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Vom Klassenzimmer zur Natur: Horst Guckelsberger war bis 2002 Lehrer im Gymnasium Starnberg. Im Landkreis bekannt ist er aber vor allem als Kreisvorsitzender des Landesbundes für Vogelschutz. 

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Der Natur-Beschützer: Horst Guckelsberger wird 80

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Bis 2002 war Horst Guckelsberger Lehrer am Gymnasium in Starnberg. In erster Linie aber und bis heute ist der Kreisvorsitzende des Landesbunds für Vogelschutz (LBV) engagierter Naturschützer. An diesem Dienstag feiert Guckelsberger seinen 80. Geburtstag.

Weßling – Mit dem Fotoapparat in der Hand umkreist Horst Guckelsberger einen alten Baum am Straßenrand zwischen Widdersberg und Frieding. Es ist Frühling, ein Sonntagmorgen. Er schüttelt den Kopf. „Die Straße ist einfach zu nah dran an diesem Baum“, sagt er. Im Winter sei die Hälfte der Baumkrone weggebrochen. Bei einer der nächsten naturschutzkundlichen Wanderungen wird Guckelsberger Bilder des Baumes zeigen und erklären, warum diese alleinstehenden Solitäre so wichtig und prägend für unsere Landschaft sind. Denn wenn es etwas gibt, das er sich von Herzen wünscht zu seinem 80. Geburtstag, dann ist dies das Bewusstsein der Menschen für den Schatz Natur. Diese versucht er zu behüten und zu retten – seit mehr als 20 Jahren schon.

Geboren wurde Guckelsberger im Berchtesgadener Land. „Ich hatte eine glückliche Kindheit, die von einer sehr schönen Natur geprägt war“, sagt er. Dies sei auch ein Grund gewesen, weshalb er noch während seiner Zeit als Lehrer für Mathematik und Physik am Gymnasium Starnberg zum Naturschützer geworden sei. Den entscheidenden Impuls habe Mitte der 80er Jahre die Lektüre des Buchs „Grün kaputt“ von Dieter Wieland über die Landschaft und Gärten der Deutschen gegeben. „Das ist ein wichtiges Buch, auch heute noch“, findet Guckelsberger. Thema: der Verfall der alten Baukultur- und -weisen, der Umgang mit der Natur im Allgemeinen sowie der Umgang der Gesellschaft mit dem eigenen, unmittelbaren Lebensraum im Besonderen. Aufgerüttelt stürzte sich Guckelsberger zwölf Jahre vor seiner Pensionierung in die ehrenamtliche Arbeit beim LBV.

Das internationale Ramsar-Abkommen (1971) zum Schutz der Wasservögel war damals 20 Jahren alt. „Ich habe gesehen, dass das am Starnberger See nicht umgesetzt wurde – das galt auch für den Ammersee.“ Damals war Peter Gauweiler CSU-Umweltminister. „Unter ihm ging gar nichts, aber mehr sage ich da nicht“, und auch für diesen Wesenszug ist Guckelsberger bekannt: Er ist beharrlich und hat Geduld, zu Wutausbrüchen und Schimpftiraden lässt er sich nicht hinreißen.

Die Naturschützer brachten die Thematik in den Seegesprächen des Landkreises unter, die heuer zum 29. Mal stattfanden. „Damals saßen vor allem Behörden und die Polizei am Tisch – heute überwiegen die Naturschützer“, sagt Guckelsberger und schmunzelt. 1996 schließlich, mittlerweile war Dr. Thomas Goppel Umweltminister, gewann das Thema entscheidendes Gewicht. „Unser Ziel war die Reduzierung der Störung der winterlichen Vogelpopulationen“, erinnert sich Guckelsberger. Schließlich einigte man sich darauf, den Vögeln von November bis März Ruhe zu gönnen, „vor allem der bayerische Segelverband war da federführend“. Das Gebot fruchtete, „weil auch die Ruderer und Berufsfischer mitgezogen haben“. Das Problem seien heute eher die nichtorganisierten Sportler. „Der neueste Wahnsinn sind diese Surfbretter mit Elektromotor“, seufzt Guckelsberger. Auch die Stand-up-Paddler „fahren lieber am Rand, als in der Mitte des Sees. Das ist schlecht für die Natur.“

Dass 2013 in Grafrath eine raue Sohlrampe durch grobe Steinbrocken gebaut wurde, die den Grundwasserspiegel des Ampermooses anhebt, auch dies geht auf die Anstrengungen Guckelsbergers und seiner Mitstreiter zurück. „Das war ein 20-jähriger Krieg und unglaublich mühsam“, sagt der Weßlinger. Hunderte Einwendungen habe es gegeben, besonders die Gemeinde Eching habe damit argumentiert, die Keller der Häuser würden volllaufen, wenn das Grundwasser steige. „Sie haben in der Zeit dort dennoch ihr Sportheim gebaut.“ Letztlich entstand die Sohlrampe trotzdem, und gerade in den vergangenen niederschlagsarmen Wochen sahen die Naturschützer mit Freude, dass das Moos nicht trocken fiel.

Weil die Belange des Naturschutzes im Landkreis Starnberg auch mit dem steigenden Druck durch die Naturschützer nicht mehr ehrenamtlich zu managen waren, entstand zu Zeiten Guckelsbergers die Stelle des ersten Gebietsbetreuers. Christian Niederbichler macht diesen Job bis heute, „das sind jetzt auch 20 Jahre“, sagt Guckelsberger und kann es selbst kaum glauben.

Trotz des wachsenden Bewusstseins, der vielen Freiwilligen, die bei den regelmäßigen LBV-Pflegeeinsätzen im ganzen Landkreis zur Stelle sind, sieht Guckelsberger in die Zukunft mit Sorge. „Ich bin kein Pessimist, aber allzu optimistisch bin ich auch nicht.“ Der Mangel an Blumenwiesen, Landwirte, die bis zum Straßenrand pflügen und auch auf den alten Baum auf ihrem Feld keine Rücksicht nehmen, dazu der intensive Anbau von Mais und der große ökonomische Druck auf die Landwirtschaft – „all dies“, sagt Guckelsberger, „zerstört unsere Landschaft“. Er wünsche sich „mehr Respekt vor der Natur, und das wir sie nicht nur ausnutzen“. Schließlich sei sie auch ein Wirtschaftsfaktor, „mit dem in Neubaugebieten rings um München geworben wird“.

Groß feiern wird Guckelsberger seinen Geburtstag heute nicht. Am Donnerstag kommt die Tochter aus Hamburg zu Besuch, und bis dahin wird er das tun, was er jeden Tag tut: „Am Computer sitzen, Anfragen beantworten – und dann irgendwann hinaus in die Natur gehen.“

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