+
Entlang der Weßlinger Umfahrung werden Amphibien gezählt. Dafür wurden im Februar Eimer aufgestellt.

Naturschutz

Amphibien-Eimer in der Diskussion

Streit um Amphibien. Die Krötenzählung bei der Weßlinger Umfahrung steht mächtig in der Kritik.

Weßling – Ertrinken die Amphibien in den Fangeimern entlang Weßlings Umfahrung, die im Februar für eine Zählung aufgestellt wurden? Ja, sagten Dr. Gerhild Schenck-Heuck vom Bund Naturschutz und Tierschützerin Daniela Brombach im Rahmen der Bürgerfragestunde im Weßlinger Gemeinderat am Dienstag. Nein, widerspricht Diplom-Biologe Bahram Gharadjedaghi von der Münchner Firma GFN, die für die sogenannte Akzeptanzkontrolle verantwortlich ist.

Zugegeben: Das Foto schaut wild aus, auf dem die Tiere in dem Baumarkt-Eimer übereinandergestapelt darauf warten, gezählt und mit einer Nummer markiert zu werden. Brombach ist entsetzt. Ihrer Aussage nach wandern die Amphibien ab 19 Uhr aus ihrem Nachtlager in Richtung Laichgewässer auf der gegenüberliegenden Straßenseite. „Um 20 Uhr sind die Eimer voll.“ Sie habe beobachtet, dass sich in einem Eimer in Hochzeiten 70 bis 80 Tiere sammelten. „Ein Kammermolch hat sich auf den Rücken gedreht und ist erstickt.“ Einen Springfrosch habe das gleiche Schicksal ereilt. Auch das Wasser sei viele Tage alt und stinke.

Gharadjedaghi dementiert im Gespräch mit dem Starnberger Merkur: „Das Wasser wird regelmäßig ausgeleert, wir haben nicht eine tote Amphibie in den Fangeimern gefunden. Die Tiere ziehen jetzt vom Überwinterungsgebiet ins Laichgebiet.“

Im Zuge der Akzeptanzkontrolle soll herausgefunden werden, welche Durchlässe die Tiere benutzen. So sollen Defizite festgestellt und ausgebessert werden. Dazu wurde entlang der Staatsstraße ein Amphibienzaun aufgestellt, über den die Frösche, Lurche und Molche in Eimer geleitet werden (wir berichteten).

Ab 7 Uhr morgens werden sie aus den Eimern genommen, mit einer Nummer versehen und hinter dem Zaun wieder herausgelassen. Von dort aus suchen sie sich einen Tunnel und werden auf der anderen Straßenseite erneut aufgefangen. Auf diese Weise könne man sehen, welche Durchlässe von welchem Tier und zu welchem Zeitpunkt genutzt werden, sagt der Biologe.

Die Sorge der Tierschützer, dass die Erdkröte andere Amphibien durch ihre giftige Haut vergiftet, teilt er nicht. „In der Natur sind die Tiere auch durcheinander im Laichgewässer.“ Den Vorwurf, dass die Eimer zu spät geleert werden, will er auch nicht stehenlassen. „Eine Nacht können die schon drin bleiben.“ Danach seien manche zwar etwas gelähmt, weil Kaltblüter die Temperatur der Nacht annähmen. Und aufgedunsen – die Springfrösche seien voller Laich.

Laut Raphael Zuber vom Staatlichen Bauamt Weilheim sollten die Eimer um die Mittagszeit geleert sein. „Wenn sie sehr voll sind, fordert das Team Unterstützung an.“ Die nach wie vor ausgetrockneten Laichgewässer rechtfertigt Zuber damit, dass diese erst nach der Kälteperiode hergerichtet werden konnten. „Wir haben keine Firma mehr dafür gefunden.“ Das vom Bund Naturschutz vorgeschlagene Unternehqmen sei kurzfristig abgesprungen.

Von Michèle Kirner

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Damit der Boden für den B2-Tunnel fest wird: So funktioniert das Düsenstrahlverfahren
Für den Bau des B2-Tunnels sind komplexe Maßnahmen nötig. Eine davon: das Düsenstrahlverfahren. Wie es funktioniert und was tief in der Erde passiert, hat das Bauamt …
Damit der Boden für den B2-Tunnel fest wird: So funktioniert das Düsenstrahlverfahren
Polizei sucht Zeugen für wilde Schleuderpartie
Im Baustellenbereich am Autobahndreieck Starnberg hat ein Autofahrer ein Trümmerfeld hinterlassen - er fuhr Baken um und rutschte auf einer Wand entlang. Warum? Die …
Polizei sucht Zeugen für wilde Schleuderpartie
Mehr Missbrauchsvorwürfe als gedacht: Polizist aus Tutzing gesteht
Die Missbrauchsvorwürfe gegen einen 58 Jahren alten Polizisten und Feuerwehrmann aus Tutzing sind offenbar umfangreicher als bisher bekannt. „Er ist kooperativ und weiß, …
Mehr Missbrauchsvorwürfe als gedacht: Polizist aus Tutzing gesteht
Motorradfahrer kracht in Pkw
Die Ausfahrt mit dem Bike endete tragisch: Ein junger Motorradfahrer ist bei Gauting in einen Wagen gekracht und schwer verletzt worden. 
Motorradfahrer kracht in Pkw

Kommentare