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Dass Gerst auch im All mit dem deutschen WM-Team mitfiebert, ist derweil Ehrensache.

Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt

Tägliche Konferenzen mit dem Weltall

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Es sind fantastische Bilder, die Astronaut Alexander Gerst von der ISS auf die Erde schickt. Sie täuschen darüber hinweg, dass der 42-Jährige eine Menge Arbeit hat dort oben. Mit dem DLR-Kontrollzentrum in Oberpfaffenhofen ist er täglich in Kontakt.

Update 9. August 2018:

Alexander Gerst zeigt aus der ISS wie braun und trocken es in Deutschland durch die Hitzewelle ist.

Oberpfaffenhofen – Die Bildschirme flackern, bunte Zahlen- und Datenwerke flimmern über die großen Monitore hoch oben an den Wänden. Es herrscht konzentrierte Stille im Columbus-Kontrollzentrum des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen. Seit 6. Juni ist der deutsche Astronaut Alexander Gerst wieder im All. Seitdem er am 8. Juni durch die Einstiegslucke in die Internationale Raumstation ISS in gut 400 Kilometer Höhe geklettert ist, kontrollieren die Wissenschaftler von Oberpfaffenhofen aus, dass alles stimmt im Columbus-Labor.

Gerst ist indessen von früh bis spät mit Experimenten beschäftigt. „Er hat ziemlich viel zu tun“, sagt Dr. Dieter Sabath, Abteilung Raumflugbetrieb und Astronautentraining beim DLR im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. Der Zeitplan sei eng für die allein gut 40 Versuche deutscher Universiäten und Institutionen, die Gerst im Rahmen seiner Mission „horizons“ durchführen soll.

Bei vielen Experimenten ist der Astronaut sein eigenes Versuchskaninchen. In den ersten Tagen musste er gleich einige Geschicklichkeitsübungen absolvieren, sprich Gegenstände greifen, auf virtuelle Anforderungen reagieren. Jede Bewegung wird dabei im Video festgehalten. Die Daten schickt Gerst zur Auswertung in den Landkreis Starnberg.

Zweimal täglich, morgens und abends, findet jeweils eine halbstündige Konferenz zwischen Kontrollstationen und ISS statt. Weil dort alle beteiligten Nationen mit ihren Astronauten sprechen, bleiben für Gerst und Oberpfaffenhofen allerdings oft nur ein paar Minuten. In diesen geht es meist um Fragen zu Versuchen und Experimenten. Einmal pro Woche allerdings gibt es auch eine Crewkonferenz nur mit dem DLR. „Die wird flexibel eingeplant, da ist dann auch mehr Zeit“, sagt Sabath. Hauptansprechpartner für Gerst auf der Erde sind DLR-Flugdirektor Marius Bach und ESA-Missionsdirektorin Berti Meisinger.

Die Geschicklichkeitsübungen wird Gerst in den kommenden Wochen wiederholen. Denn im Fokus steht die Auswirkung der Schwerelosigkeit auf den menschlichen Organismus. Der 42-Jährige testet in diesem Zusammenhang auch ein neues Gerät, das den Muskel- und Knochenabbau untersucht. „Und zwar noninvasiv, also ohne Spritzen oder ähnliches“, erklärt Sabath. Dieses Gerät könnten bettlägerige Patienten nutzen, es müsse nur von außen an die Haut gelegt werden. Im Anschluss sind dann Versuche mit Granulaten und ihrem Verhalten in der Schwerkraft geplant. „Grundlagenforschung“, nennt Sabath das.

Wenn dann mal Zeit bleibt, macht Gerst Bilder. In den sozialen Portalen wie Twitter und Instagram folgen „Astro-Alex“, wie er sich selber nennt, mehr als eine Million Menschen. Gersts erstes Foto zeigte den Sonnenaufgang, am 17. Juni schickte er ein Bild, auf dem er sozusagen in der Luft liegend das Debakel der deutschen Nationalmannschaft verfolgte. „Das mit den sozialen Medien macht er richtig gut“, findet Sabath. Schon 2014, bei seiner ersten Mission, hat der Astronaut durch seine anschaulichen Informationen, die er via Twitter und Co. zur Erde schickte, für einen Raumfahrt-Hype gesorgt, was auch das DLR begrüßt.

Es ist die 56. Expedition, also Langzeitbesetzung der ISS. Sie endet Anfang Oktober. Der jetzige Kommandant Andrew Feustel (USA) und die Bordingenieure Richard Arnold (USA) und Oleg Artemjew (Russland) verlassen dann die ISS, während Alexander Gerst als erster Deutscher und zweiter Westeuropäer überhaupt das Kommando auf der Internationalen Raumstation übernimmt. Am 13. Dezember soll der 42-Jährige dann gemeinsam mit Serena Maria Aunon-Chancellor (USA) und Sergej Prokopjew (Russland) zurück zur Erde fliegen. Die beiden waren mit ihm am 6.Juni ins All gestartet. Es bleibt noch Zeit für weitere spektakuläre Ausblicke aus den Columbus-Fenstern – und Zeit für den Kontakt nach Oberpfaffenhofen.

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