Paten und Freiwillige gesucht

Integration geht alle etwas an

Weßling – Die Euphorie zur Hilfsbereitschaft ist gesunken. Das spürt auch der „IntegrationsPunkt Weßling“. Gesucht werden Paten und Freiwillige.

Im Sommer 2015 öffneten die Weßlinger ihre Turnhalle, in der sie spontan an die 160 Asylsuchende aufnahmen. Vorübergehend für ein paar Monate. Seit Juli leben aktuell 76 Flüchtlinge in der neu gebauten Containersiedlung neben dem neuen Feuerwehrhaus, bis Ende des Jahres sollen laut Barbara Beck, Pressesprecherin im Landratsamt, etwa 125 eingezogen sein. Und das längerfristig, denn in den Wohnungen werden voraussichtlich einige auch nach ihrer Anerkennung leben. 

30 Helfer für Bewohner der Argelsrieder Straße

Die Hilfsbereitschaft im Sommer 2015 mit rund 300 potenziellen Helfern war überwältigend. Viele von ihnen unterstützten die Heimatvertriebenen mit Deutschkursen, organisierten die Kleiderspenden oder begleiteten sie auf Behördengängen. Dabei lernten die Ehrenamtlichen die vielen Seiten von Integration kennen. „Durch unsere Arbeit entdeckten wir, dass sich Integration nicht nur auf unsere Asylbewerber bezieht, sondern dass sie uns alle betrifft“, schreiben sie auf ihrer Homepage. Grund genug, den in der Nachbarschaftshilfe (NBH) integrierten „Helferkreis Asyl“ in den „IntegrationsPunkt Weßling“ umzubenennen. 

Nach der ersten Euphorie ist die Hilfsbereitschaft auch hier spürbar zurückgegangen, aber immerhin stehen den Bewohnern der Argelsrieder Straße immer noch rund 30 Helfer in zwölf Arbeitsgruppen wie Deutschkurse, Hausaufgabenbetreuung, Fahrdienste oder Arbeitsvermittlung zur Seite. Stefan Troberg betreut vier Eritreer und zwei Afghanen, die als Minderjährige hierher kamen. Die heute 18- bis 24-Jährigen „sprechen schon wirklich gut Deutsch“, ist der Vorstandsvorsitzende der NBH beeindruckt. 

"Es gibt einige, die sagen, sie wollen in ihr Land zurück"

Die Jugendlichen belegen momentan einen Praktikumsplatz bei der RUAG, und einer arbeitet im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes in einem Kindergarten in Laim. Auch Markus Werner vom IntegrationsPunkt erkennt den Willen, sich an Sprache und Gepflogenheiten anzupassen. „Viele Kinder und Jugendliche sind mit Begeisterung im Sprachkurs dabei. Die wollen unbedingt.“ Er beobachtet auch, dass sich besonders Mütter manchmal schwerer tun. „Die Kinderbetreuung während der Kurse ist nicht immer gewährleistet.“ Überhaupt scheint der Fokus der Eltern nicht selten primär auf dem Nachwuchs zu liegen. „Sie wollen den Rahmen schaffen, damit ihre Kinder eine gute Ausbildung erhalten – und die ziehen wiederum die Familien mit.“ 

Erschwerend kommt hinzu, dass unter den Flüchtlingen einige Analphabeten sind. „Wer in der Muttersprache Analphabet ist, steht vor großen Aufgaben“, so Werner. Ab einem gewissen Alter ist es gar nicht so einfach, einen Beruf, geschweige denn diese fremde Sprache zu lernen. Und noch etwas weiß der Betreuer: „Es gibt einige, die sagen, sie wollen in ihr Land zurück.“ Der „IntegrationsPunkt Weßling“ sucht noch Paten und Freiwillige für Deutschkurse und Hausaufgabenbetreuung. Besonders Fahrradspenden sind willkommen. Bei Interesse eine Mail an info@integrationspunkt.de. Spenden auf das Konto DE09 7009 3200 0306 5168 82, Stichwort: Flüchtlinge.

Von Michèle Kirner

Rubriklistenbild: © dpa

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