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Er hat den Überblick: Ralf Faller an seinem Arbeitsplatz.

Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt

Der Mann mit dem Draht ins All

Ralf Faller hat einen spannenden Job: Er ist beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen für einen Kommunikationssatelliten verantwortlich. 

Oberpfaffenhofen – Seit 6. August ist der Satellit EDRS-C auf dem Weg zu seiner Position im Orbit (wir berichteten). Nach Empfang der ersten Telemetriedaten hat das Deutsche Raumfahrtkontrollzentrum (GSOC) des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen (DLR) den Betrieb übernommen. Die erste kritische Startphase mit mehreren Bahnmanövern wurde gemeistert, so dass EDRS-C nun in die Testphase übergehen kann. Zuständiger DLR-Projektleiter ist Mission Operations Director Ralf Faller (55) aus München.

Faller kann sich noch gut an „seinen“ ersten Satellitenstart erinnern. „Es war der eines Nachrichtensatelliten für die Firma Eutelsat in den frühen 90er Jahren“, sagt er in einem Interview, das das DLR in diesen Tagen veröffentlichte. Seine Verantwortung sei in den Jahren gewachsen, „aber die Spannung ist immer noch die gleiche“. Man verspüre den Drang, immer alles selbst zu machen. „Jedoch ist das bei so einem großen Projekt selbstverständlich nicht möglich. Das ist der Grund, weshalb ich meinem Team vertrauen muss – und ich weiß, dass ich genau das tun kann.“

Faller arbeitet seit mittlerweile fast 30 Jahren im GSOC. Begonnen hat er in der Abteilung für Raumflugdynamik. Da ihn die gesamtbetrieblichen Abläufe interessierten, wechselte er zum Missionsbetrieb. „Die Kontrolle der Satelliten ist einfach ein sehr interessanter technischer Bereich.“ Sie seien komplizierte Systeme, die nur „remote“ betrieben werden können. „Das heißt, dass man sie nur durch eine Funkverbindung erreichen kann, um Telemetriedaten zu empfangen und Kommandos an den Satelliten zu schicken.“ All das benötige auch eine sehr gute Vorbereitung, da sich im Nachhinein nichts mehr verändern lasse. „Wenn er oben ist, ist er oben.“

Apropos Vorbereitung. Faller ist als Projektleiter auch dafür verantwortlich, dass das Team zusammenhält. „Im Kernprojektteam von EDRS-C arbeiten circa 40 Leute aus verschiedenen Abteilungen“, sagt er. „Raumfahrt ist schließlich das Ergebnis von vielen Leuten.“ Umso wichtiger sei ein gutes Miteinander. „Am Projekt sind hochqualifizierte schlaue Köpfe beteiligt, die natürlich alle ihre individuellen Eigenheiten haben.“ Dabei zu helfen, dass im Team alles rund läuft, „ist ein sehr wichtiger und zugleich schöner Aspekt meiner Arbeit“.

Nach dem Start Anfang August war entscheidend, eine stabile Verbindung zum Satelliten zu bekommen. „Das ist uns gelungen“, stellt Faller fest. In den vergangenen Tagen führten die Wissenschaftler insgesamt fünf Bahnmanöver durch, durch die der Satellit in andere Orbite (Umlaufbahnen) gehoben wurde. „Jetzt ist er an einer vorübergehenden Position im geostationären Orbit“, erklärt Faller. In den nächsten Wochen würden umfassende Funktionstests durchgeführt. Erst danach ist EDRS-C voll betriebsfähig und kann dorthin, wo er in Zukunft arbeiten soll. Also in 36 000 Kilometer Höhe, auf der Betriebsposition 31.19 Grad Ost. EDRS-C ergänzt ein Satellitensystem, das mittels einer innovativen Lasertechnik Daten an Bodenstationen übertragen kann.

Der Satellit ist auf rund 15 Jahre Betrieb ausgelegt. Er wird während der gesamten Zeit vom GSOC betreut. Üblicherweise ist bei den geostationären Satelliten immer der Treibstoff der begrenzende Faktor. Erst nach diesen 15 Jahren wird man den EDRS-C mit dem eingeplanten Resttreibstoff auf einen „Friedhofsorbit“ in eine 300 Kilometer höhere Umlaufbahn schießen und deaktivieren. „Das werde ich wohl nicht mehr im aktiven Dienst erleben“, sagt Faller. Aber man wüsste ja nicht, was noch um die Ecke kommt. „Für eine interplanetare Mission, beispielsweise zum Mond, würde ich vieles stehen und liegen lassen.“ Doch jetzt will Projektleiter Faller erst mal dafür sorgen, dass der Satellit seinen Routinebetrieb aufnimmt. „Darauf haben wir uns lange vorbereitet, mit zahlreichen Simulationen im Kontrollraum trainiert. Ich freue mich, dass wir jetzt mit dem echten Satelliten im Orbit arbeiten können.“

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