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Ringen um Bauprojekt in Neuhochstadt

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Für Neuhochstadt liegen mehrere Bauanträge vor.
Für Neuhochstadt liegen mehrere Bauanträge vor. © Lino Mirgeler

Statt schnuckeliger Wochenendhäuschen mehrgeschossige Wohnhäuser: Für Neuhochstadt trudeln im Weßlinger Rathaus immer wieder Bauanträge ein.

Neuhochstadt - Um das Wachstum in der Siedlung zu steuern, hat der Bauausschuss des Gemeinderats bereits im Juni einen Bebauungsplan für das Wohngebiet beschlossen (wir berichteten). Den Antrag auf Vorbescheid und damit die Ausnahme von der Veränderungssperre eines Bauwerbers lehnte der Ausschuss in seiner jüngsten Sitzung deswegen ab. Unter anderem, weil die darin vorgesehenen Abgrabungen von bis zu zwei Metern in Neuhochstadt Schule machen könnten.

Bereits zum dritten Mal lag der Ratsrunde das Bauvorhaben für das Grundstück an der Neuhochstadter Straße vor. Der Eigentümer plant, drei aneinandergrenzende Grundstücke zu einem etwa 1500 Quadratmeter großen Gesamtgrundstück zu vereinen und dort drei Wohngebäude zu errichten. Im ersten Wurf im März stießen sich die Räte an der Wandhöhe von 6,50 Metern. Im Juni bemängelten sie Stellplatzanordnung und Zufahrt und wünschten sich einen Grünstreifen für einen künftigen Gehweg. Bis auf die Zufahrt setzte der Antragsteller sämtliche Bedingungen um und reichte eine detaillierte Planung ein – um erneut nachbessern zu müssen.

Zum Verhängnis wurde dem Antragsteller unter anderem das Gleichheitsprinzip, das zu Präzedenzfällen führen kann. Verhindern wollten die Gemeinderäte deswegen unter anderem Abgrabungen von 70 Zentimetern bis knapp zwei Metern auf drei Seiten der beiden Einfamilienhäuser und des Zweifamilienhauses. Die Gräben sollten die Fassade freilegen und somit Fenster ermöglichen, die wiederum die Räume aufhellen. Die hinteren Räume verschwinden nämlich aufgrund der verringerten Wandhöhe und der Verschiebung der Gebäude in Richtung Hang komplett in der Erde. Die Wandhöhe von maximal 5,50 Meter, an der sich der Bauwerber orientierte, hatte der Ausschuss in einem separaten Tagesordnungspunkt endgültig als Ziel im Bebauungsplan festgelegt.

Clemens Pollok (Grüne) zeigte Verständnis für den Bauherrn: „Er drückt das Haus tiefer und gräbt stattdessen ab.“ In einem Atemzug bemängelte der Gemeinderat und Architekt aber, dass auf diese Weise ein Präzedenzfall entstehe und das Gleichheitsprinzip zum Tragen komme. Bürgermeister Michael Sturm bestätigte, dass mit einer Zustimmung dieses Punktes auch Abgrabungen für andere Häuser in Hanglagen im Bebauungsplan erlaubt werden müssten. „Und von der Topologie her sind die Häuser in Neuhochstadt ähnlich“, sagte Sturm.

Birka Camerer (Grüne) stellte sich vehement dagegen: „Wenn man ein Haus am Hang hat, dann hat man halt dort kein Fenster.“ Pollok störte sich auch an den Stellplätzen. „Wer stellt seine Karre vor das Wohnzimmer?“, fragte er sich. Und er kritisierte, dass in seinen Augen die „oberen Stellplätze in Hanglage“ faktisch nicht nutzbar seien. „Die Stellflächen sollten funktionieren, damit die Fahrzeuge dort auch stehen“, pflichtete ihm Sturm bei. Schließlich sei die Neuhochstadter Straße jetzt schon eng und mit den kreuz und quer abgestellten Autos noch schwieriger befahrbar.

Mit einer knappen Mehrheit lehnte der Ausschuss den Antrag auf Vorbescheid ab. Jetzt muss der Eigentümer erneut nachbessern, damit die Veränderungssperre aufgehoben werden kann und die Baufahrzeuge anrollen können. Parallel wird der Bebauungsplan für die Siedlung Neuhochstadt auf den Weg gebracht.  

Michèle Kirner

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