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Haus Nummer 14 mit Buchsbäumchen: Für das kommende Jahr verspricht der Eigentümer den Neuanstrich.

Umfahrung Weßling

Kampf der Anwohner ist beendet, doch die Zweifel bleiben

Weßling - Wie ist eigentlich die Stimmungslage in Weßling am Tag der Inbetriebnahme der Umfahrung. Der Starnberger Merkur hat sich umgehört.

„Endlich müssen wir nicht mehr kämpfen“, freuen sich Anton und Vera Appel, die vor ihrem Haus Nummer 14 an der Weßlinger Hauptstraße fünf Buchsbäumchen drapieren: „Das ist unser Beitrag zu den Feierlichkeiten“, feixen die beiden, die den gestrigen Tag herbeigesehnt hatten. „Jeder Lkw, der nicht mehr vorbeifährt, ist für uns eine Entlastung.“ 1977 hatte das Paar das Haus gekauft, es zählt zu den ältesten im Ort. Der ehemalige Schulrektor und seine Frau betreiben darin ein Antiquariat.

Als 1967 die Staatsstraße durch den Ort gebaut worden war, hatten schon die Vorbesitzer Grund abtreten müssen. Die Straße rückte näher an das Gebäude, durch Dreck und Abgase wurde es über die Jahre immer grauer. „Das Wasser spritzt 1,50 Meter hoch an die Wand“, berichtet Vera Appel, die zuletzt ein Transparent angebracht hatte. Die Aufschrift: „Wir weißeln unser Haus, sobald die Umgehungsstraße fertig ist.“ Bald ist es soweit: „Im Frühjahr machen wird das“, verspricht Anton Appel. Und seine Frau wünscht sich das Spalier zurück, das lange Jahre das historische Gebäude schmückte.

Doch schon folgt der erste Dämpfer: „Dass ich nicht lache“, sagt ein Weßlinger, der kurz mit seinem Wagen anhält und die Buchsbäumchen betrachtet. Die Umgehungsstraße werde nichts verändern, meint er.

Das befürchtet auch Tobias Aenishänslin, Inhaber des schräg gegenüberliegenden Café am See: „Ich hoffe, dass die Umgehungsstraße was bringt“, sagt er. „Aber ich kann es mir nicht vorstellen.“ Die Autobahn sei jeden Tag dicht. „Ich würde mich nicht in den Stau stellen, da tuckere ich lieber durch den Ort.“ Der Grundgedanke der Umfahrung sei zwar gut, „er ist nur leider nicht zu Ende gedacht“, moniert der Gastwirt, dass Lkw auch in Zukunft durch den Ort fahren dürfen. Für sein Café erwartet Aenishänslin derweil keine Auswirkung. Er lebe von seinen Stammkunden und den Touristen, sagt er.

Haben Staat und Gemeinde also Millionen Euro umsonst ausgegeben? „Ich als Tankstelle wäre nicht traurig darum“, sagt die örtliche Tankstellenpächterin Brigitte Aichinger. Ob sie in Zukunft weniger verdienen wird, wusste sie gestern nicht. „Ich lasse es auf mich zukommen.“ Eine weitere Dame, die an der Hauptstraße eine Gastronomie betreibt, bleibt ebenfalls entspannt: „Wenn ein Kunde ausbleibt, ist Platz für den Nächsten.“ Die Frau hofft aber, dass der Verkehr weniger wird. In der derzeitigen Schlange setze keiner den Blinker, um anzuhalten und einen Kaffee zu trinken. „Der kommt doch nie wieder raus.“  jvr

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