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„Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist“: Christine Reithmeier und Norbert Harter schließen zum Jahresende den Gasthof Schuster in Hochstadt. 

Gastronomie

Feierabend im Gasthof Schuster

Am Jahresende ist Schluss im Gasthof Schuster. Dann schließt das einzige Wirtshaus Hochstadts seinen Restaurantbetrieb. Die Pension wird ohne Frühstückservice noch voraussichtlich bis 2019 weiterbetrieben.

Hochstadt – „Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist“, sagen Norbert Harter und seine Lebensgefährtin Christine Reithmeier. Die Kosten für notwendige Renovierungsarbeiten des Gebäudes wären zu hoch, begründet Harter den Entschluss. Denn weder ihre Kinder noch die Tochter von Christines Bruder Michael, dem der Gasthof heute gehört, haben nach seinen Worten Ambitionen, den Familienbetrieb weiterzuführen. Was mit dem Anwesen passiert, ist noch völlig offen.

Vor 50 Jahren hatten Rudolph und Gertrud Schuster den gleichnamigen Gasthof gebaut. Sohn Michael sowie Tochter Christine lernten Koch und arbeiteten mit. Nachdem Norbert Harter und seine Lebensgefährtin 2009 den Familienbetrieb übernahmen, arbeitete Harter unter der Woche als Grafikdesigner und die restlichen Tage im Gasthof. Christine Reithmeier steht seither in der Küche und kümmert sich um die Pensionsgäste. Die heute 81-jährige Mutter packt bis zum Schluss mit an.

Ort der Stille ohne Reizüberflutung

Bei der Übernahme bestückte das Paar den Außenbereich mit Holzmobiliar und verbannte sämtliche Werbeschriftzüge. Das war die Handschrift des Grafikers. „Wir wollten einen Ort der Stille ohne Reizüberflutung schaffen“, sagt er. Die traditionell gutbürgerliche Küche des Hauses verfeinerte die leidenschaftliche Köchin mit Besonderheiten. Die Auswahl reichte von Kartoffelstrudel mit Steinpilzragout über den Schweinsbraten mit Knödeln bis hin zum pochierten Seeteufel-Filet mit Püree aus Zuckerschoten. Dazu konnte der Gast zwischen 20 verschiedenen Bieren, an die 20 Rot- und Weißweinen und ausgesuchten Schnäpsen auswählen.

„Faire Leistung zu fairen Preisen“, sei ihr Motto gewesen. „Wir hatten immer Glück mit dem Personal“, sagen sie – und mit den Gästen, bei denen sie sich für die jahrelange Treue bedanken. Schön war’s, darüber sind sich die Wirtsleute einig – vor allem die saalfüllenden Veranstaltungen wie den Hochstadter Stier von Weßlings Lyriker Anton G. Leitner, der die Schließung sehr bedauert: „Der Gasthof Schuster war über 20 Jahre lang unsere Lyrik-Hochburg in Weßling und Heimat für unseren Lyrikstier. Mit dem Gasthof Schuster stirbt ein Stück Kultur in Weßling. Für mich wird es ohne den Gasthof Schuster keinen Anlass mehr geben, Hochstadt aufzusuchen.“

Suche nach alternativen Lokalen

So könnte es auch anderen gehen, denn manch einer reiste extra für die Kultfilme unter freiem Himmel im Rahmen des Fünf-Seen-Filmfestivals an. Auch die regelmäßigen Geburtstagsfeten, die Jubiläen und Hochzeiten müssen jetzt woandershin verlegt werden. Silvester tischen die Wirtsleute wohl das letzte Mal auf. Und am 27. Januar werden sie als Zuschauer den Hochstadter Stier im Gautinger Bosco einmal so richtig von der „anderen Seite“ genießen und damit ihr „ganz normales Leben“ einläuten.

Michéle Kirner

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