Satzung formuliert – nur mit Kopfhörern Musik gehört werden darf“, erklärt Adelberg. Sie glaubt nicht, dass sich die Gemeinde für einen Sicherheitsdienst entscheidet – „obwohl Gemeinden wie Herrsching und Germering damit positive Erfahrungen machen“.

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