+
Dieser blaue Kanister mit Altöl wurde in Weßling illegal entsorgt. Die Polizei ermittelt.

Illegale Müllabladungen

Öl ausgekippt: „Das ist eine Umweltstraftat“

  • Katja Brenner
    vonKatja Brenner
    schließen

Die Container an der Gautinger Straße in Weßling liegen etwas abseits und sind schwer einzusehen. Weshalb dort immer wieder illegal Müll abgeladen wird. Nun hat das Problem eine neue Dimension erreicht.

Weßling – Ausrangierte Hundebetten, Plastiktüten voll mit undefinierbarem Müll, altes Spielzeug, kaputte Stofftiere: Das ist der Anblick, der sich Bürgern bietet, wenn sie in den Containern an der Gautinger Straße ihr Altglas entsorgen wollen. Und das seit Jahren immer wieder. Neuster Höhepunkt: Jemand hat dort einen blauen 20-Liter-Kanister in einer Bauwanne abgestellt. Laut Aufschrift befand sich darin Motoröl.

Damit nicht genug. Am Tag nachdem ihr der Kanister das erste Mal aufgefallen war, ging Christine Grün mit ihrem Mann spazieren, kam wieder an der Stelle vorbei, wo der Kanister am Vortag stand. Nun war der Deckel abgeschraubt, die Flüssigkeit über den Boden verteilt, der Kanister fast leer. Grün alarmierte die Feuerwehr. „Die war auch innerhalb von zehn Minuten da“, erklärt sie, und band in einem anderthalb stündigen Einsatz das illegal entsorgte Altöl.

Containerstandort gilt als Problemstandort

In der Gemeindeverwaltung ist das Problem mit dem Containerstandort bekannt. Schon mehrfach haben sich Bürger deshalb gemeldet. Ihr seien jedoch die Hände gebunden. Bürgermeister Michael Muther verweist darauf, dass für die Reinhaltung der Standorte des Abfallwirtschaftsunternehmens AWISTA zuständig sei. Die Gemeinde könne nur immer wieder an die Bürger appellieren, was jedoch bislang nicht von Erfolg gekrönt gewesen sei. Auch beim AWISTA ist der Standort an der Gautinger Straße gut bekannt. Er gilt als „Problemstandort“, wie AWISTA-Vorstand Peter Wiedemann dem Starnberger Merkur erklärt. Allein 2019 habe man ihn 43-mal, also fast wöchentlich, angefahren. Und immer wieder wild abgeladenen Müll entdeckt, sagt Wiedemann. In diesem Fall reinigen AWISTA-Mitarbeiter den Bereich rund um die Container zusätzlich. Das kostet das Abfallwirtschaftsunternehmen jährlich fast 100 000 Euro extra kreisweit. „Die Kosten trägt der Gebührenzahler und damit der Bürger“, gibt Wiedemann zu bedenken. Doch er glaubt nicht, dass die illegalen Müllentsorgungen von Weßlingern verursacht werden, eher von Badegästen von außerhalb. Denn die meisten vom AWISTA dokumentierten Verunreinigungen treten im Juni, also in der Badesaison auf.

Landratsamt noch ohne Kenntnis von dem Vorfall

Ersatzlos aufgeben sei für den Abfallwirtschaftsbetrieb im Hinblick auf den Standort dennoch keine Option. Obwohl er wegen seiner etwas abgelegenen Lage Probleme und Kosten verursacht. Wenn AWISTA-Mitarbeiter in illegal abgeladenem Müll Hinweise auf den Verursacher finden – wie etwa Kontoauszüge –, wird die Ordnungswidrigkeit angezeigt. Doch der abgestellte und umgekippte Ölkanister, „das ist eine Umweltstraftat“, sagt Wiedemann. Und dafür ist das Landratsamt zuständig.

Im Landratsamt hat man erst durch die Merkur-Anfrage von dieser Straftat erfahren. „Uns ist dieser Fall vollkommen unbekannt“, sagt Sprecherin Barbara Beck. Daher habe man auch keine weiteren Schritte eingeleitet.

Kanister-Auffinderin Grün kann sich gut vorstellen, dass der, der den Kanister abgestellt hat, nicht derjenige ist, der ihn auch umgekippt hat. Die Polizei hat indes Ermittlungen wegen des Umweltdelikts aufgenommen.

Lesen Sie auch: An Glassammelstellen gibt es zunehmend Probleme. Immer mehr Klagen über Unordnung an Iglus.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Ortsdurchfahrt Gilching: Neue Vorfahrtsregelung noch unklar
Ortsdurchfahrt Gilching: Neue Vorfahrtsregelung noch unklar

Kommentare