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Neue Partyzone in Weßling: das rote Sofa beim Tierladen an der Hauptstraße.

Sicherheitsdienst in Weßling

Zweiklassen-Gesellschaft?

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Der Gemeinderat Weßling hat die angekündigte Diskussion über die Arbeit des Sicherheitsdienstes vertagt - und sich damit Kritik eingehandelt.

Weßling – Das war nichts. Entgegen der Ankündigung, über den Sicherheitsdienst und dessen Erkenntnisse sprechen zu wollen, haben Weßlings Gemeinderäte das Thema am Dienstagabend vertagt. Die Anwohner wurden nach Hause geschickt. „Wir wollen das Thema nicht in jeder Sitzung diskutieren“, erklärte Muther gestern auf Nachfrage. Es sei ja auch schon viel in der Zeitung gestanden. Für den Weßlinger Anton G. Leitner gießen die Gemeinderäte damit weiteres Öl ins Feuer.

Seit Anfang Juni ist in der Gemeinde Weßling an drei Tagen pro Woche jeweils für drei Stunden ein Sicherheitsdienst rund um den See unterwegs. Die Gemeinde zahlt dafür 20 000 Euro im Jahr – und hatte diese Investition auch auf Drängen der Anlieger beschlossen (wir berichteten). Ein Unding das Ganze, wie der Literat Leitner findet. Er beklagte an dieser Stelle bereits eine Verlagerung der Problempunkte, nämlich zum Tierhaus an der Hauptstraße, an dem neuerdings – rund um eine rote Sofalandschaft – lautstarke Saufgelage stattfänden.

Muther wünscht sich, dass der Sicherheitsdienst erst einmal einige Wochen seine Arbeit macht. „Bisher wurden keine Vorfälle vermeldet. Laut der Anwohner läuft es ganz gut.“ Klar sei aber auch: „Der Wachdienst kann nicht immer überall sein.“ Auch zu dem Thema der angekokelten Markise des Café am See (wir berichteten) gebe es keine neuen Erkenntnisse – dafür aber auf der anderen Seite eine lange Sitzungs-Tagesordnung, deren Rahmen das Thema Sicherheitsdienst vermutlich gesprengt hätte. Muther geht davon aus, dass vor der Sommerpause über die Erkenntnisse des Sicherheitsdienst diskutiert wird.

Für Leitner ein insgesamt unmögliches Verhalten. Die Vertagung der Einsatzbewertung des Sicherheitsdienstes zeige, dass es in Weßling Bürger zweiter Klassen gebe. Das bedeute im Klartext: „Mit den betroffenen Jugendlichen wird nicht gesprochen, die Seeanlieger, allen voran CSU-Gemeinderat Roland von Rebay, bekommen als Weßlinger Bürger erster Klasse weiterhin eine jugendfreie Zone vor ihren Anwesen in Bestlage durch einen Sicherheitsdienst garantiert, den wir Steuerzahler ihnen auch noch mit 20 000 Euro bezahlen müssen. Die Bürger zweiter Klasse an der Hauptstraße /Ecke Buchenweg haben hingegen ab sofort eine neue Partyzone vor ihrer Haustüre, die vom Sicherheitsdienst nicht bestreift wird.“

Bislang hätten die Bewohner dieser Ecke ihre seit Jahren bestehenden Probleme mit lärmenden Jugendlichen durch Gespräche und mit Hilfe der Polizei gelöst. „Dass wir jetzt auch noch die neuen Verlagerungs-Probleme ausbaden sollen, die durch den Sicherheitsdienst am See entstehen, ist nicht akzeptabel“, findet Leitner. Die Verschiebung des Themas sei „ einmal mehr Ausdruck der Hilflosigkeit des Gremiums und der Gemeinde, das Problem der Sprachlosigkeit gegenüber der Jugend aktiv anzupacken“. Diese Weßlinger Politik der Angststarre und des Sankt-Florian-Prinzips würde, wie schon einst bei der Umgehungsstraße, „die Probleme im Ort weiter eskalieren und droht diesen einmal mehr zu spalten“.

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