Maschinen vom Typ Dassault Falcon 7X sind nach Angaben des Vereins Fluglärm besonders laut.  Foto: Dmitry A. Mottl
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Maschinen vom Typ Dassault Falcon 7X sind nach Angaben des Vereins Fluglärm besonders laut. Foto: Dmitry A. Mottl

Verein kritisiert „Urlaubs- und Vergnügungsreisen" - Flughafen wehrt sich

Streit um Anzahl der Flugbewegungen am Flughafen Oberpfaffenhofen

  • Peter Schiebel
    vonPeter Schiebel
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Der Verein Fluglärm kritisiert in einem aktuellen „Statusbericht“ eine Zunahme der Flugbewegungen am Sonderflughafen Oberpfaffenhofen. Dessen Betreiber will die Zahlen des Vereins nicht bestätigen.

Oberpfaffenhofen/Gilching – Haben die Starts und Landungen am Sonderflughafen Oberpfaffenhofen im August im Vergleich zu den Vorjahren deutlich zugenommen? Das jedenfalls behauptet der in Gilching ansässige Verein Fluglärm. In einem aktuellen „Statusbericht“ weist der Verein 477 registrierte Überflüge an den vom Verein betriebenen Messstationen in Geisenbrunn und Neuhochstadt aus – mehr als in jedem anderen August seit dem Jahr 2016. Damals seien es 313 Überflüge gewesen, in den Folgejahren 287, 317 und 395, heißt es in einer Statistik des Vereins.

Nach Angaben von Fluglärm-Vorsitzendem Rudolf Ulrich registriert der Verein regelmäßig Flüge nach Sylt, Mallorca, Nizza sowie Kurzstreckenflüge in die Schweiz. „Ist das der qualifizierte Geschäftsreiseflugverkehr, der trotz Corona zum Beispiel für den Monat August 2020 eine wesentliche Zunahme der Flugbewegungen gegenüber dem Mittelwert der Vorjahre um 45 Prozent erzeugt?“, fragt Ulrich. Der Begriff des „qualifizierten Geschäftsreiseflugverkehrs“ stammt aus dem Genehmigungsbescheid der Regierung von Oberbayern aus dem Jahr 2008 und erlaubt diese Flüge in Oberpfaffenhofen neben Werks- und Forschungsflügen.

Ulrich spricht angesichts der Flugziele jedoch von „Urlaubs- und Vergnügungsreisen“ und fragt, ob diese in Zeiten des Klimawandels und der Bemühungen um eine Verminderung des CO2-Ausstoßes überhaupt noch angebracht sind – und ob sie überhaupt den Genehmigungen entsprechen. Der Verein Fluglärm stelle in dem Zusammenhang auch die Frage, „ob in einer Zeit, in der im Geschäftsleben immer mehr Videokonferenzen durchgeführt werden, die Bevölkerung im Naherholungsgebiet Fünfseenland durch häufige Geschäftsreisen mit lauten Flugzeugen wie den älteren Cessna-Citation-Modellen oder den schweren Falcon 7X oder Global XRS bedröhnt werden muss“.

Professor Christian Juckenack als Vertreter des Flughafeneigentümers Bewo kann die Kritik des Vereins nicht nachvollziehen. Dessen Einlassungen seien „bedauerlich“ vor dem Hintergrund, dass in Corona-Zeiten auch auf dem Campus Oberpfaffenhofen Arbeitsplätze bei Luftfahrtunternehmen gefährdet oder bereits abgebaut seien. „Wir sind froh, dass die Flugbewegungen als Zeichen der Revitalisierung nach dem Shutdown sich zumindest momentan wieder stabilisieren“, erklärte Juckenack gegenüber dem Starnberger Merkur.

Seit März sei die Zahl der Flugbewegungen zunächst dramatisch eingebrochen, ehe es jetzt eine Erholung gebe. Die konkreten Angaben des Vereins Fluglärm könne der Betreiber weder bestätigen noch verifizieren – zumal es sich um private Aufzeichnungen handele. So könnten möglicherweise auch Flüge erfasst worden sei, die Oberpfaffenhofen nicht als Herkunft und Ziel hatten. „Auch der Einfluss des allgemeinen Straßenverkehrs, insbesondere Motorräder, ist möglich“, sagte Juckenack.

Seine Statistik weist für den August insgesamt 1196 Flugbewegungen aus – inklusive Drohnenflügen, Forschungsflügen, Überflügen und dergleichen. Im August der Vorjahre seien es 972, 1035 und 1214 Bewegungen gewesen. Insgesamt habe sich die Anzahl der Flugbewegungen „seit Jahren wenig verändert“. Zum Vorwurf der Urlaubs- und Vergnügungsreisen will sich Juckenack nicht äußern. „Dazu liegen dem Flughafenbetreiber keine Informationen vor“, sagte er und sprach von „unsachlichen, spekulativen Mutmaßungen“.

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