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Der Kammmolch ist selten geworden. Den wenigen noch vorhandenen Exemplare in Weßling erschwert die Umfahrung das Leben. Sie können mit dem Tunnelsystem (Bild unten) offenkundig nichts anfangen.

Umfahrung Weßling

Kammmolch fehlt der Tunnelblick

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Ob die Weßlinger Umfahrung die erhoffte Entlastung für die Hauptstraße bringt, muss sich noch zeigen. Für Naturschützer ist aber jetzt schon klar: Die für viel Geld gebauten Tunneldurchlässe für Amphibien, das so genannte Amphibien-Leitsystem, funktionieren nicht, wie erhofft, jedenfalls noch nicht.

Weßling – „Wir stehen fassungslos da.“ Dr. Helene Falk von der Geschäftsstelle des Bund Naturschutz, Kreisgruppe Starnberg, ist enttäuscht. In den vergangenen Wochen, als die Amphibien im Landkreis zu ihren Laichplätzen wanderten, haben die Naturschützer entlang der Weßlinger Umfahrung frustrierende Beobachtungen gemacht. Das Straßenbauamt hat zwar 42 Durchlässe gebaut, also Tunnel, durch die Frösche, Kröten und Molche die Fahrbahn unterqueren können. Diese werden von den Tieren offensichtlich aber nicht genutzt. „Wir können es uns nicht erklären. Aber die Kammmolche beispielsweise laufen nur an der Straßenkante entlang auf und ab und trocken dort aus“, sagt Falk. „Es treibt uns alle um.“ Hunderte Tiere haben Falk und ihre Mitstreiter also auch in diesem Jahr über die Umfahrung getragen. Wie groß der Schaden an den Populationen insgesamt ist, lässt sich nicht sagen.

Umsiedeln ist keine Lösung

Warum die Tiere die Tunnel nicht nutzen, ist auch der Biologin Falk ein Rätsel. „Vielleicht stimmt die Ausrichtung nicht“, überlegt sie. Die Amphibien sind im Allgemeinen schnurstracks in Richtung Laichgewässer am Golfplatz unterwegs. Wie sie navigieren, darüber gehen die Meinungen auseinander. „Eine Rolle spielen der Magnetsinn, der Sternenhimmel, die Landschaft und auch der Geruch des Laichgewässers“, erklärt Falk. Umsiedeln kann man die Tiere nicht: In fremden Gebieten verlieren sie die Orientierung. Daher sind die vier vom Straßenbauamt eingerichteten Ersatzlaichgewäser für die bestehenden Populationen derzeit keine Hilfe.

Bei näherem Hinsehen müssen die Amphibien allerdings auch an einigen Stellen eine ziemliche Kraftanstrengung leisten, um überhaupt in Richtung Tunnel zu kommen. Zum Teil geht es einen mit Steinen verbauten Hang hinab und nach dem Tunnel auch wieder wieder steil hinauf. „Das angestrebte Laichgewässer dürfte vom Tunnel aus auch nicht wahrzunehmen sein“, schätzt Falk. Vor dem Bau der Straße bewegte sich die Amphibienwanderung topografisch auf einer Höhe. Falk kann sich an einen Moment der Bauzeit, Frühjahr 2016, erinnern: „Plötzlich waren da tausende von kleinen Hüpferlingen, die über die Baustelle wollten. Wir haben Hunderte rübergetragen.“

Population ist bedroht

Schon die Bauzeit sei also schwierig gewesen, und im Frühjahr zuvor hätten in dem Bereich massive Fällungen stattgefunden. „Ein, zwei schwere Jahre halten Populationen aus. Aber das ist nun schon das dritte Jahr, in dem es vermutlich hohe Verluste gibt“, sagt Falk. Dabei zählt ausgerechnet das Gebiet rund um Weßling bis nach Wörthsee zu den wenigen Stellen im Landkreis, an denen der selten gewordene Kammmolch zu Hause ist. Vertreten sind dort auch Laubfrösche, Bergmolche, Teilchmolche und Springfrösche.

Das Staatliche Bauamt Weilheim macht erst im kommenden Jahr eine offizielle Erhebung, ist aber bereits alarmiert. Auf Anfrage der Naturschutzbehörde wird die Umfahrung derzeit „beobachtet“, wie es Mareike Hoyer vom Staatlichen Bauamt ausdrückt. Wie lange das dauert und wann es dazu Ergebnisse gibt, kann Marika Hoyer nicht sagen. Tatsache ist aber, dass das Staatliche Bauamt ihren Angaben nach an zahlreichen anderen Stellen im Landkreis bereits mit Erfolg Amphibienleitsysteme installiert hat. Hoyer sagt: „Wir haben mehrere Beispiele, wo es funktioniert.“

Ersatztümpel zu aufwendig und teuer

Wie man der Misere beikommen könnte, darüber machen sich die Naturschützer nun ihre Gedanken. „Eventuell könnte man weitere Ersatztümpel anlegen“, überlegt Falk. Das allerdings ist aufwendig und teuer. Und Geld wurde für die Amphibien schon einiges ausgegeben. Allein die Baukosten für das Amphibienleitsystem lagen laut Bauamt bei knapp 700 000 Euro, dazu kommen noch die Kosten für Ausgleichsflächen, provisorische Leitsysteme während der Bauzeit sowie die Begleitung durch ein Umweltfachbüro.

So oder so: Zur nächsten Amphibienwanderung werden Falk und zahlreiche Ehrenamtliche wohl auch wieder entlang der Umfahrung in Sachen Tierrettung unterwegs sein.

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