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Razzia in Weßling

Riesiger Drogenfund bei Psycholyse-Seminar

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Großeinsatz der Polizei: 50 Beamte und zwei Staatsanwälte lösten ein Psycholyse-Seminar in Weßling auf. Gefunden wurden bergeweise verdächtige Substanzen - wahrscheinlich Amphetamine.

Weßling – Der Ring schließt sich: Rund 50 Polizeibeamte und zwei Staatsanwälte haben am Abend des 10. November ein Haus am Ortsrand von Weßling umstellt. Sie haben einen Tipp erhalten. Ein sogenanntes Psycholyse-Seminar soll hier stattfinden. Die Teilnehmer wollen ihren Geist erweitern, sagt der Zeuge. Dazu bedienen sie sich bewusstseinserweiternder Substanzen. Die Polizei weiß schon länger von dem Seminar, ließ aber zu, dass die Vorbereitungen weitergehen, berichtet Hans-Peter Kammerer, Leiter der Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord. Ziel ist, die Organisatoren auf frischer Tat zu ertappen.

Teilnehmer aus ganz Deutschland

Es ist 19 Uhr. Der Einsatz startet. Während ein Großteil der Beamten das Areal umstellt, damit niemand fliehen kann, dringen die Einsatzkräfte in den Keller ein. Die 14 Teilnehmer sind da, die Organisatoren ebenfalls. Auf einem runden Tisch stehen Glasschüsseln. Darin befinden sich insgesamt 526 Kapseln, dazu Ampullen mit einer klaren Flüssigkeit. Die Polizei vermutet, dass es sich bei den Kapseln um das Amphetamin MDMA handelt, bei der Flüssigkeit um LSD. „Die beschlagnahmten Stoffe werden gerade im Labor untersucht“, so Kammerer weiter. Es könne noch Wochen oder Monate dauern, bis die genauen Ergebnisse vorliegen.

Am Abend der Razzia werden die Personalien der Teilnehmer erfasst. Sie kommen aus Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Sachsen und Österreich. „Mehr Frauen als Männer“ seien es gewesen, berichtet Kammerer, die Altersspanne der Teilnehmer reicht von 22 bis 77 Jahren.

Bei einem von ihnen, einem 55-jährigen Münchner, wird LSD gefunden. Ihn erwartet eine Strafanzeige, die anderen Teilnehmer werden als Zeugen behandelt.

81-jähriger Veranstalter vorläufig festgenommen

Deutlich mehr Ärger erwartet den 81-jährigen Veranstalter des Seminars. Der Berliner wird am Abend des 10. November festgenommen, wenig später allerdings wieder auf freien Fuß gesetzt. Ihn erwartet nun – je nachdem, was die Laboruntersuchungen des Matarials ergeben – entweder ein Ordnungswidrigkeits- oder Strafverfahren wegen des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz. Sollten sich die Substanzen als gesundheitsschädlich erweisen, käme auch noch versuchte Körperverletzung dazu.

„Wichtig ist, dass an diesem Abend niemand die angebotenen Substanzen eingenommen hat und dadurch eine mögliche Gefährdung der Teilnehmer ausgeschlossen werden konnte“, so Polizeisprecher Kammerer. Er sprach gestern von einem „erfolgreichen präventiven Schlag“ gegen die Veranstalter der Psycholyse-Seminare. Es sei der erste derartige Einsatz in Bayern gewesen.

Umstrittene Psycholyse-Seminare

Die Geschehnisse in Weßling sind kein Einzelfall. Bundesweit Schlagzeilen machte ein Fall, der sich im September 2015 in Handeloh in Niedersachsen ereignete. Ein Psychotherapeut hatte dort ein ähnliches Seminar veranstaltet, bei dem den Teilnehmern das Hallizogen 2C-E verabreicht wurde.

Doch was der Organisator nicht wusste: Die Kapseln enthielten auch eine psychoaktive Substanz. Kurze Zeit später wanden sich die Teilnehmer mit Krämpfen, Atemnot und Wahnvorstellungen auf dem Boden. 160 Rettungskräfte kämpften um ihre Leben. Der Mann wurde am Mittwoch zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

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