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Kirche Christkönig fast wie neu

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Von: Hanna von Prittwitz

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Großprojekt abgeschlossen: Kirchenpflegerin Brigitte Reichert und Architekt Dr. Klaus Pilz auf der Empore der Kirche Christkönig, die heute wieder geöffnet wird.
Großprojekt abgeschlossen: Kirchenpflegerin Brigitte Reichert und Architekt Dr. Klaus Pilz auf der Empore der Kirche Christkönig, die heute wieder geöffnet wird. ©  Andrea Jaksch

Vor Kurzem noch war der Innenraum der Kirche Christkönig in Weßling eine einzige Baustelle. Doch nun hängt und steht wieder alles an seinem Platz. Mehr als zwei Jahre Sanierung und eine sechsmonatige Schließung liegen hinter dem Gotteshaus. Heute Abend wird es wieder geöffnet.

Weßling – Auf dem Dach der Kirche Christkönig turnen noch Arbeiter herum und erledigen Restarbeiten, das ist aber auch alles: Die Sanierung der Pfarrkirche Christkönig in Weßling ist abgeschlossen. An diesem Freitagabend können die Gläubigen die Kirche bei einer Nacht der Lichter von 19 bis 21.30 Uhr erleben. Und am Sonntag, 21. November, beginnt um 10.30 Uhr ein Festgottesdienst zur Wiedereröffnung. Zuvor, um 10 Uhr, berichtet Architekt Dr. Klaus Pilz darüber, was in den vergangenen sechs Jahren Planung und Bauzeit geschehen ist. Ihm und Kirchenpflegerin Brigitte Reichert ist die Freude über den Abschluss des Projekts anzumerken, das natürlich einige Überraschungen parat hatte.

Pilz kennt sich gut aus, was die Sanierung von alten Gotteshäusern angeht. Seit 1990 war er an zahlreichen Instandsetzungen verschiedener Kirchen im Bistum Augsburg beteiligt. Vornehmlich ging es dabei um unter Denkmalschutz stehende, romanische oder barocke Kirchenbauten. So eine denkmalgeschützte Kirche wie in Weßling, 1937 beauftragt und 1939 eingeweiht, „das war auch für mich eine neue Herausforderung“, sagt er.

Alles begann 2016 mit intensiven Untersuchungen der Gebäudesubstanz. Dach und Deckentragwerk allerdings konnten erst überprüft werden, nachdem die im gesamten Dachraum liegende Mineralfaserdämmung entfernt war. Dann zeigte sich, dass vor allem das halbkegelförmige Dach der Apsis stark unter Feuchtigkeit gelitten hatte. Gar keinen Einblick gewährte die 18 Meter hohe Turmzwiebel, die wegen fehlender Zwischenebenen gar nicht erst begangen werden konnte.

Viel Zeit kostete allein die Frage, wie die Apsis neu gedeckt werden könnte. Denn Formen für die sich nach oben verjüngenden Ziegel existierten längst nicht mehr. Formziegel neu zu entwickeln, „das hätte 100 000 Euro pro Formsatz gekostet, da wären wir schnell bei Kosten von bis zu 1 Million Euro gewesen“, erklärt Pilz. Der Kostenfaktor hätte letztlich auch die Denkmalschutzbehörde und das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege davon überzeugt, auf Kupferblechschalen auszuweichen.

