Für alle Ideen offen: Bürgermeister Michael Sturm vor dem Weßlinger Bahnhof.  Foto: Michèle kirner
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Für alle Ideen offen: Bürgermeister Michael Sturm vor dem Weßlinger Bahnhof.

Neues zum Bahnhof in Weßling

Rosige Zukunft für den Bahnhof

Ein Biergarten unter dem Blätterdach einer Esche, eine erweiterte Bücherei, Ausstellungen, Gastronomie und eine Bierbrauerei: Weßlings Bahnhof soll aus dem Dornröschenschlaf geweckt werden.

Weßling – Das alte, dreiteilige Bahnhofsgebäude in Weßling hat wahrlich schon bessere Zeiten erlebt. Etwa damals, als die Fahrgäste in dem Verbindungstrakt zwischen der Gemeindebücherei und dem alten Stellwerk am Kiosk noch schnell eine Zeitung und etwas zum Knabbern für die Fahrt kaufen konnten. Derzeit ist der Raum das vorübergehende Zuhause eines Secondhandladens, der sich mit dem Aufruf „Alles muss raus“ für den Auszug rüstet. Doch es kommt Bewegung in die Diskussion über die Zukunft des Bahnhofs.

Ein erster, kleiner Schritt ist die Blumenesche, für deren Pflanzung sich der Umweltausschuss in seiner jüngsten Sitzung entschieden hat. Sie soll neben der Bücherei ein Plätzchen finden. Sicher ist auch, dass die Toilette mit einer Tür inklusive Zeitschalter barrierefrei hergerichtet wird, berichtete Bürgermeister Michael Sturm dem Starnberger Merkur. Betreten sollen die Nutzer diese über einen separaten, straßenseitigen Eingang im Verbindungsgebäude. Dieses Bauwerk ist zwar Eigentum der Gemeinde, aber dauerhaft an die Bahn vermietet. Den Vertrag würden die Weßlinger gerne auflösen, denn seit zehn Jahren steht der Trakt leer. „Wir sind uns noch nicht über die Ablösesumme einig geworden“, erklärt Sturm. Bis dahin überlegt der Bürgermeister, das Foyer einfach von der Bahn zu mieten – und damit die Ortsmitte wiederzubeleben.

Ideen gibt es genügend. Die Verantwortlichen in der Gemeindebücherei wünschen sich seit Jahren eine Verbindung zur Bahnhofshalle, damit sie ihr Angebot und die Öffnungszeiten ausweiten können. Auch Künstler sind an Sturm herangetreten, die in dem Saal Ausstellungen und Lesungen organisieren möchten. Und vor einer guten Woche kontaktierten ihn Weßlings Gastronomen, die gemeinsam ein kleines Restaurant oder Café nach Vorbild des alten Bahnhofs in Steinebach einrichten wollen. Obenauf würde ein Weßlinger Bürger in den Räumen gerne eine Bierbrauerei installieren.

„Vorstellbar wäre ein Miteinander aller Beteiligten“, findet Sturm, der noch eine trockene Wartehalle für Reisende schaffen möchte. Diese könnten sich ein Buch ausleihen und dazu noch einen Kaffee oder ein Stück Torte genießen. Laufend wechselnde Kunstwerke würden dem Raum immer wieder ein neues Gesicht verleihen, und vom Biergarten aus könnten die Besucher die S-Bahnen beobachten.

Allerdings gehört der Außenbereich genauso wie das angrenzende, zweigeschossige Haus im Osten der Bahn. „Wir würden das Haus gerne kaufen“, sagt Sturm, um Wohnungen im Obergeschoss einzurichten und möglicherweise den Gastronomiebereich zu vergrößern. Bis voraussichtlich 2024 der geplante Expresshalt gebaut und der lang ersehnte barrierefreie Ausbau angegangen wird, sieht Sturm allerdings keine Aussicht auf den Kauf. Denn für den Expresshalt ist ein Abstell- und Wendegleis erforderlich, und dies ist bei den Anwohnern höchst umstritten. Für die S-Bahn-Zugführer, die ihre Züge dort abstellen, müsste das derzeit mit einem alten Sofa ausgestattete Schlafzimmer im Bahnhäuschen neu eingerichtet werden. „Vielleicht können wir dazu eine Alternative anbieten“, gibt sich Sturm dennoch zuversichtlich.

Michèle Kirner

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