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Im Akkord laufen die Vorbereitungsarbeiten für den Umzug der Brücke. 

Ortsumfahrung Weßling

Eine Brücke geht auf Reisen

Weßling – Zahlreiche Schaulustige sehen sich die Vorbereitungen für den Umzug der Eisenbahnbrücke an.

Es ist Karfreitag, 11 Uhr. Schaulustige lehnen sich bei der Bahnlinie an der sich im Bau befindenden Umgehungsstraße über das Geländer. Unter ihnen greifen zwei Bagger mit ihren Schaufeln tief in die Erde und werfen den Aushub in den Laderaum eines Lastwagens. Seit Mitternacht sind die Schienen der S-Bahn zwischen Herrsching und Weßling an dieser Stelle unterbrochen. Hier kreuzen sich in Zukunft die neue Staatsstraße 2068 und die S8. In den Ostertagen soll wie berichtet die fertige Eisenbahnbrücke zirka 300 Meter weiter nach Süden versetzt werden und die Lücke wieder schließen. 

3000 Kubikmeter Schotter - oder sind es 30 000?

Die Vorarbeiten wie das Legen des Fundaments sind laut Plan am Samstag um 5.30 Uhr vollendet. Danach schiebt eine von der Bahn beauftragte Fachfirma das Bauwerk auf so genannten Verschubbahnen in die endgültige Lage. Das Spektakel dauert acht Stunden – und kann auch mal schiefgehen, wie einst das Einschieben der Lindemann-Unterführung in Tutzing zeigte, das sich wegen einer beschädigten Wasserleitung in die Länge zog. Anne Ritter vom Bauamt Weilheim rechnet beim Versetzen des 1300 Tonnen schweren Bauwerks nicht mit Problemen. Der ausgehobene Boden, den die Lastwagen fast schon im Minutentakt ein paar Meter nördlich abladen, ist staubtrocken.

Kurz überschlagen die Mitarbeiter vom Bauamt und Weßlings Bürgermeister Michael Muther, wie viel Kubikmeter Schotter für die Arbeiten notwendig sind. 30 000 sind im Gespräch. Oder doch 3000? Der Rathauschef schüttelt den Kopf. „Eine Baggerschaufel nimmt doch schon sieben Kubikmeter auf“, schätzt er. Das Thema ist schnell vergessen, fasziniert verfolgen die Anwesenden das Szenario. Unter ihnen Vizebürgermeister Michael Sturm (FW), Felizitas Leitner (BG) und Verkehrsreferent Andreas Lechermann (CSU). Der Termin für das Verrücken der knapp 22,80 Meter breiten und 4,70 Meter hohen Durchfahrt steht schon seit drei Jahren. Eine ganz schön lange Vorlaufszeit, die die Bauherrin, die Bahn, da einfordert. 

Der Plan: Die S8 rast ab Montagmorgen wieder über die Strecke

„Hätten wir damals nicht Nägel mit Köpfen gemacht, hätte sich der Bau der Umgehungsstraße noch weiter nach hinten verschoben“, erinnert sich Leitner. Wieder fährt ein Laster weg, während ein Bagger den Arm auf dem Boden abstützt und für den Laien geradezu waghalsig von seinem Erdhügel herunterfährt. Die Anwesenden studieren den Zeitplan. Der Einschub soll bis Samstag, 13 Uhr, fertig sein. Dann wird das Fundament angefüllt, das Gleis gelegt und die Schienenstöße verschweißt. Am Montag um 8.30 Uhr nimmt die S8 wieder Fahrt auf und rast mit 120 km/h über die 6,93 Meter breite, eingleisige Bahnstrecke. Ob alles rund läuft, wird sich noch zeigen. Bis dahin gibt es für die Schaulustigen aus Weßling und der näheren Umgebung eine ganze Menge zu beobachten. So eine Brücke wandert schließlich nicht alle Tage durch die Gegend.

Von Michèle Kirner

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