Wieder fröhlich beieinander: In die Tagespflege ist so etwas wie Alltag zurückgekehrt. Nun mit mehr Platz.
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Wieder fröhlich beieinander: In die Tagespflege ist so etwas wie Alltag zurückgekehrt. Nun mit mehr Platz.

Tagespflege

Mehr Platz und wieder Freude im Haus

Die Nachbarschaftshilfe Weßling freut sich über mehr Platz: Tagespflege kann vier Patienten mehr betreuen.

Weßling – Schweren Herzens mussten Julia Hager (48) und das sechsköpfige Team regelmäßig Patienten für die Tagespflege bei der Nachbarschaftshilfe Weßling ablehnen. Denn in die 60-Quadratmeter-Wohnung am Höhenrainäcker passten maximal sechs Gäste. Seit einer Woche ist die Kapazität fast doppelt so groß: Nach Umbaumaßnahmen können nun zehn beziehungsweise derzeit pandemiebedingt acht Besucher betreut werden, freut sich die stellvertretende Pflegeleiterin. Dabei hatte das Jahr für die Betreuer und ihre Patienten nicht gerade gut begonnen, erzählt die Krankenschwester.

Erst kam die Pandemie, dann erreichte das Team die Nachricht, dass der Bau der neuen Tagespflege an der Hauptstraße nicht klappt (wir berichteten). Im Mai aber kam ihnen der Zufall zur Hilfe, als die Nachbarwohnung der Tagespflege frei wurde. Mit einem Durchbruch konnte die Räumlichkeit von zwei auf vier Zimmer und auf 120 Quadratmeter erweitert werden. Unterstützt von Bürgermeister Michael Sturm übernahm die 48-Jährige die Projektleitung. „Ein sehr komplexes Projekt“, erinnert sie sich.

Ehrenamtlich hatte Stefan Troberg die Bauleitung übernommen. Auch die Zusammenarbeit mit dem Vermieter vom Verband Wohnen, Handwerkern, Gemeinde und dem Pflegeteam habe hervorragend geklappt, sagt Julia Hager. Der Ausbau ist der Höhepunkt des Jahres, in dem „uns der Lockdown hart getroffen hat“, sagt Hager. Ende März mussten die Senioren von einem Tag auf den anderen zu Hause bleiben. Erschwerend hinzu kam, dass einige zu Hause von 24-Stunden-Pflegekräften betreut werden. Meistens aus Polen, die von dort nicht mehr außer Landes durften, schildert Juli Hager das Drama. Von jetzt auf gleich konnten sie ihrer Aufgabe nicht mehr nachgehen, deren Schwerpunkt seit 30 Jahren neben der pflegerischen Versorgung darin liege, den Menschen ein behütetes Umfeld zu schenken. „Gut geschützt haben wir die Menschen trotzdem besucht“, erzählt Julia Hager. Telefonate und Briefe konnten den persönlichen Kontakt nämlich nicht ersetzen. Als die Tagespflege im Juni mit kleineren Gruppen wieder öffnete, hatten „manche geistig und körperlich sichtlich abgebaut“. Unter Sicherheitsvorkehrungen wie ein Schnelltest für die Betreuer ist mittlerweile in der Tagespflege der Alltag wieder eingekehrt.

Allerdings bergen Masken ein Problem, denn oft könnten die Senioren sie nicht verstehen. „Erst haben wir die Batterien der Hörgeräte ausgetauscht.“ Und stellten fest, dass die Hörgeschädigten unterstützend Lippen lesen, was mit der Maske davor schwerlich möglich ist.

Positiv steht Julia Hager der Impfung gegenüber. „Hier wollen sich alle impfen lassen“, weiß sie. Gegen einen zweiten Lockdown hingegen würden „wir uns mit allen Mitteln wehren“, versichert sie. Weil noch Einrichtungsgegenstände fehlen, wird um Spenden gebeten an den Träger der Tagespflege, die Nachbarschaftshilfe Weßling, Hochstadt, Oberpfaffenhofen, IBAN DE33 7009 3200 0103 5614 610, bei der VR Bank STA-HG-LL. Verwendungszweck: Tagespflege. Michèle Kirner

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