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Anton G. Leitner mahnt eine Lösung für die Jugendlichen an.

Sicherheitsdienst Weßling 

Das verlagerte Problem

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Lärmende Jugendliche sorgen nachts in Weßling nach wie vor für Verdruss bei den Anwohnern. Der von der Gemeinde beauftragte Sicherheitsdienst hat das Problem offensichtlich nur verlagert. Jetzt wird nicht mehr am See gefeiert, sondern in Bahnhofsnähe.

Weßling– Der Weßlinger Literat Anton G. Leitner hat genug gesehen und gehört. Am vergangenen Wochenende hat er in einem Brief an die Gemeinderäte und die Presse eine Lösung für das Problem mit den lärmenden Jugendlichen angemahnt und in seiner Kritik auch die Anwohner nicht ausgespart: Auch ihn hätten „fast hysterisch anmutende Rund E-Mails von Seeanliegern“ erreicht, in denen Handybeweisfotos versendet wurden, „die einen Jugendlichen beim Pinkeln an einen Gartenzaun zeigen“, schreibt Leitner. Dies dokumentiere natürlich einerseits eine Ordnungswidrigkeit des Jugendlichen, andererseits stelle es aber juristisch „eine klare und beweisbare Persönlichkeitsrechtsverletzung gegenüber dem Heranwachsenden“ dar, montiert der Weßlinger.

Bekanntlich sorgt mittlerweile in Weßling ein beauftragter Sicherheitsdienst dafür, dass am See in der Nacht möglichst Ruhe herrscht. Bis zu 20 000 Euro pro Jahr will sich die Gemeinde den Dienst nach Angaben von Bürgermeister Michael Muther pro Jahr kosten lassen. Doch: „Es kam, wie es zu befürchten war“, sagt Leitner. Der Sicherheitsdienst habe die „jetzt noch wilder gemachten Jugendlichen“ von ihren bisherigen Treffpunkten vertrieben: in Weßlinger Ortsbereiche, die weniger exponiert lägen. So schreibt Leitner davon, dass sich in der Nacht auf vergangenen Sonntag in der Zeit von 23 bis 9 Uhr morgens eine Gruppe Jugendlicher auf dem Gelände des Tierladens an der Hauptstraße aufgehalten hatte. Im „vermutlich alkoholisierten Zustand“ hätten diese laute Musik gehört und die ganze Nacht gelärmt. Auf der gegenüberliegenden Buchenwegseite habe man nur mithilfe von Silikon-Ohrstöpseln schlafen können, weiß Leitner.

Der Literat bittet die Gemeinde nun, „ab sofort die Seebestreifungen des Sicherheitsdienstes auf Wohngebiete auszudehnen, die von den Jugendlichen ersatzweise als neue Aufenthaltsorte gewählt werden“. Er bricht aber gleichzeitig eine Lanze für die Heranwachsenden, die „ja tatsächlich auch einen Ort für ihre Treffen benötigen“. Man werde nicht umhinkommen, längerfristig eine nachhaltigere, aber sicher auch kostenintensivere Lösung zu finden. Dabei schlägt der Literat auch einen Streetworker vor.

Nach Meinung von Bürgermeister Muther braucht die Weßlinger Jugend keinen Streetworker. „99,9 Prozent unserer Jugendlichen wissen, wie sie sich zu benehmen haben“, ist sich der Rathauschef sicher. Die meisten der lärmenden Jugendlichen kommen seinen Angaben von außerhalb mit der S-Bahn nach Weßling. Im örtlichen Supermarkt decken sie sich mit Alkohol ein, viele sind dann aggressiv. So weiß Muther von einem Bürger, dem vor gut einem Monat Schläge angedroht worden waren, weil er um Ruhe gebeten hatte.

Um den Krach, den die Heranwachsenden veranstalten, weiß der Rathauschef auch: „Die machen mit ihren Handys und Verstärkern mehr Lärm als zwei Live-Bands, das ist heute leider so.“ Angesprochen auf einen möglichen Platz in der Gemeinde, auf dem sich die Jugendlichen künftig treffen könnten, ohne Anwohner zu stören, sagt Muther: „Da warten wir auf einen Vorschlag.“

Über die Probleme mit dem Nachwuchs wird sich möglicherweise heute Abend auch der Weßlinger Gemeinderat unterhalten. Die Verwaltung wird über die Erfahrungen berichten, die der beauftragte Sicherheitsdienst seit Beginn des Monats gemacht hat. Bekanntlich hatte die Gemeinde eigens eine Satzung „über die Benutzung der öffentlichen Grünanlagen und des Erholungsgebietes Weßlinger See“ erlassen, deren Einhaltung der Sicherheitsdienst nun überwacht. Beginn der Sitzung ist um 19.30 Uhr im Rathaus.

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