Es gab noch weitere Überraschungen. So wich die aus den Planunterlagen ermittelte Höhe von Kirchenschiff mit Pfarrhaus und Pfarrhof sowie Turmzwiebel um zwei Meter von der Realität ab. Der Auslegearm des Baukrans konnte deshalb nicht frei über dem Turm schwenken. Die Aufstellung eines größeren Krans scheiterte an schlechten Bodenverhältnissen im Aufstellbereich. Schließlich deckte man die Arbeiten an der Turmzwiebel über einen Personen und Materialaufzug ab. Wie es einst überhaupt zu dieser hohen Turmzwiebel kam, bleibt ein Rätsel. „In den ersten Planzeichnungen des Architekten ist sie gar nicht vorgesehen, sondern eher eine gedrungene, fünf Meter hohe Zwiebel“, weiß Pilz. Erst später tauchte die hohe Zwiebel auf. Im Oktober 2019 durften 284 Weßlinger hinauffahren in den Turm, ein Erlebnis. Im Anschluss erfolgte die Neueindeckung des Turms mit Zedernholzschindeln auf einer Gesamtfläche von fast 500 Quadratmetern. Der Specht hatte den alten Schindeln erheblich zugesetzt und unzählige Löcher in die Schindeln gehackt. Die neue, hinterlüftete Konstruktion soll weniger insektenfreundlich sein und somit auch das Nahrungsangebot für den Specht verschlechtern.

Ende 2019 war auch die Abdeckung der Apsis weitgehend abgeschlossen. Zurücklehnen konnten sich die Beteiligten noch lange nicht. „Für Überraschungen sorgte während der ganzen Zeit der Außenputz“, erzählt Pilz. Überall befanden sich Hohlstellen. „Das war wohl vor allem auf die Materialknappheit beim Bau in den Vorkriegsjahren zurückzuführen.“ Im Frühjahr 2020 schließlich wurde neu verputzt.

Dann begann die Pandemie, dabei sollte eigentlich die Erneuerung der Elektroinstallation im Kircheninneren erfolgen. „Es war ohnehin schon schwierig, wegen der Hochkonjunktur Angebote von den Firmen zu erhalten“, sagt Pilz. Im September 2019 hatte das Projektmanagement der Diözese Pilz gebeten, auch Planung und Betreuung der Instandsetzung von Pfarrwohnung und der Verwaltung zu übernehmen. Das sollte bis Ende Oktober 2020 abgeschlossen sein. „Aber dann ist uns aufgefallen, dass die Nutzung des Erdgeschosses als Bürofläche nicht abgedeckt, und die Nutzungsänderung auch nie beantragt worden war.“ Also musste ein Bauantrag her, und in dessen Zuge auch die Neubeurteilung des Brandschutzes. Erst im Oktober konnten die Umbauarbeiten beginnen. Die Sanitär-, Heizungs- und Elektroinstallationen wurden erneuert und überarbeitet, die aus den 70er Jahren stammenden Bäder und WCs umgebaut, alte Holzfußböden abgeschliffen.

Zeitgleich fanden aufwendige Arbeiten im Inneren des Kirchenschiffs statt. Mesner Robert Schmitz und Helfer aus Verwaltung und Pfarrei räumten Heiligenfiguren, Kreuzwegbilder und Seitenaltäre ins Pfarrheim, nur das Altarkreuz blieb stehen. Seit wenigen Tagen erst sind die neu verlegten Leitungen verputzt, ist die Kirche eingerichtet. Wer nun stutzt, weil die Wände dennoch nicht in hellem Weiß erstrahlen: Der Innenanstrich ist nicht zuschussfähig und war daher in dem Projekt nicht enthalten. Ergo mischten die Restauratoren bei den Nachputzarbeiten Schmutz unter die Farbe, damit die Stellen, an denen Leitungen neu verlegt wurden, nicht so grell leuchten. Neben der Elektrik wurde die Lautsprecheranlage erneuert, außerdem gibt es nun eine induktive Höranlage.

Ein bisschen also war das Ganze auch ein Abenteuer, lauscht man den Ausführungen von Architekt Pilz. Reichert ist froh, dass die Kirche wieder geöffnet ist. Zwar hätten in den Dorfkirchen ringsum Gottesdienste stattgefunden, „aber viele Menschen sind nicht so mobil, und die Kirchen sind kleiner“. In der Christkönig-Kirche ist nun wieder mehr Platz. „Ich hoffe sehr, dass sie sich trauen und zurückkehren.“

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