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Die Weßlinger Umfahrung steht in der Kritik, weil der teure Amphibienschutz nicht an allen Stellen greift. 

Umfahrung Weßling

Schluckbrunnen und Imprägnierung

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Die Kritik an der Weßlinger Umfahrung reißt nicht ab. Das Staatliche Bauamt Weilheim setzt weitere Maßnahmen für den Schutz der Amphibien um. 

Weßling – Als „Desaster für Mensch und Natur“ bezeichnen Naturschützer die Weßlinger Umfahrung. Günter Schorn, Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz, beklagte zuletzt neben der enttäuschenden Auslastung der Straße vor allem die Tatsache, dass die aufwändigen Maßnahmen zum Schutz der Amphibien nicht greifen (wir berichteten). Das Staatliche Bauamt in Weilheim sucht nach Lösungen.

„Das ist für uns alle Neuland“, sagt Ingenieur Christian Probst im Staatlichen Bauamt in Weilheim. Offensichtlich gibt es gleich mehrere Probleme entlang der 1,4 Kilometer langen Strecke, die mit 42 Amphibiendurchlässen versehen wurde. Zum einen steht in manchen Tunneln das Wasser, „und wird zu einer tödlichen alkalischen Brühe, in der die Tiere verenden“, so Günter Schorn in einer Pressemitteilung. Jungfrösche klebten am Beton fest und verendeten. „Bis heute müssen regelmäßig Mitglieder des Bund Naturschutz die Anlage abgehen, um die Molche und Frösche, die die Unterführung nicht nutzen, über die Straße zu tragen“, so Schorn. Trotzdem hätten hunderte Amphibien ihr Leben gelassen.

Christian Probst weiß um die Probleme, seine Behörde steht vor einem Rätsel. Denn die Umfahrung Seeshaupt, die Staatsstraße 2063, wurde mit den gleichen Systemen vom gleichen Hersteller versehen – „und da funktioniert es“. Von den Überschwemmungen seien bei Starkregen insgesamt drei Durchlässe betroffen. Durch die Bodenverbesserung löse sich dort Kalk und sorge für die alkalische Lösung, in der manche der Amphibien dann bedauerlicherweise verenden würden. Das Bauamt hat nun vier bis fünf Kubikmeter Boden ausgetauscht und durch groben Kies ersetzt. „Aber die komplette Versickerung haben wir dadurch nicht erreicht.“ Im Postausgang Richtung Landratsamt liegt nun der Antrag auf Bau eines Schluckbrunnens: Durch einen bis zu zwölf Meter tiefen Schacht mit bis zu 30 Zentimeter Durchmesser könnte in tiefere Schichten Wasser abgeleitet werden. Noch ein Versuch, um die Überschwemmung in den Tunneln in den Griff zu bekommen.

Damit die Amphibien nicht mehr an der Betonwand kleben bleiben, hat das Bauamt außerdem auf 150 Meter Länge versuchsweise den Beton „hydrophobiert“. Das heißt, die Fläche wird imprägniert und damit wasserabweisend. Den Amphibien, die sich auf den Flächen bewegen, wird nun das Wasser nicht mehr entzogen – „wir haben das jetzt erstmal versuchsweise aufgebracht“, so Probst.

Er kann der Diskussion aber auch etwas Positives abgewinnen. „Wir lernen alle eine Menge dazu“, sagt er. Denn es ist für ihn nicht ausgeschlossen, dass die Schwächen des teuren Amphibiensystems an den anderen Staatsstraßen nur deshalb nicht aufgefallen sind, „weil wohl keine Strecke so genau beobachtet wird wie die Weßlinger Umfahrung“. Grundsätzlich hätten die Behörden großes Interesse daran, dass sich die Investitionen lohnen und nicht nur für Enttäuschung sorgen. Auch die beteiligten Firmen würden sich über die Ergebnisse informieren. „Wir haben uns auch mit dem Hersteller in Verbindung gesetzt und nachgefragt, ob er vielleicht bei der Zusammensetzung der Materialien eine andere Rezeptur benutzt hat“, sagt Probst. Aber alles sei die gleiche Qualität gewesen.

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